WAS TUN MIT KOMMUNISMUS?! – Veranstaltungsreihe


eidesk

30.10.11
SozialismusdebatteSozialismusdebatte, Berlin, TopNews 

 

von eidesk*

Kapitalismus – „real existierender Sozialismus“ – konkrete Utopien heute

Montag, 31. Oktober 2011
Mehringhof (Gneisenaustr. 2a, Nähe U 6+7/Mehringdamm),
18.00 bis 22:00 Uhr:
„Die Linke und der ‘real existierende Sozialismus’ “
Podiumsteilnehmer/innen:
Bini Adamczak (Autorin), Hauke Benner (autonomer Grenzgänger in den 80er Jahren), Willi Hajek (Europ. Netzwerk Basisgewerkschaften), Thomas Klein (Zeithistoriker), Elfriede Müller (jour fixe initiative berlin), Monika Runge (RLS Sachsen, MdL Sachsen), Jörn Schüttrumpf (Karl Dietz Verlag)
Moderation:
Anne Seeck, Bernd Gehrke

Dienstag, 1. November 2011
Haus der Demokratie und Menschenrechte (Greifswalder Str. 4, Tram 3+4, zwei Stationen vom Alex),
18:00 bis 22:00 Uhr:
Wie sozialistisch war der „real existierende Sozialismus“?
Podiumsteilnehmer/innen:
Helmut Bock (Historiker, Historische Kommission der PDL), Renate Hürtgen (Historikerin, AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West), Christoph Jünke (Historiker und Publizist), Ralf G. Landmesser (libertärer Publizist, LPA), Anne Seeck (Aktivistin) Harry Waibel (Historiker und Publizist)
Moderation:
Bernd Gehrke, Willi Hajek

Sonntag, 6. November 2011

Festsaal Kreuzberg (Skalitzer Str. 130, U 1+8/Kottbusser Tor)
17:00 bis 21:00 Uhr
„Raus aus dem Kapitalismus – aber wohin? Konkrete Utopien heute“
Podiumsteilnehmer/innen:
Christian Frings (Aktivist und Autor),
Bernd Gehrke (AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West),
Detlef Hartmann (linker Aktivist und Theoretiker), Lucy Redler
(Partei Die Linke, SAV), Michael Wilk (libertärer Autor und
Aktivist), N.N. Theorie Organisation Praxis (TOP Berlin)
Moderation:
Ralf G. Landmesser, Harry Waibel

Der Eintritt ist frei – Spenden sind erwünscht!


Veranstalterin:
Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (SEK)
*https://eidesk.wordpress.com/about

Die Veranstaltungen werden unterstützt von:

A-Laden Berlin, Arbeitskreis Geschichte sozialer Bewegungen Ost/West, Assoziation A, ASTA TU Berlin, Bildungswerk Berlin der Heinrich Böll Stiftung, Buchladen Schwarze Risse, express, North-East-Antifa, Netzwerk Selbsthilfe e.V., Rosa-Luxemburg-Stiftung, Sozialistische Zeitung (SoZ), Teilhabe e.V., Zeitschrift Analyse & Kritik (ak), Zeitschrift Antirassistischer Gruppen (ZAG), Zeitschrift telegraph.

Beiträge zur Diskussion:
https://eidesk.wordpress.com/beitrage-zur-diskussion/

INTRO
Die kapitalistische Weltwirtschaft und die bürgerlichen Demokratien sind von fundamentalen Krisen erfasst. Begleitet werden sie von einem Aufschwung des Rechtspopulismus in Europa. Gleichzeitig wächst aber auch die Bereitschaft, über Alternativen und Wege zur Überwindung des Kapitalismus nachzudenken.

Für Empörung, Aufstände und soziale Revolutionen gibt es reichliche Gründe, wie die jüngsten Entwicklungen in der arabischen Welt, in Griechenland, Spanien oder in Großbritannien zeigen. In dieser Situation ist aber gerade in Deutschland auch eine Wiederbelebung der ML-Ideologie der gescheiterten pseudo-sozialistischen Diktaturen des Ost-Blocks zu verzeichnen.

Die dreiste Leugnung des repressiven Charakters dieser Polizeistaaten gegenüber ihrer Bevölkerungsmehrheit, das Abschmettern jeder linken Kritik, sowie Mythen über „sozialistische Errungenschaften“ in solchen Staaten treiben neue Blüten. Überreste der DDR-Nomenklatura finden dafür in der linken Öffentlichkeit, u.a. in der „jungen Welt“ eine Plattform.

Angewidert von der antikommunistischen Propaganda entdecken aber auch manch junge Linke plötzlich scheinbare „Vorzüge der DDR“. Auf diese Weise tappen Linke aber nicht nur in die Falle der Neutralisierung antikapitalistischer Strömungen durch die Herrschenden; diese können nämlich die negativen Erfahrungen vieler Menschen in Ost und West mit dem untergegangenen System gegen die Linke mobilisieren.

