„Zukunft oder Ende des Kapitalismus“


Foto: René Lindenau

10.12.19
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so heißt das neue Buch des rastlosen Professors Dieter Klein (1931), dass dieser im September 2019 beim VSA Verlag herausbrachte.

Von René Lindenau

Den ganzen Tag über schien wunderschön die Herbstsonne. Programmgemäß verschwand sie, es wurde dunkel, aber das zu besprechende Buch sorgte bei seiner Vorstellung am Abend dieses 19. November dennoch für viele lichte Gedanken. Anteil daran hatte nicht nur der Autor, sondern auch die nun „Alt“- Staatssekretärin in brandenburgischen Finanzministerium, Daniela Trochowski, der die Einführung in das Werk oblag und der Vorstandsvorsitzenden der Rosa Luxemburg Stiftung, Dagmar Enkelmann, der die Moderation im Salon ihres Hauses zufiel.

Trochowski erwartete von diesem Buch, Wege wie man den Kapitalismus überwinden könne, das leiste Klein auch. Wir brauchten einen derartigen Diskursleitfaden, wobei sie hervorhob, er ginge nicht schablonenhaft, sondern strategisch vor. Schon hier spürt man dessen Klugheit und Erfahrung. Das Wort von Diskurs zieht sich im Übrigen durch das ganze Buch (Kapitel) oder auch in der abendlichen Rede darüber, die ich erleben durfte. Eindringlich warnte die ehemalige Regierungspolitikerin vor den Neuen Rechten und vor der AfD. Am Ende strebe sie schon bedingt durch ihre geistige Verwandtschaft mit dem Neoliberalismus einen autoritären Kapitalismus an. Die überzeugte Kritikerin eines grenzenlosen Wachstums sagte dann angesichts der Debatten um einen Green New Deal und grünen Sozialismus, was in Klein´ Publikation ohnehin eine große Rolle spielt, den Kernsatz: Grün geht nur mit Rot! In den Farben der LINKEN natürlich.

Im Kurztext zu dieser neuen Veröffentlichung der Rosa Luxemburg Stiftung heißt es: „Diskurse haben Macht über Menschen. Konzentriert auf die Frage nach Zukunft oder Ende des Kapitalismus zeichnet Dieter Klein in einer kritischen Analyse von Texten prominenter Autoren das Panorama der gegenwärtigen Diskurswelt nach – mündend in Konturen einer solidarischen Gesellschaftsalternative“. Somit übernahm Prof. Klein selbst und ging - redlich – auf seine Neuerscheinung ein. Der Autor hat das Werk in zwei Teile und mehrere Kapitel gegliedert. Im ersten Teil geht es um „Diskurse der Systemstabilisierung, Diskurse ohne Hoffnung, Rechtsextreme Diskurse.Vor allem der Punkt „Ohne Hoffnung“ sollte die Vorrednerin nach eigenen Angaben zunächst deprimieren. Aber es wurde ja besser und weniger pessimistisch, auch wenn das gesellschaftliche Umfeld in der sich die deutsche und europäische Linke bewegt , derzeit nicht gerade einfach ist. Im zweiten Teil wendet er sich „Alternativen Diskursen“, darunter auch theoretischen Grundlagen für linke Gesellschaftsalternativen zu.

Der Buchautor legt aufgebaut auf der kritischen Analyse von Texten prominenter Autoren das Panorama einer „Diskurslandschaft“ vor. Und darin kommen vor: Bert Rürup, Hans-Werner Sinn, Wolfgang Streeck, Frank Schirrmacher, Björn Höcke, Ernst Bloch. Im Grunde ist es eine Text – und Denkanalyse der Genannten. Berührt werden Fragen von Neoliberalismus, Wachstum, Transformation, sozial – ökologischer Umbau, Kapitalismusanalyse, demokratischer Sozialismus.

Trochowski mahnte später, es gehöre größter Mut dazu, sich von tief verinnerlichten Wahrheiten zu verabschieden. Auf eine Frage antwortend gestand sie, in Sachen Nachhaltigkeitsstrategie haben wir in zehn Jahren Rot-Rot in Brandenburg Zeit „verpennt“.

Man kann also sehen: Für die Linke; gesellschaftlich oder parteipolitisch organisiert, gäbe es viel zu tun. Aber was macht man mit einem zerstrittenen Haufen, dem das Komma wichtiger ist als die Herstellung von Pluralität im Interesse des sie einigenden Ganzen? Vielleicht hilft hier Ernst Bloch, den Klein nicht nur in seinem Buch Beachtung schenkte: „Hoffnung ist ein verpflichtendes Prinzip in Wissenschaft und Politik“. Hoffen wir mal...

 

Cottbus, 10.12. 2019  René Lindenau







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