So revolutionär wie feministisch


30.12.17
FeminismusFeminismus, Sozialismusdebatte, Kultur 

 

Cinzia Arruzza: Feminismus und Marxismus. Eine Einführung. Neuer ISP Verlag, September 2017

Rezension von Edith Bartelmus-Scholich

Cinzia Arruzza hat sich auf ein Wagnis eingelassen: Eine Einführung in das Verhältnis von Feminismus und Marxismus und seine historische Entwicklung auf nicht einmal 130 Seiten.

Wer war Flora Tristan? Und wieso ist sie am Ausgangspunkt von Frauen- und Arbeiterbewegung stehend gleichermaßen wichtig für die beiden großen Emanzipationsbewegungen der Neuzeit? – Weshalb gibt es kein dauerhaftes Bündnis zwischen Frauen- und Arbeiterbewegung? Was sind die bedeutendsten Streitfragen zwischen diesen beiden Bewegungen? - Und, was leistet z.B. Judith Butler um diese Streitfragen auf ein neues Niveau zu heben?

Wer diese Fragen interessant findet und einen kurzen, übersichtlichen Einstieg in die Thematik sucht, sollte das Büchlein lesen. Es öffnet die Tür zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema und in der übersichtlichen Literaturliste finden die LeserInnen die Werke, die zur Vertiefung geeignet sein können.

Besonders zu empfehlen ist dabei das Kapitel 1.5 ‚Die Revolutionärinnen‘, in dem Cinzia Arruzza detailliert beschreibt, wie feministisch  zunächst die russischen Revolutionäre dachten und handelten. Die Autorin fasst zusammen: „Trotz dieser enormen Probleme, …., war das revolutionäre Russland wenigstens bis Ende der zwanziger Jahre das Land, in dem die Frauen eine nie gekannte Entfaltungsmöglichkeit erlebt haben. Kein Ereignis zeigte so klar wie die Russische Revolution, wie sehr die Emanzipation und die Selbstorganisation der Frau mit der Arbeiterbewegung – damals wie heute – zusammenhängen. Bald jedoch sollten der Stalinismus und die Politik der Kommunistischen Parteien der bürokratisch degenerierten Dritten Internationale aufkommen und diese Verbindung zerreißen.“ (1) , und führt damit nicht nur das Beispiel für das Zusammenführen revolutionärer Forderungen der beiden emanzipatorischen Bewegungen sondern auch einen historischen Grund für die spätere Entfremdung zwischen Frauen- und Arbeiterbewegung an.

Wenn auch der knappe Text zunächst einer Darstellung der Entwicklungen bis in die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts durchaus gerecht wird, so leidet die Nachzeichnung von späteren Konfliktlinien doch unter der Kürze. Die ‚Hausarbeitsdebatte‘ z.B. wird so nur angerissen und auch die Ideen des kontemporären Feminismus z.B. zur  Konstruktion von  Geschlechtsidentität werden nicht wirklich fruchtbar gemacht. Eine Vertiefung dieser Themen muss so weiteren Werken der Autorin vorbehalten bleiben, die mensch aber mit Spannung erwarten darf.

(1)    Cinzia Arruzza: Feminismus und Marxismus. Eine Einführung. Neuer ISP Verlag, September 2017, Seite 34 online zu finden unter: https://marx200.org/sites/default/files/arruzza_frauen_in_der_sowjetunion.pdf







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