Jene Linken sind auch dazu verdammt, erneut autoritäre Wege zu betreten, die nicht über den heutigen Kapitalismus und die in langen geschichtlichen Kämpfen gegen Kapital und Staat erstrittenen Freiheiten hinausführen, sondern dahinter zurückfallen.

Die bisherigen „real-sozialistischen“ Verhältnisse haben sich als antiemanzipatorische Sackgassen erwiesen. Deshalb ist für die Suche nach Alternativen zum Kapitalismus im 21. Jahrhundert eine radikal emanzipatorische Neubestimmung von Theorie und Praxis der antikapitalistischen Linken notwendig. Eine (selbst-)kritische Auseinandersetzung mit den Fehlern und Irrtümern der eigenen Geschichte ist dafür eine ebenso unverzichtbare Voraussetzung, wie neue Antworten auf veränderte geschichtliche Bedingungen.

Diese Erkenntnisse sollten den Ausgangspunkt jeder heutigen Debatte über antikapitalistische Perspektiven bilden. Deshalb wollen wir in drei zusammengehörenden Veranstaltungen darüber diskutieren, ob und inwiefern eine Alternative zum Kapitalismus für verschiedene emanzipatorische Strömungen der antikapitalistischen Linken heute noch unter dem Leitstern eines „Kommunismus“ stehen kann? Oder hat die geschichtliche Praxis von Bolschewismus und Stalinismus Begriff und Idee so verschlissen, dass sie durch andere Leitideen ersetzt werden müssten?

In einer ersten Veranstaltung unserer Reihe wollen wir deshalb darüber diskutieren, wie das Verhältnis verschiedener emanzipatorischer Strömungen der antikapitalistischen Linken zum „real existierenden Sozialismus“ war und ist. Dabei wollen wir mit Lügen und Geschichtsmythen aufräumen.

Eng verbunden damit soll in einer zweiten Veranstaltung dem Problem nachgegangen werden, wie sozialistisch der „real existierende Sozialismus“ jenseits aller Mythen überhaupt war? Damit sollen die verschiedenen Strömungen, die wir eingeladen haben auch bestimmen, was sie unter „Sozialismus“ überhaupt verstehen. Ebenso wollen wir ausloten, worin die verschiedenen Strömungen die Ursachen für die Fehlentwicklung des Ost-Blocks sehen und wie sie den Charakter dieser Gesellschaften rückblickend einschätzen.

In einer dritten und letzten Veranstaltung wollen wir uns darüber austauschen, welche emanzipatorischen Auswege aus dem Kapitalismus sich nach dem Scheitern des „real existierenden Sozialismus“ ergeben. Können diese gesellschaftlichen Alternative(n) noch mit dem Begriff „Kommunismus“ assoziiert werden?
http://www.eidesk.wordpress.com

Anmerkung:
Der nachfolgende Text ist R@lf G. Landmesser's Eigeninterpretation innerhalb der „Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (SEK)“ - im Herbst 2011

Montag blau machen und sich rote Ohren holen...Dienstag nicht dienen sondern diskutieren!!!...und nächsten Sonntag keine Sonntagsreden halten.

Ist Kommunismus wieder sexy für die Armen? Oder ist Kommunismus nur was für die Armen im Geiste? „Wer mit 20 kein Kommunist ist hat kein Herz. Wer mit 30 noch Kommunist ist hat kein Hirn.“? Wie hirnlos ist die verkopfte Linke? Oder doch: wie geschichts- und bewußtlos ist sie? Alte Mythen in neuen Tüten. Will das wer?

Ab 1989 ff ist der ganze „Warschauer Pakt“ abgeschmiert. Mensch nannte das vorher euphemistisch den „Realexistierenden Sozialismus“. Weil er mit dem utopischen Sozialismus nix mehr zu tun hatte und aus der saftig-roten Zukunftshoffnung eine dröge rostrote Schrumpelzitrone mit Südfrüchtemangel geworden war. Statt Räte Ratlosigkeit, statt Sowjets Kampfjets mit nuklearer Bewaffnung – letztere auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs. Spione, Mauern, Zäune, Stacheldraht überall. Das „Arbeiterparadies“ wo keiner hin wollte, aber aus dem abhaute wer eben konnte.

Die Entfremdung der Arbeit, die unter dem Kommunismus / Sozialismus aufgehoben sein sollte, war real zu einer bürokratisch überwachten Staatssklavenarbeit geworden, mies entlohnt und militarisiert. Überall wo marxistisch geschulte sogenannte Kommunist_inn_en an der Macht waren, fuhren sie die Wirtschaft mit Karacho vor die Wand, versauten sie die Umwelt, ohne Angst vor peinlicher Öffentlichkeit haben zu müssen. Schuld war einzig der böse Kapitalismus und nie die eigene Unfähigkeit.

Wer im Westen „Kommunismus“ hörte, dachte: Bolschewismus, realexitierendes Sozialismus-Zerrbild der Mangelwirtschaft und Zwangsverwaltung unter einer allmächtigen, parteigesteuerten Geheimpolizei mit Gewalt über Leben und Tod.

