1968 in Paris - Ein Jahr im Wandel der Wahrnehmung


Plakat der Situationistischen Internationale: Abschaffung der Klassengesellschaft; Bild: Wikipedia

02.10.08
TheorieTheorie, Arbeiterbewegung, Debatte, TopNews, Netzwerk 

 

Oder: Wenn Cohn-Bendit, eine neoliberale Zeitschrift der Wirtschaftselite und die französische Polizei – treu vereint? – „40 Jahre Rebellion“ feiern…

Referat auf der Konferenz „1968 – Eine globale Revolte und ihre Bilanz“

Von Bernhard Schmid

Man kann ein Thema totschweigen, oder es zumindest versuchen. Aber im Zeitalter des Internet ist es schwierig, alle Informationen zu einem gegebenen Thema zu unterdrücken oder die Leute am Zugang zu ihnen zu hindern. Man kann ein Thema jedoch genauso gut auch totreden, es unter einer Flut von Informationen und Veröffentlichungen begraben oder die Reflexion durch eine kaum zu bewältigende Masse an Bildern und Eindrücken behindern.


Genau dies passierte im Frühjahr dieses Jahres – einmal mehr - mit der Erinnerung an ein historisches Ereignis, das sich 2008 zum 40. Mal jährte.


1968, ein (kurzer) historischer Rückblick


La chienlit, so nannte der General und damalige Präsident de Gaulle mitten im Mai 1968 die Protestbewegung und ihre Ausdrucksformen. Der Ausdruck bedeutet wörtlich „Bettscheißerei" (chie-en-lit) , aber allgemeiner auch „Chaos" oder „Saustall". Er wird seit 1534 von Ordnungsliebhabern auf ihnen ungenehme politische Agitation oder Unruhen angewendet. Richtig berühmt ist der Ausdruck aber heute vor allem deswegen, weil de Gaulle ihn auf dem Höhepunkt des Mai 1968 auf die damaligen Ereignisse angewendet hat. Wo der Deutsche - in den Augen der entsprechenden Leute – „sein Nest beschmutzt", da scheißt der Franzose eben gleich in¹s Bett. Auch eine Methode, um es sich gemütlich zu machen. Für die Linke unterschiedlicher Schattierungen hingegen ist der Mai 1968 zum positiven Bezugs- und Kristallationspunkt geworden. Die radikale Linke hat sich im und durch den Mai 1968 für die kommenden anderthalb Jahrzehnte neu formiert (obwohl sie sich, jedenfalls in Frankreich, bereits zuvor auf einen harten Kern von Theoretikern und Aktivistinnen stützen konnte). Mit allem, was dazu gehört: Kiffer und Kader, Aktivisten und Anarchisten, Spinner und Spitzel...


Kurz, es dürfte sich beim Mai 1968 mit hoher Wahrscheinlichkeit um die mit Abstand sympathischste Periode handeln, die Westeuropa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung vom NS erlebt hat. Grund genug, um sich die Ereignisse und ihre Ursachen von damals ein wenig näher anzugucken.


Frankreich langweilt sich


Langweilig - so beginnt in Frankreich das berühmte Jahr 1968. Jedenfalls, wenn man der Pariser Abendzeitung Le Monde Glauben schenkt. Diese titelt am 26. Januar jenes Jahres: Quand la France s¹ennuie (Wenn Frankreich sich langweilt).


Einige Monate später wird es dann doch noch ein bisschen spannender zugehen: Im Quartier Latin werden die Autos zu Barrikaden geschichtet. Die altehrwürdigverknöcherte Sorbonne wird Wochen lang Schauplatz wild entbrannter Besetzerdebatten sein. Ihre Mauern sind über und über mit Wandzeitungen wie in der chinesischen Kulturrevolution bedeckt. Auch im Odéon-Theater nächtigen junge Leute wochenlang. Einen Monat später: Ein paar Kilometer außerhalb von Paris katapultieren die Renault-Arbeiter von Flins Schraubenbolzen auf die anrückende Polizei, um die Räumung des besetzten Werks zu verhindern. Auf Seiten der Verteidiger ertrinkt ein Gymnasiast beim Sturm auf die Fabrik. Bei der nachfolgenden Demonstration im Zentrum von Paris verzeichnen die Chronisten 400 Verletzte, 1.500 Festnahmen und die Errichtung von 72 Barrikaden. Im jurassischen Montbéliard fallen Schüsse rund um die Peugeot-Werke. Ereignisreiche vier Wochen nehmen ihr Ende.


Und so kam es dazu.


