Räumung der ZAD / Urteil im Prozess um die »Gruppe von Tarnac«


Bildmontage: HF

11.04.18
FrankreichFrankreich, Internationales, Bewegungen 

 

Von Edition Nautilus

Während seit Tagen mit einem Großeinsatz das besetzte Flughafenbauland in Notre-Dames-des-Landes bei Nantes unter großem Protest geräumt wird, soll am morgigen Donnerstag das Urteil im Prozess gegen angebliche Staatsfeinde Frankreichs, die sogenannte »Gruppe von Tarnac« um Julien Coupat, gesprochen werden.

Im November 2008 wurden die Aktivisten wegen eines versuchten Anschlags auf eine Eisenbahnlinie festgenommen und dann als terroristische Vereinigung angeklagt, wobei das Buch »Der kommende Aufstand« vom Unsichtbaren Komitee nebst anderen Büchern aus der Bibliothek der Kommune in Tarnac als angebliches Beweismittel diente. Unter den Regierungen dreier Staatschefs, von Sarkozy über Hollande bis zu Macron, wurde die juristische Verfolgung der acht Männer und Frauen vorangetrieben, teils unter Heranziehung grotesker vorgeblicher Indizien. 
Als der Prozess Mitte März begann, lautete die Anklage nur noch auf »Mitgliedschaft in einer Vereinigung von Übeltätern«, selbst das ein unhaltbarer Vorwurf, was auch die öffentliche Unterstützung durch Intellektuelle von Giorgio Agamben über Alain Badiou und Jean-Luc Nancy bis zu Éric Vuillard herausstrich. Zum Auftakt des Prozesses befand sogar der Staatsanwalt, eine terroristische oder übeltäterische »Gruppe von Tarnac« gibt es nicht, sie ist eine Konstruktion der Polizei und der außer Kontrolle geratenen Sicherheitsbehörden. Für die acht Angeklagten forderte die Staatsanwaltschaft nun nur noch symbolische Bewährungsstrafen wegen des Anschlags auf die Zugtrasse, die aber mit der bereits abgesessenen langen Untersuchungshaft abgegolten wären. 

Wie die »Gruppe von Tarnac« ist auch die ZAD in Notre-Dame-des-Landes den französischen Sicherheitsbehörden ein Dorn im Auge. Die Besetzer verteidigen das Gebiet nun, auch nach dem Regierungsbeschluss, auf dem Gelände keinen Großflughafen zu errichten. Seit Jahren leben die Besetzer dort, gemeinsam mit der dortigen Landbevölkerung, betreiben nachhaltige Landwirtschaft und leben eine Utopie als Kritik am bestehenden System – eine Enklave, die laut dem Unsichtbaren Komitee »zu einer Vervielfältigung der unerwartetsten globalen wie nachbarschaftlichen Zirkulation gefu?hrt« habe und dadurch »neue kollektive Realitäten, neue Konstruktionen, neue Begegnungen, neue Gedanken, neue Nutzungen« und davon ausgehend »eine erhebliche Intensivierung des Lebens, eine Vertiefung der Wahrnehmungen, eine Ausbreitung von Freundschaften, Feindschaften, Perspektiven, Geschichten, Kontakten, Distanzen« aufkommen ließ. (Aus »Jetzt«, Nautilus Oktober 2017).







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