Die Mauer aus der Sicht der BRD


27.08.11
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Debattenbeitrag von Monika Dumont

Nachdem die Junge Welt ein 'Danke' für das 28jährige Bestehen der Mauer geschrieben hat, habe ich darüber nachgedacht, wie es in dieser Zeit in der BRD war, auch hier kann man Danke sagen, dass die Mauer bestanden hat, denn hier war einiges anders.

So kann man Danke sagen für ein Leben in einem sozialen Deutschland, hier konnten die Arbeiter die Arbeitszeit verkürzen ohne Lohnverlust. Wir sind von 40 Stundenwoche Arbeitszeit auf erst 37 Stunden gekommen und anschließend hatten wir die 35 Stundenwoche.
Den Menschen die Arbeit hatten ging es gut und sie konnten  ihre Arbeitsplätze wechseln, wenn sie mit den Arbeitsbedingungen nicht einverstanden waren. Sie konnten in Urlaub fahren, Häuser bauen und Autos kaufen, der Wirtschaft ging es gut, denn der Konsum brummte, aber das war einmal...

Wir konnten danke sagen an die Mauer, die uns einen Wirtschaftsaufschwung verschafft hatte, an dem auch die arbeitende Bevölkerung teilhaben konnte. Auch wenn man keine Arbeit hatte, hatte man in den Jahren zuvor in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt und bekam auch mehrere Jahre Arbeitslosengeld.

Die Frauen konnten auch arbeiten und wurden zwar schlechter bezahlt, doch das ist ja heute noch so. Kindergartenplätze gab es, doch eine rundum Betreuung gab es nicht, der Mann konnte mit dem Lohn seine Familie ernähren, nicht so heute, jetzt braucht man mindestens 2 Einkommen um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

So lange es die innerdeutsche Grenze bestand, konnten auch die Kinder der Arbeiterklasse die Schulen besuchen, für die sie geeignet waren und auch studieren, denn hier waren weder teure Schulbücher noch Studiengebühren fällig. Trotz des Kapitalismus herrschten hier relativ soziale Verhältnisse.

Die Unternehmer hatten zu diesem Zeitpunkt auch mehr Einkommen als die Arbeiterklasse, doch das Verhältnis war ausgewogener als heute. Es war ein 'Demokratismus' vorhanden, Demonstrationen, Meinungsfreiheit und Bürgerinitiativen für den Umweltschutz wurden gebildet. Alleinerziehende Mütter wurden mehr unterstützt und kamen besser zurecht als heute. Es hat das Gefühl der Sicherheit gegeben, denn die Mauer war ja da...

Nach dem Fall der Mauer hatte sich hier in der BRD schlagartig einiges verändert. Der Kapitalismus konnte jetzt wieder die Zügel anziehen und der Arbeiterklasse seine Bedingungen aufdrücken. In der Regierung wurden auch immer mehr Entscheidungen im Sinne der Wirschaft getroffen.

Bis dann Auslandseinsätze schon unter der CDU Regierung als Schutz für die Menschen und den Frieden befohlen wurden, das hatte sich dann aber auch sehr schnell unter der Regierung der SPD/Die Grünen in kriegerische Einsätze im Ausland geändert. Heute haben wir unsere Soldatinnen und Soldaten im Ausland und sie werden durch Anschläge und Beschuss des Lebens bedroht. Es ist kein Schutzeinsatz mehr, sondern Kriegseinsatz.

Die Mauer hatte auch positives für die Menschen in der BRD, denn heute kann der Kapitalismus seine grässliche Fratze zeigen, die Arbeiter unterdrücken, die Menschen in die Armut treiben, Kinder ausgrenzen, die nicht aus reichem Elternhaus stammen, denn sie können schulisch nicht mithalten, weil zu viel bezahlt werden muss.

Studieren ist auch kaum mehr möglich, es sei denn, die Studiengebühren und Unterhalt werden als Kredit aufgenommen und müssen bei Antritt einer Arbeitsstelle zurückgezahlt werden. Teilweise müssen die Studenten auch arbeiten gehen, doch dann haben sie Probleme ihr Studium schnell zu Ende zu bringen, denn auch das Studieren hat sich durch die Einführung des Zwei-Klassen Studiums (Bachelor und Master) geändert.

Heute gibt es mehr Arbeitslosigkeit, Menschen die in soziale Not kommen und Hartz IV beziehen müssen, obwohl sie arbeiten und so können die Unternehmer auch eine Gewinnmaximierung verzeichnen. Die Verteilung der Gewinne der Wirtschaft ist so ungleich verteilt, dass es nur noch wenige Menschen gibt, die davon profitieren.

50 Jahre nach dem Mauerbau kann man sehen, dass nicht immer alles schlecht war. Wir dürfen die negativen Seiten in der damaligen DDR niemals vergessen, sollten uns darüber bewusst sein, dass wir heute nach dem Fall der Mauer ein anderes Leben haben als mit der Mauer.

Einige Menschen wünschen sich sogar die Mauer zurück, doch das würde in unserer heutigen Situation nichts ändern. Wir müssen den Kapitalismus überwinden und ein sozialistisch regiertes Land haben, nur dann geht es wieder aufwärts und wir können wieder in einer Gemeinschaft leben, die allen gerecht wird.

Jedes Opfer der Mauer ist zu beklagen, aber auch die Menschen, die mit dem Gewehr in der Hand aus Angst auf Flüchtlinge geschossen haben. Sie haben nach einem Befehl gehandelt. Wenn wir den Menschen aus dem Naziregime ein 2. Chance gegeben haben, indem wir sie in den Parteien mitregieren ließen, dann sollte man auch den Mauerschützen verzeihen, die aus Furcht vor Repressalien geschossen haben.

Wir hatten nach dem 2. Weltkrieg etliche Nazis in der CDU und FDP, das hat keiner kritisiert, denn sie waren im Bundestag und hatten auch Positionen, in denen sie Veränderungen beschließen konnten.

Wir sollten erkennen, dass nicht alles schlecht ist, denn es gibt auch positive Dinge, die in den einzelnen Regierungen Europas stattgefunden haben. Denkt darüber nach und seid ehrlich, denn es gibt nicht nur eine Seite der Medaille, es gibt immer zwei.


 


VON: MONIKA DUMONT






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