Aber es gab auch von Beginn an die „andere Arbeiter_innen-Bewegung“, die Bewegung eines freiheitlich denkenden und handelnden Sozialismus. Am deutlichsten manifestierte der sich vor 75 Jahren im revolutionären Aufstand gegen den klerikalfaschistischen Militärputsch der Spaniens linke Republik stürzen sollte und der von Hitler und Mussolini erst ermöglicht und massiv unterstützt wurde. Basisgewerkschaften schlugen die Franco-Generäle zunächst zurück und setzten umgehend auf soziale Revolution. Öffentliche Dienste, Industrie und Landwirtschaft wurden von ihnen kollektivisiert und der „Rat der antifaschistischen Milizen“ hatte einige Monate die faktische politische Macht inne. Doch wie in der sog. Sowjetunion brach Stalin der Spanischen Revolution im Inneren das moralische Rückgrat. Weder er noch die westlichen Blockade-"Demokratien" wollten ein libertär-sozialistisches Spanien. Revolution und Krieg gingen so beide verloren und mit dem Hitler-Stalin-Pakt in den Zweiten Weltkrieg über: das gemeinsame Totalitaristen-Opfer hieß für den Anfang Polen.

Heute gibt es keinen sowjetischen Machtblock mehr und die Maoisten Chinas sind offenbare Staatskapitalisten. Kein effektives Gegengewicht hält den Turbokapitalismus von maßloser Expansion, Auspowerung von Völkern und Naturressourcen, Umweltzerstörung, sowie endlosen Kriegen in aller Welt ab. Aber der Konsens des „sozialen Friedens“ in den Ländern des globalen Kapitalismus zerbricht. Die andauernde Umverteilung von unten nach oben hat grotesk gierige Züge angenommen und das Universaltauschmittel Geld ist das Papier nicht mehr wert, auf das es pausen- und deckungslos gedruckt wird. Wirr wuselnde Politikerlarven gleichen hilflosen Krisenkurieren, die die Krisen nicht kurieren können. Die Krise ist System geworden. Das System ist die Krise an sich.

In dieser Situation sucht die emanzipatorische Linke erneut nach Lösungen jenseits des kapitalen Elends, das ständig weltweit vermehrt wird. Hilflos wird versucht, ein „revolutionäres Subjekt“ herbei zu lamentieren, das die verbetonierten Verhältnisse zum Bröseln, wenn nicht gar zum Tanzen bringen soll. Emma Goldman sei's geklagt!

Zuflucht nehmen viele bei (n)ostalgischen Vorstellungen von obrigkeitsstaatlicher und „avantgarde“-parteilicher Führung, Kadersozialismus, als hätte es Tscheka und Gulag nie gegeben. Viele Junge wissens leider kaum besser und die Alten schießen die alten Böcke von neuem – im rosig-verklärenden Büchsenlicht einer mythologisierten blutigrostroten Vergangenheit. „Arbeiter an die Gewehre ...“ ...

Wenn wir nicht von neuem in alte Fallen tappen wollen, müssen wir diesen Mythen zu Leibe rücken und uns den historischen Tatsachen des Versagens des Sozialismus in allen seinen Varianten stellen. Ohne klar zu haben, was falsch, dumm und Lüge war, kommen wir keinen Schritt in Richtung Freiheit und Sozialismus weiter. Wir brauchen keine neuen Kasernen! Und sicher keine neuen Führer und Arbeitslager.

Es sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass heroisches Ringen im Pulverdampf von Barrikadenrevolutionen out und mehr Köpfchen gefragt ist. Gewaltsamstumpfes Revoluzzen ist genau das, was die Gegenseite von uns erwartet – damit sie uns kräftig auf die Schnauze und uns alle zusammen in die Pfanne hauen kann. Das kann sie nämlich am besten. Wie wir sehen, sind Revolutionen, die es verstanden haben auf Gewalt möglichst zu verzichten, die nachhaltigsten. Militarismus hingegen führt zu militarisierten Gesellschaften mit abgehoben-korrupten Eliten und nicht zu einem humanen Umgehen miteinander auf der Basis der Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit. Darum sind neue Lösungen gefragt, die kapitalistische Misere zu überwinden.

Wo wollen wir hin? Ist dieser ominöse „Kommunismus“ noch eine Option und wenn ja, dann welche? Kann Kommunismus frei sein, wie es Anarchist_inn_en und Rätekommunist_inn_en meinen? Oder brauchen wir jenseits der alten abgedroschenen Worthülsen ganz andere und tatsächliche Lösungen für eine nichtkapitalistische soziale Gesellschaft in Freiheit?

Dem wollen wir in unseren drei aufeinander aufbauenden Veranstaltungen nachgehen. Vielleicht gibt es dann auch eine Lösung (oder zumindest einen Ansatz dazu) für das „Ei des Kommunismus“, das die ganze Zeit ratlos [sic!] herumgereicht wird. Köpfen oder Aufklopfen? Und wer darf (oder muß) es am Ende auslöffeln?

Wir sind gespannt.




VON: EIDESK






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