FrauenANSICHTEN: Was ist erreicht? - Was steht noch an?


Bilder: EBS

12.03.11
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Freidenkerverband stellt Festschrift zum 100. Internationalen Frauentag vor

Von Edith Bartelmus-Scholich

Zum 100. Internationalen Frauentag hat der Freidenkerverband NRW der Frauenbewegung ein besonderes Geschenk gemacht. In einer Festschrift mit dem Titel FrauenANSICHTEN bilanzieren 58 Aktivistinnen – jede ganz persönlich – die gesellschaftliche Lage der Frauen. „Was ist erreicht? Wie haben wir es geschafft? Und was ist noch zu tun?“, wollte Edith Fröse, die für die FreidenkerInnen das Projekt verantwortlich betreut hat, von den Frauen wissen.

So wie die Frauen sich in Alter, beruflichem Hintergrund, politischer Erfahrung unterscheiden, so unterschiedlich sind auch ihre Sichtweisen und Antworten. Vorgestellt werden sie gleichwertig. Pro Frau und Beitrag enthält das Buch je eine Seite mit dem Bild, einer biographischen Notiz und der Stellungnahme der jeweiligen Frau. Gerade deshalb vermittelt das schmale, aber hochwertig aufgemachte Buch jeder Leserin Einblicke und Einsichten.  Dass es Edith Fröse gelungen ist  bekannte „alte“ Kämpferinnen wie Frigga Haug oder Florence Hervé ebenso für das Projekt zu gewinnen, wie Frauen, die durch diese Festschrift erstmals einen größeren Kreis erreichen, ist dabei ein besonderer Gewinn.

Einig sind sich die befragten Frauen, dass mehr als 100 Jahre Frauenbewegung durchaus zu Verbesserungen für die Frauen geführt haben. Genannt werden hier die formale rechtliche und politische Gleichstellung, die bis in die Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts erkämpft wurden. Auch der Zugang zu höherer Bildung und die ökonomische Unabhängigkeit durch ein eigenes Einkommen wird als Errungenschaft der Frauenbewegung eingeordnet. Allerdings ist den Frauen durchweg bewußt, dass unter kapitalistischen wie patriachalischen Bedingungen diese Errungenschaften weder vollkommen noch gesichert sind. Kapitalismus und Patriarchat setzen Grenzen, die viele Frauen beschreiben: Frauenarmut, Frauenerwerbslosigkeit, aber auch die ungerechte Schlechterstellung von Frauen im Beruf werden ebenso wie Sexismus, sexuelle Ausbeutung, häusliche Gewalt oder ein repressives Abtreibungsrecht als direkte Auswirkungen der gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmensetzung begriffen. Damit – und das klingt in einigen Beiträgen an – sind Fortschritte nur durch massenhaftes politisches Engagement von Frauen gegen Patriarchat und Kapital zu erwarten.

Diese Erkenntnis beförderte auch das Rahmenprogramm des gestrigen Abends, an dem Festschrift präsentiert wurde. Karin Gerlich nahm die Anwesenden dabei auf eine Zeitreise in die Geschichte der Frauenbewegung mit. Den Bogen spannte sie von der französischen Revolution bis ins Jahr 2011. Sie erinnerte an Vorkämpferinnen der Frauenbewegung wie Olympe de Gouge, Louise Otto-Peters, Clara Zetkin und Rosa Luxemburg sowie an viele besondere internationale Frauentage. Demonstrationen von vielen Hunderttausend Frauen zu Anfang sowie die kämpferische Frauenbewegung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigten den Anwesenden die Mittel für weitere Fortschritte auf.

Die Festschrift kann über den Freidenkerverband NRW bezogen werden.

Edith Bartelmus-Scholich, 12.3.2011







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