GewerkschafterInnen-Aufruf: "Der Schutz der Gesundheit und des menschlichen Lebens darf [...] nicht am Werkstor oder der Pforte Halt machen."

18.02.21
ArbeiterbewegungArbeiterbewegung, Wirtschaft, Debatte, TopNews 

 

Von Detlef Georgia Schulze

Seit Anfang der Woche gibt es einen Aufruf von GewerkschafterInnen, in dem es u.a. heißt: "Die Beschränkung der bisherigen Maßnahmen [zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie] auf den privaten Bereich und die Freizeit, während weite Teile der Wirtschaft ungehindert weiterlaufen, kostet tagtäglich Menschenleben." Gefordert wird daher "die vorübergehende Schließung aller gesellschaftlich nicht dringend erforderlichen Bereiche der Wirtschaft stark [...]. Die Beschäftigten müssen dazu bei vollem Lohnausgleich freigestellt werden." (https://zero-covid.org/gewerkschafterinnen-fur-einen-solidarischen-europaischen-shutdown/)

Auch wenn ich nur zwei ehemalige Gewerkschaftsmitgliedschaften zu bieten, habe ich mich entschlossen, den InitiatorInnen meine Unterstützung mitzuteilen. Dabei mußte ich allerdings an zwei Stellen die Augen zudrücken:

1. "Unser gemeinsames Ziel lautet: Null Infektionen!"

Ich finde diese Formulierung etwas rigoros - zumal, solange nicht ausreichende Mengen an Impfstoff zur Verfügung stehen. Auch für die Öffentlichkeitsarbeit fände ich es sinnvoller, sich auf die einstelligen Inzidenzen, die es im Sommer in der BRD gab (und die entsprechenden Werte in Österreich und der Schweiz), zu beziehen.

2. "Ein so umgesetzter solidarischer Shutdown und die Ausfinanzierung sozialer Einrichtungen kosten viel Geld. Jedoch haben die Gesellschaften Europas auch einen enormen Reichtum angehäuft, mit denen sich die geforderten Maßnahmen finanzieren lassen."

a) Solche Formulierungen erwecken immer leicht den Eindruck, daß es sich um eine einfach zu machende, technokratische Sache handele - also vernachlässigen den Klassenkampf, der zur Durchsetzung nötig wäre.

b) Ich habe den leisen Verdacht, daß die linken Wunschlisten, die mit solchen Formulierungen garniert werden, in der Summe ein Mehrfaches des angehäuften Reichtums kosten würden - daß also eine stärkere Differenzierung zwischen angehäuftem Reichtum und Zuwachs / zwischen Vermögen und Einkommen nötig wäre, wenn denn schon 'reformerische Machbarkeit' demonstriert werden soll  - oder ausgemalt werden soll, wie es eine sozialistische Übergangsgesellschaft machen würde.







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