Düsseldorf am 1. Mai 2010


01.05.10
ArbeiterbewegungArbeiterbewegung, NRW, TopNews 

 

von Dieter Braeg

Wir gehen VOR - Gute Arbeit - Gerechte Löhne - Starker Sozialstaat – das stand auf dem Plakat des DGB, mit dem man zur 1. Mai Demonstration und anschließender Kundgebung im Hofgarten in der Landeshauptstadt von NRW aufgerufen hatte.


Es war kein langer oder kämpferischer Demonstrationszug der sich da vom DGB-Haus in der Friedrich Ebert Straße in Bewegung setzte. Höchstens 800 Frauen und Männer demonstrierten da für eine „gute“ Arbeit gegen die Kopfpauschale und all die anderen Grausamkeiten die die Krise des Kapitals zu bieten hat oder noch bieten wird. Diese Demonstration sah eher nach einem Familientreffen aus und hatte etwas eigenartig Fröhliches zu bieten. So eine Art jener Feierlichkeit, die der Wiener so liebt, wenn er über sein eigenes Begräbnis nachdenkt, es, vor dem eigenen Tod, so richtig genießt bald eine „schöne Leich“ zu sein.

Wirken sie schon überall, die Wanderprediger, die den Neid predigen, weil die  Armen in dieser Gesellschaft Transferleistungen beziehen. Arbeit verschwindet überall, auch in Düsseldorf und der Vorsitzende der DGB Region, Klaus Reuter, hat die üblichen Worte, geprägt von der Sozialpartnerschaftssprache, wenn er die bekannten Machenschaften der Unternehmer kritisiert, die Profitmaximierung per Arbeitsplatzzerstörung betreiben, der noch durch die öffentliche Hand subventioniert wird.

Vielleicht doch ein wenig Geschichte des 1. Mai?

“Die Würfel sind gefallen! Reinigt Eure Gewehre! Deckt Euch mit Munition ein! Denn die käuflichen Mörder der Kapitalisten, die Polizei und das Militär, werden nicht zögern, auf Euch zu schießen. Kein Arbeiter darf in diesen Tagen sein Haus ohne Waffe verlassen.“

So stand es am 1. Mai 1886 in der Chicagoer ‘Arbeiter-Zeitung‘. Chicago war wichtigste Stadt für die Arbeiterbewegung. Dort begann der Kampf um den Acht-Stunden-Tag. 1884 einigten sich, auf internationaler Ebene die Gewerkschaften auf diese Forderung. Schon 25 Jahre vorher gab es diese Forderung. Und wie waren die Arbeitsbedingungen im Chicago in den Achtzigerjahren des vorvorigen Jahrhunderts?

“Jede Abteilung hatte ihre eigenen Krankheiten, und die Arbeiter der einzelnen Abteilungen wiesen sie am eigenen Leib auf. Da waren die Leute, die in den Pökelräumen arbeiteten. Kaum einer von ihnen war von Wunden und Schwören verschont. Man brauchte nur einen kleinen Kratzer zu haben, und schon entstand eine Wunde, die den Tod bedeutete: die Gelenke wurden von den Pökelsäuren aufgefressen. Unter jenen, die mit dem Messer arbeiteten gab es kaum einen, der einen heilen Daumen besaß, sie schnitten so oft hinein, daß nur mehr ein Stumpf übrigblieb. Narbenhände ohne Nägel. Tuberkulosebrutstätten im Dampf und Gestank der Küchen. Schlachthausschlepper trugen 100 Kilo schwere Lasten in den Gefrierraum, ab vier Uhr früh. Fünf Jahre hielten selbst stärkste Männer diese Arbeit aus, dann waren sie arbeitsunfähig, von Rheuma zerstört. ‘Wollzupfer‘ verloren ihre Finger noch schneller als die Pökler, denn das Fell der Schafe wurde mit Säure bestrichen, damit die Wolle leichter abgehe. Die Säure fraß sich in die Hände. Arbeiter die an riesigen Fleischbottichen malochten, fielen in dem mit Dampf gefüllten, halbdunklen Raum bisweilen in die Bottiche; wurden sie herausgefischt, war nicht mehr viel von ihnen übrig...“

„NUR REICHE KÖNNEN SICH EINEN ARMEN STAAT LEISTEN“

stellte die Landesleiterin von ver.di NRW in ihrer kämpferischen Ansprache fest, die alle Grausamkeiten der neoliberalen Politik der letzten Jahre beim Namen nannte. Ob Bildungsnotstand, Studiengebühren, Rente mit 67, Lohndrückerei, Zeitarbeit, Leiharbeit.
Ihre Forderungen dürften bei Rüttgers&Co, dem „NRWSozialLandesvater“ kaum offene Ohren finden. 7,50 € als Mindestlohn sind Gabriele Schmidt viel zu wenig. Das es eine radikale Arbeitszeitverkürzung geben muss, um neue Arbeitsplätze zu schaffen, gehörte, wie die Forderung nach Abschaffung der Studiengebühren zu der viel beachteten Ansprache. Es klang alles so, als wären hier die wichtigsten Forderungen aus dem Landtagswahlprogramm der Partei DIE LINKE. wiederholt worden. 

Auch der Publizist und Sozialethiker Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach geißelte in seiner Rede die neoliberale, soziale Kälte.

Erstklassig besucht war nach der Kundgebung das übliche Familienfest im Hofgarten.
Vom Klettertraining über die Hüpfburg für die Kinder bis zum Altbierstand wird ein reichhaltiges Angebot organisiert. Neben der Geselligkeit steht hier die politische Information der vielen Düsseldorfer Organisationen und Verbände im Vordergrund, die sich mit den Themen zur internationalen Solidarität, Bürgerrechten und natürlich den aktuellen Gewerkschaftsthemen befassen.  Dem Betrachter ist aufgefallen, dass außer einem lebendigen ver.di Stand die Gewerkschaften immer weniger Präsenzträger der Veranstaltung sind, sondern die politische Vielfalt der Landeshauptstadt präsent ist.

Irgendwo flatterte während der Kundgebung ein Wimpel, da stand AfA drauf.

Es dauerte ein wenig – Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen – die gibt es noch immer in der SPD.

Ja, da staunt Herr Hartz und Gerhard Schröder wundert sich nicht, dass es so leicht war die Rechte der abhängig Beschäftigten zu pulverisieren!

Dieter Braeg


VON: DIETER BRAEG






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