Vögeln politisierte


Um seine These abzustützen, vergleicht der Verfasser des Artikels La France s¹ennuie - Pierre Viansson-Ponté - die Situation in Frankreich und der übrigen Welt. „Die Jugend langweilt sich", schreibt er über deren französische Ausgabe. „Die Studenten demonstrieren, bewegen sich, kämpfen in Spanien, in Italien, in Belgien, in Algerien, in Japan, in den USA, in Ägypten, in Deutschland, selbst in Polen. (...) Die französischen Studenten beschäftigen sich mit der Frage, ob die Mädchen von Nanterre und Antony freien Zugang zu den Zimmern der Jungs haben werden. Eine alles in allem doch reduzierte Vorstellung von den Menschenrechten."


Ob der Verfasser des Leitartikels seinen Fehler später erkannt haben wird, ist nicht überliefert. Denn er irrt gründlich: Genau dort, wo er nur gesellschaftliches Desinteresse und Resignation in¹s Private vermutet, ist in jenen Tagen - gewissermaßen - eine Zündschnur am Brennen. Die Lunte wird allerdings noch einige Wochen Zeit benötigen.


Nanterre und Antony sind zwei Trabantenstädte in der Pariser Banlieue, auf deren Boden in den Sechziger Jahren Wohnheime für Studierende errichtet worden waren. In Nanterre liegen sie in unmittelbarer Nachbarschaft zur dortigen Universität, die zur gleichen Zeit aus dem Boden gestampft worden war: Bis heute liegt sie eingekeilt zwischen Plattenbauten, zwei Schnellbahnlinien und einer Autobahn. Die Wohnheime und der Campus selbst sind insofern modern, als sie funktional und rational entworfen sind - freilich abweisend und kommunikationsfeindlich, zumal an soziale Einrichtungen des Studentenlebens wie Cafés und Buchläden damals nicht gedacht worden war. Gleichzeitig ist das Leben dort - auf autoritäre Weise - nach archaischen Moralvorstellungen, die in den 60er Jahren längst nicht mehr der Lebenswelt der jungen Generation entsprechen, strukturiert.


Das Studenten- und das Studentinnenwohnheim von Nanterre sind, obwohl räumlich dicht beieinander, strikt voneinander getrennt: Besuche im jeweils anderen Teil sind verboten. Der Staat, der die Oberaufsicht über die Hausordnung hat, regelt das Wohnheimleben bis in kleine Details hinein.


Hier setzen die ersten widerständigen Handlungen an: Die Kette der Protestaktionen wird am 21. März 1967 eröffnet, als männliche Studenten -Mitglieder einer Selbstorganisation der Wohnheiminsassen - spät am Abend in das Studentinnenwohnheim eindringen. Sie werden dort die Nacht verbringen, um drei Uhr früh werden wüste politische Kommuniqués verlesen. (Aber vielleicht passierte nicht nur dies zu nächtlicher Stunde.) Die herbei gerufene Polizei umlagert am nächsten Vormittag das Wohnheim, wird jedoch ihrerseits von immer zahlreicher werdenden Studierenden umringt.


Von diesem Zeitpunkt ab hat sich ein harter Kern herausgeschält, der an der Universität von Nanterre aktiv bleiben wird. Am 8. Januar 1968 besucht der französische Sport- und Jugendminister François Missoffe den Campus von Nanterre, um das - heute noch in seiner Mitte liegende - Hallenschwimmbad einzuweihen. Frech stellt ihn dort ein Student mit feuerrotem Haarschopf zur Rede, ein gewisser Daniel Cohn-Bendit, Mitglied einer kleinen Anarchogruppe. Auf 300 Seiten seines kurz davor veröffentlichten Buches, bemängelt der respektlose Vorsprecher, habe Missoffe kein einziges Mal „die sexuellen Probleme der Jugend" erörtert. Die Antwort des Ministers wird Furore machen: „Mit Ihrem Gesicht hätte ich auch derartige Probleme, nutzen Sie das Schwimmbad lieber nicht." (Nur zur Anekdote: Daniel Cohn-Bendit war kurz darauf mit der eigenen Tochter des Minister zusammen, die damals auch eine junge Wilde war. Dieselbe Ministertochter, eine gewisse Françoise de Pannafieu, ist heute konservative Politikerin im Pariser Grobbürgerviertel, dem 16. Arrondissement, und war noch vor kurzem Oberbürgermeister-Kandidatin der Regierungspartei UMP für die Hauptstadt Paris. Sie scheiterte allerdings im März 2008 gegen den sozialliberalen Amtsinhaber Bertrand Delanoë.)

Ab jetzt wird Nanterre nicht mehr zur Ruhe kommen. Am 21. März 1968 wird ein Student aus Nanterre bei einer außeruniversitären Aktivität festgenommen: 200, meist jugendliche Demonstranten hatten an einer kleinen Entglasungsaktion bei der Pariser Niederlassung von American Express teilgenommen, bei der auch Parolen zur Unterstützung der vietnamesischen Befreiungsbewegung FNL - besser bekannt als Vietcong - gemalt wurden. Gut eine Woche zuvor hatte die bis dahin größte US-Militäroffensive im umkämpften Vietnam begonnen; in jenen Tagen explodierten in Paris auch mehrere Plastikbomben vor den Niederlassungen US-amerikanischer Banken und Fluggesellschaften. Als unmittelbare Reaktion auf die Verhaftung besetzen rund 150 Studierende am Abend das zentrale Verwaltungsgebäude in Nanterre.


