Klassenkampf, ein Kampf welcher beständig geführt, auch indem er geleugnet wird!


Bildmontage: HF

17.08.11
SozialismusdebatteSozialismusdebatte, Theorie, TopNews 

 

von Th. Loch

Nicht die Mauer war für die herrschenden Kreise der BRD das Problem, sondern die damit klar geklärten Eigentumsverhältnisse zu Ungunsten des Kapitals im Osten Deutschlands, in der DDR!

Damit sich so etwas nicht wieder ereignet, sind die betroffenen Kreise bemüht die DDR zu dämonisieren, sie zu kriminalisieren und das obwohl sie seit über zwanzig Jahren nicht mehr existent ist.

Die Macht der DDR war groß, die Angst vor dieser Macht ist heute größer denn je! Denn gerade in Zeiten sich zuspitzender Krisen, permanenter Erschütterungen im Gebälk des Kapitals und der sich täglich beweisenden Unfähigkeit des kapitalistischen Systems gravierende Menschheitsprobleme zu lösen, kommt es darauf an eine jede mögliche Alternative zu diesem System in Abrede zu stellen.

Das in diesem Zusammenhang durchaus über Mauern nachgedacht werden muss steht außer Frage, gerade auch über deren Ursächlichkeit. Und war es nicht das Bürgertum, welches sich überhaupt erst im Schatten der Mauern mittelalterlicher Städte erfolgreich entwickeln und emanzipieren konnte und nach wie vor Mauern zum Schutz seiner Interessen errichtet, unterhält und erweitert?

Diese Mauern sind nicht immer sichtbar, sie nehmen vielschichtige Gestalt an. Materialien sind dabei nicht nur Beton, Spann- und Stacheldraht, Überwachungstechnik, Minenfelder, sondern auch Gesetze, Grenzen, nationalstaatliche wie auch solche von Bündnissen wie der EU.

Und wie viele Menschen sterben täglich beim Versuch diese sichtbaren, wie auch unsichtbaren Mauern zu überwinden? Die Mauer ist ein Instrument bürgerlichen Seins und dient den Kräften des Kapitals ihre Interessen zu waren. Die Grenze der DDR hingegen schloss Kapitalinteressen aus, aus diesem Grund wird diese Mauer als etwas Unmenschliches dargestellt. Das sich zu diesem Zweck die Toten an dieser Grenze gut instrumentalisieren lassen steht wohl außer Frage.

Dass die Toten an den eigenen Mauern viel Zahlreicher waren und sind, wird gern vergessen. Vergessen wird aber auch, dass in jüngster Vergangenheit, nach dem Ende der DDR und somit auch der „Mauer“, in viel kürzester Zeit, außerhalb der eigenen Grenzen, ein viel größere Zahl an Toten zu verantworten ist, egal ob in Jugoslawien, Afghanistan, vor den Küsten Somalias oder an anderen Orten wo „Mauern“ des Kapitals zu errichten, zu schützen und auszubauen sind. Vergessen wir nicht, Mauern haben immer zwei Seiten, in jedem Fall werden sie aber zur Wahrung von Interessen errichtet.

Und so wird gegen Vergangenes weiter gehetzt, dahinter stehende Interesse gern verschleiert, die eigenen Interessen wahrend, werden eigene „Mauern“ verteidigt und auch Menschen getötet!

Ja, bei aller politischen Rhetorik sollte nicht vergessen werden, nach den Interessen zu fragen, welche hinter den Darstellungen stehen, selbes trifft natürlich auch für die politische Tat zu!

In der MZ von heute gibt es auf der Titelseite einen Artikel welcher mit „Empörung über Rostocker Mauer-Eklat“ überschrieben ist. In diesen ist zu erfahren „Delegierte boykottierten Gedenkminute“ und das der sachsenanhaltinische Ministerpräsident dieses als „Zynismus und Borniertheit“ geißelt. (Dabei ist Sachsen-Anhalt nun nicht nur das Land der Frühaufsteher und früher sterbenden, sondern auch das Bundesland mit der höchsten Selbstmordrate.)

Da haben es doch wirklich einige Delegierte (3) gewagt den Toten der „Mauer“ nicht ehrendes Gedenken zukommen zu lassen, was natürlich für die nötige Erregung sorgt, welcher ein entsprechender Aufschrei folgt. Dass die PDL in diesem Zusammenhang nicht Eins ist verwundert wenig und so gibt es die verschiedensten politischen Akteure dieser Partei, welche sofort bemüht sind eventuelle „Schäden“ zu begrenzen, in dem sie sich klar von den „Boykotteuren“ distanzieren.

