TERRE DES FEMMES zeichnet Handwerksbetrieb mit dem Preis für frauenfeindliche Werbung „Zorniger Kaktus“ aus.


Foto: TDF

22.07.19
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Von TDF

Rohr- und Kanalreinigung Schwanzer gewinnt Auszeichnung für die sexistischste Werbung 2019.

TERRE DES FEMMES – Frauenrechte für die Frau e.V. vergibt dieses Jahr den Negativ-Preis „Zorniger Kaktus“ an das Unternehmen Rohr- und Kanalreinigung Schwanzer für seine Werbung „Wir… kommen immer durch!!!“.

Auf dem Firmenwagen ist eine Frau abgebildet, die in einem Rohr hockt. Nicht nur steht das in keinem Zusammenhang mit den angebotenen Dienstleistungen, diese sind auch noch grafisch in ihrem Schritt platziert und lenken den Blick dorthin. Der Slogan „Wir… kommen immer durch!!!“ suggeriert, dass Frauen immer sexuell verfügbar sind oder zumindest gefügig gemacht werden können.

Nicht nur TERRE DES FEMMES und die rund 2.720 TeilnehmerInnen der Online-Abstimmung verurteilen diese sexistische Darstellung. Auch Handwerkerinnen kritisieren den Einsatz von sexistischen Werbemotiven im Handwerk scharf (Video): In einer Branche, die um Nachwuchs ringt, wirken diese besonders abschreckend für Bewerberinnen und tragen zu einem schlechten Image der Berufe bei.

Dieses Jahr hat die Auswahl der "Zorniger Kaktus"-Jury aus allen Einreichungen den Fokus auf die Bandbreite sexistischer Werbung gelegt: Ob große Unternehmen wie EDEKA, die in der Werbung „Danke Mama, dass Du nicht Papa bist!“ Rollenbilder aus dem letzten Jahrhundert zum Muttertag zelebrieren oder das Landratsamt Schmalkalden-Meiningen in Thüringen, das Sportlerinnen auf einen Teil ihres Körpers reduziert oder das kleine Handwerksunternehmen Schwanzer. Alle drei Nominierten haben mit ihren Werbungen dazu beigetragen, dass Sexismus in der Öffentlichkeit verbreitet wird.

Das Gewinnermotiv wurde bereits beim Deutschen Werberat von UnterstützerInnen der Aktion gemeldet. Dieser äußerte sich folgendermaßen: „Zugegebenermaßen ist der Slogan „Wir…kommen immer durch!!!“ in Verbindung mit der abgebildeten Frau durch eine gewisse Doppeldeutigkeit charakterisiert. Dies ist für sich genommen jedoch noch nicht ausreichend, einen Verstoß gegen die Grundsätze des Deutschen Werberats zur Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen zu begründen. Hierfür sind weitere Umstände, die auf eine herabwürdigende Objektifizierung und/oder Sexualisierung des Models oder von Frauen allgemein schließen lassen, erforderlich.“

TERRE DES FEMMES setzt sich seit Jahren gegen Sexismus in der Werbung ein Mit Erfolg: Inzwischen haben bereits sieben deutsche Städte sexistische und/oder diskriminierende Werbung auf öffentlichen Werbeflächen verboten, darunter zuletzt Berlin zum 1.1.2019.

Zudem spricht sich TERRE DES FEMMES entschieden gegen den Deutschen Werberat als Entscheidungsinstanz aus. Für diesen scheint nicht die Verhinderung von Diskriminierung Priorität zu haben, sondern die Freiheit der Wirtschaftsakteure. Die hier zitierte Begründung unterstreicht dies noch einmal deutlich.

 

NB: Der Gewinner wurde über seinen „Sieg“ informiert und zum Gespräch über Sexismus in der Werbung in die Bundesgeschäftsstelle von TERRE DES FEMMES eingeladen. Er hat sich bis dato nicht dazu geäußert.







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