Zum Todestag von Friedrich Engels am 5. August 1895


Bildmontage: HF

22.07.18
TheorieTheorie, Arbeiterbewegung 

 

Von Karl Marx Ausstellung

Marx und Engels  – Mehr als eine Männerfreundschaft

Am 5. August 1895 starb Friedrich Engels in London. Was ihn mit Karl Marx verband und welche Rolle Engels etwa bei der Entstehung von Marx‘ Hauptwerk „Das Kapital“ spielte, dies und vieles mehr können Besucherinnen und Besucher in der großen Landesausstellung Karl Marx 1818–1883. LEBEN. WERK. ZEIT. in Trier erfahren. Noch bis zum 21. Oktober 2018 werden in Marx‘ Geburtsstadt erstmals in einer großen kulturhistorischen Ausstellung dessen Leben, Werk und Wirken im historischen Kontext präsentiert. Durch ungewöhnliche Inszenierungen und moderne Medienstationen werden Zeit und Menschen dem Publikum nahe gebracht. 

Friedrich Engels, der 1820 in Barmen (Wuppertal) geborene Sohn eines Textilfabrikanten, spielte eine zentrale Rolle im Leben und Wirken von Karl Marx: Er war nicht nur enger Freund und politischer Weggefährte, sondern auch wichtiger Impulsgeber und Mäzen, ohne dessen Zuwendungen Marx weder sein Leben noch seine wissenschaftliche Arbeit hätte finanzieren können. Und nicht zuletzt war Friedrich Engels Marx’ Redakteur, wichtiger Interpret und Herausgeber der Bände zwei und drei von „Das Kapital“.

„Ohne Engels wäre Marx so nicht denkbar“ erklärt Prof. Dr. Beatrix Bouvier, die wissenschaftliche Leiterin der Ausstellung. Ihre Lebenswege waren eng verbunden, beide Freunde ergänzten sich in besonderer Weise. Der Praktiker Engels überzeugte den Philosophen Marx, sich zunehmend mit ökonomischen Theorien zu befassen. Deutlich wird das in den beiden Ausstellungsteilen im Rheinischen Landesmuseum Trier und im Stadtmuseum Simeonstift, wo sich Besucher und Besucherinnen auch ein Bild von Friedlich Engels machen können: Das Rheinische Landesmuseum zeigt eine Bleistiftzeichnung aus den 1830er Jahren mit der frühesten Porträtstudie von Engels, im Stadtmuseum ist eine Skulptur von Friedrich Engels zu sehen. Hier finden Interessierte dazu viel Biografisches über Friedrich Engels, vor allem in den Ausstellungsbereichen zu Marx‘ Lebensstationen Paris und Manchester.

Als Marx in Köln journalistisch tätig war, begegneten sich beide zum ersten Mal. In Paris wird 1844 aus dem Wiedersehen eine lebenslange Freundschaft. Von da an folgte Engels seinem Freund immer wieder auf dessen von Flucht und Migration geprägten bewegten Leben durch mehrere europäische Städte, 1849 musste Engels selbst fliehen. Ihre ersten gemeinsamen Schriften verfassten und veröffentlichten Marx und Engels schon kurz nach dem Beginn der Freundschaft. Im Jahr 1847/1848 schrieben sie gemeinsam im Auftrag des Bundes der Kommunisten das Kommunistische Manifest. Die einzig erhaltene Seite aus dem Manifest, die seit 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählt, wird im Rheinischen Landesmuseum präsentiert, zusammen mit insgesamt 247 Ausgaben aus aller Welt. Friedrich Engels beschäftigte sich übrigens schon vor Marx mit der Kritik der politischen Ökonomie, dem Thema, dem Marx sein umfangreichstes Werk, „Das Kapital“ widmen sollte. Engels erlebte in Manchester, der damals weltweit größten Industriestadt, in der Firma seines Vaters hautnah die Not der Textilarbeiter. In seiner 1845 veröffentlichten Arbeit „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ schilderte er drastisch die Auswirkungen der Industrialisierung auf die Arbeiter. Diese bedeutende Schrift, die im Rheinischen Landesmuseum mit dem Stadtplan von Manchester gezeigt wird, markiert den Beginn der politisch-ökonomischen Deutung des frühen Kapitalismus.

 

Das Hauptwerk von Karl Marx, „Das Kapital“, das zweite UNESCO-Weltdokumenterbe, das im Rheinischen Landesmuseum ausgestellt ist, wäre ohne Engels nicht entstanden: Schließlich hatte Engels durch die Veröffentlichung der Schrift „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ erst den Ausschlag für Marx gegeben, sich mit dem Thema intensiver zu befassen. Und über Jahre hinweg griff Engels seinem Freund, der sich zwar theoretisch viel mit Geld beschäftigte aber praktisch schlecht damit umgehen konnte, finanziell unter die Arme. Nach der Aufgabe seiner Geschäftstätigkeit in Manchester zog er in die Nähe von Marx in London und unterstützte die Familie des Freundes mit einer erheblichen jährlichen Leibrente. Engels half aber nicht nur mit Geld aus, sondern übernahm auch die Vaterschaft für den unehelichen Sohn von Marx‘ Haushalterin Helene (Lenchen) Demuth, dessen Vater mit großer Wahrscheinlichkeit Karl Marx war.

Und noch Jahre nach Marx‘ Tod setzte Friedrich Engels die Veröffentlichung des Mammutwerks seinen politischen Weggefährten fort: Aus den hinterlassenen Texten und Exzerpten stellte er die Bände zwei (1885) und drei (1894) des Kapitals zusammen und gab diese heraus. Vor allem die Herausgabe des dritten Bandes durch Friedrich Engels gilt als große wissenschaftliche Leistung für das Verständnis von Marx‘ ökonomischen Theorien. 

 

HINTERGRUND

Anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx widmet sich die große Landesausstellung in seiner Geburtsstadt Trier in zwei Museen den vielen Facetten von Marx als Mensch und Analytiker. Das Rheinische Landesmuseum Trier beleuchtet unter dem Titel „Leben. Werk. Zeit.“ Karl Marx und sein Jahrhundert und zeichnet den intellektuellen wie politischen Werdegang von Marx nach. Die Ausstellung „Stationen eines Lebens“ im Stadtmuseum Simeonstift Trier beleuchtet das bewegte Leben von Karl Marx und verfolgt den Lebensweg von Marx‘ Kindheit in Trier bis zum Exil in London. Die Landesausstellung nimmt das Jubiläum nicht nur zum Anlass des Erinnerns, sondern will auch die Aktualität der Marx‘schen Theorien hinterfragen. Die Ausstellung wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags. Schirmherr der Ausstellung ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Weitere Informationen unter www.karl-marx-ausstellung.de







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