262. Bremer Montagsdemo am 11. 01. 2010

13.01.10
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Arbeitspflicht ist kein Konzept zum Aufbau des Sozialismus

Von Gerolf D. Brettschneider

Manche Genossen, die bei der Forderung nach einem Grundeinkommen dessen Bedingungslosigkeit ablehnen, zögern dennoch, die Konsequenzen beim Namen zu nennen: die hässlichen Schwestern Arbeitspflicht und Zwangsarbeit. So wird auch bei Hartz IV schamhaft vom "Fördern und Fordern" geschwurbelt. Doch jeder Mensch hat ein Existenzrecht. Dieses an Bedingungen zu knüpfen, ist der Beginn eines Rückfalls in den Faschismus mit all seinen Angriffen gegen"lebensunwertes Leben".

Zwar zählt das "Kommunistische Manifest" auch den "gleichen Arbeitszwang für alle" zu den Merkmalen der "fortgeschrittensten Länder" - die "Klassiker des Marxismus-Leninismus" verwenden diesen Begriff aber nur an sehr wenigen weiteren Stellen, wie die Suche auf einer entsprechenden Internet-Site ergibt. So lässt sich auch in Unkenntnis des umfangreichen Gesamtwerkes die Vermutung wagen, dass Arbeitspflicht kein taugliches Konzept zum Aufbau des Sozialismus darstellt. Dazu müsste sonst mehr zu sagen sein, klar und unverhüllt.

Zwar ist einem Grundsatz wie "jedem nach seinen Fähigkeiten oder Leistungen" in der Tendenz zuzustimmen - nicht aber in der grausamen Konsequenz, dass nichts bekommt, wer nichts kann oder leistet. Allenfalls darf gelten, dass der oder die Betreffende nichts hinzu bekommt, nämlich zu seinem oder ihrem bedingungslosen Einheitsgrundeinkommen. Dieses bereits in der kapitalistischen Gegenwart zu erkämpfen, ist ein berechtigtes Anliegen der Erwerbseinkommenslosen, um ihre Lebensverhältnisse zu bessern.

Der Mensch, wenn man ihn in Ruhe lässt, arbeitet, weil es ihm ein Bedürfnis ist, auch freiwillig, und dies am liebsten. Wer die organisierte Gesellschaft als freundlich erlebt, indem sie das Dasein aller ihrer Angehörigen sichert, ohne Bedingungen zu stellen, weil ihr Reichtum für alle reicht, der wird immer gern bereit sein, auch für die Mitmenschen etwas Sinnvolles, Nützliches oder Schönes zu leisten. Ein Grundeinkommen in existenzsichernder Höhe befreit uns von Angst und dem Zwang, uns ausbeuterischen Bedingungen der "Arbeitgeber" zu unterwerfen.
Gerolf D. Brettschneider (parteilos) 







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