Im Zusammenhang mit dieser Kritik rückt die Titelseite der Jungen Welt vom 13.08. ebenfalls ins Blickfeld und sogt in der MZ auf Seite 4 für „großes Entsetzen“. Ob nun von den drei Gedenkminutenboykott hören, wie auch von der Jungen Welt ein Eklat gesucht wurde, ist zu bezweifeln, wobei es für die Meinungsmachemedien sicher einer ist. Eher geht es darum die Auseinandersetzung zu suchen und zu dokumentieren, dass es in der PDL und in diesem Land durchaus eine andere Meinung gibt, als die mit Hilfe der Meinungsmachemedien propagierte.  

Aber wie oben geschrieben, es macht durchaus Sinn über Mauern und deren Sinn nachzudenken, historisch war die Befestigung der Grenze der DDR sicher notwendig, wobei die Vorgeschichte deutscher Teilung Berücksichtigung finden muss, genauso wie der Zeitpunkt der Errichtung.

Etwas anderes ist es, wenn es um den Bestand der Grenzsicherung geht, im Zusammenhang mit Sinn, Funktionsweise und Nutzen. So notwendig bestimmte Entscheidung auch sein mögen und so richtig sie für den konkret historischen Zeitpunkt auch waren, so überholt und überflüssig können sie werden und sich sogar gegen die eigenen Interessen wenden. Die Staatsgrenze der DDR hat die Interessen der Bürger der DDR geschützt und das bis zuletzt, ihr inhaltlicher Bestand hat sich letztlich aber gegen sich selbst gekehrt.

Historische Bedingungen hatten sich verändert, diesem wurde nicht Rechnung getragen, ganz im Gegenteil, durch fast unverändertes Verhalten, durch Starrheit in der Handhabe, konnten verändernde Kräfteverhältnisse nicht zum eigenen Vorteil genutzt werden und wendeten sich letztlich gegen die eigenen Interessen, gegen die eigene Politik. Mit dem praktiziertem Grenzregime wurde den Menschen die Möglichkeit eigener Erkenntnis, eigener Erfahrungen mit dem System des Kapitals verwehrt und somit der von anderer Seite verbreiteten Propaganda Tür und Tor geöffnet. Objektive Vorteile des Sozialismus in der DDR entwickelten sich so im Laufe der Zeit zum Nachteil des Sozialismus.

Die Menschen, welche das kapitalistische System aus eigenem Erleben noch kannten, wurden weniger und es wuchs eine Generation heran welcher praktische Erfahrung verwehrt wurde und somit besonders anfällig für Illusionen über kapitalistisches Seins war. Dabei hatten sich im Machtbereich des Kapitals die Bedingungen verändert, es war nicht mehr 1961, das „Wirtschaftswunder“ war vorbei, Krisen erschütterten die westliche Gesellschaft, die Zahl der Arbeitslosen wuchs und so hatte die Situation in den 1970ziger Jahren Veränderung erfahren und veränderte sich weiter. Das bedeutete nicht, dass der Kapitalismus etwas friedfertig wurde, ganz im Gegenteil. Aber auch in der DDR hatte sich viel geädert, ab Ende der 1970ziger Jahre mussten z. B. Betriebe künstlich am Leben erhalten werden um das verfassungsmäßige Recht auf Arbeit garantieren zu können, was mit nicht unerheblichen Kosten verbunden war.

Da nun auch die DDR Bestandteil der Weltwirtschaft war, immerhin war sie zehnt stärkste Industrienation und diese aber nach wie vor von den Kräften des Kapitals dominiert wurde, gingen natürlich auch die Folgen kapitalistischen Wirtschaftens nicht Spurlos an der DDR vorüber. Verschärfend kamen für die sozialistischen Staaten noch verschiedenste Formen wirtschaftlicher Einflussnahme, wie Embargos wichtiger Rohstoffe und wichtiger Technologien, so wie die westliche Politik des Hochrüstens, welche nicht ohne Reaktion geblieben sind/ist und erhebliche volkswirtschaftliche Mittel verschlangen, hinzu. Der Klassenkampf tobte auf allen Ebenen und die Auseinandersetzungen wurden mit allen zur Verfügung stehenden Mittel geführt, ausgenommen des Mittels des heißen Krieges. Diese Auseinandersetzungen sind ein Bestandteil des Klassenkampfes gewesen, der Umgang mit dieser Geschichte ist Klassenkampf und wird es auch in Zukunft sein!

