TERRE DES FEMMES fordert mehr Beratungsstellen für Mädchen


09.10.17
FeminismusFeminismus, Soziales, Bewegungen 

 

Von TDF

Weltmädchentag am 11. Oktober: Mädchen werden weiterhin benachteiligt – weltweit und in Deutschland

Diskriminierung beginnt bereits im Mädchenalter. Weltweit werden Mädchen benachteiligt. Schätzungsweise 117 Millionen Mädchen und Frauen fehlen heute in Asien und Osteuropa, da sie auf Grund ihres Geschlechtes während der Schwangerschaft abgetrieben wurden (UNFPA: 2017). Mädchen gehen weniger lange zur Schule als ihre Brüder, arbeiten meh r im Haushalt und werden früher verheiratet.

Auch in Deutschland besteht eine Ungleichheit. Viele junge Mädchen, vor allem Geflüchtete oder junge Frauen mit Migrationshintergrund, befinden sich in einem Teufelskreis: Sie müssen nach der Schule ihrer Mutter im Haushalt helfen oder auf ihre jüngeren Geschwister aufpassen, während die Jungen Fußball spielen. „Dies verletzt die Mädchen nicht nur in ihrem Recht auf Freizeit und Erholung“, so Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle, „sondern verwehrt ihnen auch eine Möglichkeit des Spracherwerbs und andere soziale Bindungen. Ihre Brüder sprechen auf dem Platz mit anderen Mitspielern Deutsch und lernen andere Jungen kennen, während sie zu Hause bleiben müssen und in ihrer Muttersprache kommunizieren.“ Diese Isolation behindert die Mädchen in ihrer Schulbildung, der Integration und den späteren Einstieg in den Arbeitsmarkt. Somit hat die ungleiche Verteilung der Haushaltsarbeit lebenslange Folgen.

Zudem werden viele Mädchen früh verheiratet: Schätzungsweise 1000 minderjährige Ehefrauen lebten im Jahr 2016 in Deutschland. „Viele von ihnen sind unter 16 Jahre alt“, so TERRE DES FEMMES Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle. „Auch wenn das neue Gesetz zur Bekämpfung von Frühehen, für das wir lange gekämpft haben, im Juni endlich verabschiedet wurde, werden weiterhin Minderjährige verheiratet. Jetzt finden viele Hochzeiten während der Schulferien im Ausland statt.“  Für die jungen Ehefrauen bedeutet dies das Ende der Schullaufbahn. Auch führen diese Ehen in der Regel zu einer (zu) frühen Schwangerschaft, was ein gesundheitliches Risiko für die jungen Mütter und ihre Kinder bedeutet. Die Müttersterblichkeit ist bei jungen Müttern signifikant höher als bei älteren.

Außerdem sind junge Ehefrauen häufiger von Häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffen. „Der Benachteiligung von Mädchen und Frauen, die schon im Kindesalter beginnt und sie für den Rest des Lebens verfolgt, muss ein Ende gesetzt werden!“, appelliert Stolle. Daher fordert TERRE DES FEMMES, vermehrt Sensibilisierungsarbeit an Schulen zu betreiben. „Wir müssen den Jungen früh erklären, dass sie nicht mehr, aber auch nicht weniger Rechte haben als Mädchen, damit sie als Männer den Frauen später auf Augenhöhe begegnen“, meint Stolle. „Auch sei es wichtig, die speziellen Beratungsstellen für Mädchen auszuweiten und über ihre Existenz zu informieren.“

Die Benachteiligung von Mädchen ist ein weltweites Phänomen. Es sollte die wichtigste Aufgabe der Politik sein, strukturelle Benachteiligungen abzubauen und Mädchen zu stärken.







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