Weltflüchtlingstag am 20. Juni: TERRE DES FEMMES fordert: Unterstützung Geflüchteter muss weiblich werden


Bildmontage: HF

19.06.17
FeminismusFeminismus, Soziales 

 

Von TDF

Anlässlich des Weltflüchtlingstags macht die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES (TDF) auf die besorgniserregende Situation geflüchteter Frauen aufmerksam. Laut Asylstatistik haben 247.804 Frauen im Jahr 2016 Asylerstanträge gestellt. Trotz dieser hohen Zahlen spielen geflüchtete Frauen in der Flüchtlingsdebatte kaum eine Rolle. „Sie sind die Hauptleidtragenden kriegerischer Auseinandersetzungen, die sie zur Flucht zwingen. In den Unterkünften sind sie vor Gewalt nicht ausreichend geschützt und der Zugang zu Integrationsmaßnahmen existiert oft nur auf dem Papier. Eine erfolgreiche, zukunftsgerichtete Integrationspolitik muss mehr auf die Frauen setzen, denn sie erziehen die nächste Generation“, erklärt Vorstandsfrau Hania Luczak.

Gewaltsame Übergriffe auf geflüchtete Frauen sind an der Tagesordnung. Insbesondere in den Unterkünften sind Frauen einem hohem Risiko häuslicher oder sexualisierter Gewalt ausgesetzt. TDF begrüßt deshalb die Initiative „Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften“ des Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ) und von UNICEF, die in einer überarbeiteten Fassung zum Weltflüchtlingstag herausgegeben werden. TDF ist Mitglied der Initiative. „Die Mindeststandards sind eine gute Grundlage“, sagt Hania Luczak. So sollen externe, betreiberunabhängige Beschwerdestellen eingerichtet werden. Außerdem ist geplant, MitarbeiterInnen, Ehrenamtliche und externe DienstleisterInnen für die Bedürfnisse besonders vulnerabler Personengruppen wie Frauen zu sensibilisieren, zu schulen und weiterzubilden. „So lange die Mindeststandards aber nicht für alle Unterkünfte bindend sind und deutschlandweit umgesetzt werden, bleiben sie zahnlose Tiger“, mahnt Hania Luczak.

Wirksame Integrationsmaßnahmen sind die Grundlage für eine gesellschaftliche Teilhabe geflüchteter Frauen. Viele Frauen kommen aus Ländern, in denen ein streng patriarchalisches Rollenverständnis von Frau und Mann herrscht. Dadurch sind die Hürden zur gesellschaftlichen Teilhabe für Frauen besonders hoch. Erfolgreiche Integrationsmaßnahmen benötigen deshalb unbedingt die Geschlechterperspektive.

Bereits der Zugang zum Sprachkurs stellt für viele Frauen ein unüberwindbares Hindernis dar, weil sie keine Kinderbetreuung haben. „Mädchen und Frauen müssen nicht nur theoretisch Zugang zu Sprachkursen, Freizeitangeboten sowie Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration haben, sondern auch faktisch“, fordert Hania Luczak

Um diese frauenspezifische Integrationsarbeit zu unterstützen, hat TDF das Patinnen-Programm CONNECT erfolgreich gestartet. Ehrenamtliche Frauen, die von TDF als Patin geschult werden, unterstützen geflüchtete Frauen beim Ankommen und Einleben in Berlin. Die ersten Tandems haben sich bereits gefunden. Einmal wöchentlich über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr werden die Patinnen ihrer Partnerin bei Behördengängen, Wohnungssuche, Arbeitssuche, Teilnahme an Sprachkursen und Kinderbetreuung zur Seite stehen. Aber auch gemeinsame Unternehmungen sollen dazu beitragen, dass die geflüchteten Frauen eine Chance auf Teilhabe am sozialen und beruflichen Leben in Deutschland haben. „Die Tandems sind ein wichtiger Beitrag, das interkulturelle Verständnis und Wissen wechselseitig auszubauen. Nur so kann sich die Gesellschaft weiterentwickeln“, sagt Hania Luczak.

Weitere Forderungen zur Verbesserung der Situation weiblicher Flüchtlinge in Deutschland im Forderungspapier Flucht & Frauenrechte (link: http://www.frauenrechte.de/online/images/downloads/flucht/Forderungspapier-Flucht.pdf).







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