Bedingungen hatten sich verändert, den Veränderungen wurde aus den verschiedensten Gründen, welche es durchaus gilt zu ergründen, nicht im erforderlichen Maße Rechnung getragen. Das wirken objektiver Gesetzmäßigkeiten im gesellschaftlichem Sein war in der DDR anerkannt und doch wurde dieser Erkenntnis in der Praxis zu wenig Nachdruck verliehen. In diesem Zusammenhang spielt der subjektive Faktor, die Objekt-Subjekt-Dialektik eine entscheidende Rolle!

Nur trotz alle dem, wie mächtig muss eine Gesellschaft gewesen sein, welche es erforderlich macht sie noch zwanzig Jahre nach ihrem Untergang zu verteufeln, ja wie mächtig ist diese Gesellschaft heute noch, wie mächtig ist die Idee des Sozialismus, dass es für notwendig erachtet wird sie beständig in Misskredit zu bringen, in dem historische Ereignisse aus ihrem Zusammenhang gerissen werden, instrumentalisiert und als Geschütze aufgebaut werden müssen? Wie mächtig ist eine Idee, welche beständig als Tod erklärt wird, aber doch wie etwas Überlebensgroßes bekämpft wird?

Geschichte wiederholt sich nicht, aber die Geschichte hat in der Vergangenheit bewiesen, dass Versuche gesellschaftlicher Veränderung nicht von Vornherein von Erfolg gekrönt und selbst wenn Erfolge erzielt werden, diese vor Rückschlägen nicht gefeit sind, sondern beständig in Frage gestellt werden. Es ist ein Kampf welcher sich über lange Zeit hinziehen kann, mit Erfolgen, Rückschlägen, neuen Kämpfen unter veränderten Bedingungen, wichtig ist die richtigen Schlüsse aus den Niederlagen zu ziehen und diesen Rechnung zu tragen.

Selbst das kapitalistische System hat einige Jahrhunderte gebraucht bis es sich als die dominierende Ordnung durchgesetzt hatte, dabei begann die Emanzipation des Bürgertums in unseren Gefilden spätestens mit der Gründung der ersten Städte. Und wie lange hat es gedauert bis diese Klasse die ökonomische Macht errungen hatte und dieses durch die Übernahme der politischen Macht vollendete?

In Deutschland erfolgte ein solcher Prozess gegen Ende des 19 und zu Beginn des 20 Jahrhunderts, also noch nicht all zu lange her. In Europa hatte die bürgerliche Gesellschaft ihren Durchbruch mit der französischen Revolution erzielt, alle vorhergehenden bürgerlichen Revolutionen waren gescheitert oder endeten in einem Kompromiss zwischen der Klasse des Bürgertums und dem Adel. Nein, geschichtliche Entwicklung ist keine Einbahnstraße, wobei Mauern kein typisches Merkmal des Sozialismus sind und sein können, so berechtigt sie historisch auch sein mögen. Wenn sie aber notwendig sind, so kann es nur ein Ziel nach deren Errichtung geben, nämlich ihre Negierung.

Die Sicherung der Staatsgrenze der DDR 1961 war notwendig, jedoch kann eine neue Gesellschaftsordnung wie der Sozialismus nur durch die Köpfe der Menschen dieser Gesellschaft gesichert werden. Es ist die freiwillige und bewusste Tat der Menschen dafür erforderlich und diese freiwillige und bewusste Tat macht einen allgemein gebildeten Menschen auf immer höherem Niveau erforderlich, welchem nicht nur umfassende Möglichkeiten der Bildung erschlossen werden, sondern welcher auch die Möglichkeit hat erlerntes Wissen durch Erfahrung zu untermauern.

Frei nach Marx, die Praxis als Prüfstein einer jeden Theorie! Kinder werden Erwachsen und möchten ihre eigenen Erfahrungen sammeln und dazu gehört nicht nur der Irrtum, sondern auch das Recht Fehler machen zu dürfen! Behütet möge es sich gut leben lassen, lässt aber auch Blindheit für Gefahren aufkommen. Und so sei hier frei nach Mark Twain geendet, - Oh Herr, führe uns in Versuchung, denn nur wer die Versuchung kennt, kann ihr auch widerstehen! -      

http://ml-theorie-gedanken.kucaf.de/2011/08/15/die-macht-der-ddr-war-gros-die-angst-vor-dieser-macht-ist-heute-groser-den-je

 


VON: TH. LOCH






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