Vom 22. März in den Mai


In jener Nacht wird die „Bewegung des 22. März" geboren. Verschiedene, bisher verfeindete Gruppen - mit mal eher anarchistischen, mal trotzkistischen oder auch maoistischen Sympathien - schließen sich in ihr als gemeinsamer Trägerorganisation zusammen. Die Universitätsverwaltung von Nanterre wird im April 1968 zeitweise die Tore schließen und ab dem 2. Mai für den gesamten weiteren Verlauf den Ereignisse den Betrieb einstellen, da sie es nicht mehr schafft, der Ereignisse nicht mehr Herr zu werden.


Von nun ab vollzieht sich die weitere Ausbreitung der Bewegung fast automatisch, der Stein kommt von selbst ins Rollen. Um gegen die polizeiliche Repression auf dem geschlossenen Campus von Nanterre zu protestieren, begibt sich eine Delegation aus Nanterre am 3. Mai in den Innenhof der Sorbonne, im historischen Zentrum von Paris. Beide Universitäten unterstehen zu jener Zeit noch einer gemeinsamen Oberverwaltung, jener des Rektors der Sorbonne. Konkreter Anlass ist ferner die Vorladung von acht Studierenden aus Nanterre vor den Disziplinarrat der Universität, der - aufgrund der gemeinsamen Verwaltung - an der Sorbonne ansässig ist. Die Solidarität der Studierendenschaft soll eingefordert werden. Aufgerufen dazu hat die nationale Studierendengewerkschaft UNEF - in der es eine KP-nahe Mehrheit und einen linkeren Minderheitsflügel gibt -, die jedoch nicht richtig mobilisiert hat. Nur rund 300 Studierende sind zusammen gekommen. Unter ihnen befinden sich die künftigen Wortführer der "Bewegung", und später auf Jahre hinaus der radikalen Linken: Daniel Cohn-Bendit, Alain Krivine, Daniel Bensaïd oder Henri Weber. Diese rüsten sich mit Helmen und Stangen aus, als die Nachricht kommt, die rechtsextreme Schlägerorganisation Occident rücke an - deren Kohorte war jedoch unterwegs durch die Polizei gestoppt worden. Der Rektor verfällt in Panik, lässt die Hörsäle schließen und die Polizisten in den Innenhof der Sorbonne eindringen. Nachdem die Demonstranten bereits freien Abzug ausgehandelt hatten, verhaftet die Polizei - nachdem sie einmal auf die Straße zurück gekehrt sind - hunderte von Protestierern, um ihre Personalien auf der Wache festzustellen.


Angesichts des als brutale Machtdemonstration erscheinenden Einsatzes kommt es zur spontanen Solidarisierung unter den übrigen Studierenden, die Zeugen wurden. Junge Frauen stürzen sich auf Polizisten, die ersten Steine fliegen. Die Studenten weichen zurück in¹s Quartier Latin, wo das Tränengas der Polizei auch unbeteiligte Anwohner und Passanten trifft. Bei Schlagstockeinsätzen werden Cafétische abgeräumt und Gäste verletzt, Bewohner des Viertels versuchen in ihr Haus zu gelangen oder die Verhaftung ihrer Kinder zu verhindern. Die spontane Solidarität erzeugt die explosive Mischung, die in den kommenden Tagen detoniert.


Das Quartier Latin erlebt seine ersten Barrikadennächte ; die Beteiligten bedienen sich dabei - in zunächst spielerischer Form - der historischen Kostüme voraus gegangener Revolutionen und Revolten, die ihre materielle Funktion eingebüßt haben, aber ihren festen Platz im kollektiven Gedächtnis einnehmen. Denn „militärisch" haben die Barrikaden im Mai 1968 keinen Sinn: Die aufständische Jugend hat es nicht (oder nicht überwiegend) mit berittenen Truppen zu tun, und die Polizisten umgehen die Barrikaden entweder einfach zu Fuß, oder sie beseitigen sie mit Hilfe von Räumpanzern, was allerdings einen ganzen Moment lang dauert. Aber zugleich - während sie sich der Symbole älterer historischer Momente bedienen -schaffen die Beteiligten ihrerseits ein neuartiges Ereignis, ein neues historisches Symbol.


Die polizeiliche Repression wird ihrerseits zum Auslöser einer weit über das studentische Milieu hinaus reichenden, gesellschaftlichen Solidarisierung. Die Gewerkschaften CGT und CFDT ergeifen die Initiative, für den 13. Mai, einen Montag, zu einem Generalstreik aus Solidarität für die studentischen Repressionsopfer aufzurufen. Zugleich wird damit ein explizit politisches Datum gewählt: Es handelt sich um den 10. Jahrestag des Militärputschs im französischen Algerien, durch welchen der General de Gaulle 1958, von Algier aus, die Macht in der niedergehenden Vierten Republik ergriff. Zunächst mit dem Versprechen, das Blatt im Kolonialkrieg doch noch siegreich zu wenden, auch wenn Charles de Gaulle sich drei Jahre später in dieser Frage zum Realismus bekehrt hatte. Die autoritäre Präsidialrepublik der Cinquième République wurde durch diesen Gründungsakt in¹s Leben gerufen.


Zehntausende - Studierende, Jugendliche, aber auch Arbeiter/innen und Gewerkschaftsmitglieder - demonstrieren an jenem 13. Mai zusammen in Paris. Doch der eintägige Generalstreik wird zum Auslöser für einen Prozess, der den Gewerkschaftsführungen alsbald über den Kopf wächst. Am folgenden Tag beginnen die ersten Betriebsbesetzungen. Am 14. Mai wird der "rote Betrieb" Sud-Aviation, eine Flugzeugbau-Firma in der Nähe von Nantes und alte anarchosyndikalistische Hochburg, besetzt. Sud-Aviation gibt das Signal: Am 15. Mai streikt Renault-Cléon, und am 16. Mai greift die Streik- und Besetzungswelle auf die anderen Standorte von Renault über. Die Initiative geht oftmals von jungen, gewerkschaftlich unorganisierten Arbeitern aus, denen das Akkordsystem und die damit verbundene Fabrikdisziplin zum Hals heraushängt. Aber sie wird vom organisierten, erfahrenen Teil der Arbeiterklasse übernommen.


Die, nun ja, strukturkonservativen Apparate der etablierten Linksparteien und der mit ihnen verbundenen Gewerkschaft(sführung)en werden in den kommenden vier Wochen ihre Mühe und Not haben, ihre Stellung als „berufene Vertreter" zu behaupten. Vor allem die Kommunistische Partei bekommt es rasch mit der Angst zu tun, da sie auf die rasch anschwellende Protestbewegung nicht vorbereitet war und fürchtet, jegliche Kontrolle über sie zu verlieren. Die - damals noch eindeutig von ihr abhängige - CGT handelt am 27. Mai das "Abkommen von Grenelle" mit Regierung und Arbeitgebern aus, um dem Ausstand in den Fabriken ein Ende zu setzen. Als Eingangsforderung bei Eröffnung der Verhandlungen verlangt die CGT die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns SMIG (später, ab 1970, wird er SMIC heißen) um 30 Prozent. Doch prompt bietet der Arbeitgeberverband, der damalige CNPF, seinerseits 35 Prozent an - und geht damit über die CGT-Forderung noch hinaus -, die dann auch tatsächlich beschlossen werden. Die Kapitalvertreter interessiert nämlich zu dem Zeitpunkt nur Eines: Die blöden Streiks und Betriebsbesetzungen sollen (jammer) doch bitte bitte endlich aufhören! Die CGT soll möglichst für Ordnung sorgen! Über das zu erzielende Abkommen hatten sich die CGT und die Regierung, dank der Vermittlung durch den jungen Staatssekretär im Sozialministerium - einen gewissen Jacques Chirac - vorab bereits im Geheimen abgesprochen. Die Parteien können sich daher relativ rasch einigen.


Doch CGT-Generalsekretär Georges Séguy muss am nächsten Tag in der gewerkschaftlichen Hochburg Boulogne-Billancourt - am Hauptsitz von Renault -feststellen, dass das ausgesprochen unpopulär ist. Eigentlich war er gekommen, um zur Wiederaufnahme der Arbeit aufzufordern; angesichts einer stürmischen Atmosphäre wird er jedoch mitten in seiner Rede plötzlich dasiGegenteil erklären. Die wichtigsten Großbetriebe - wie Renault in Flins - werden erst Mitte Juni durch die Polizei geräumt werden. Die Arbeiter des Automobilherstellers nehmen ab dem 18. Juni wieder die Arbeit auf. Auf dem Höhepunkt des Ausstands hatten rund 8 Millionen Arbeiter/innen gestreikt. (Nun, manche Quellen sprechen auch von zehn Millionen, eine Angabe, die möglicherweise leicht übertrieben ist. Aber Aufrunden sei erlaubt...)


Ein Blitz aus heiterem Himmel ?


Brach der Pariser Mai 1968 also wie ein Blitz aus heiterem Himmel herein? Hat der historische Zufall die Fährte von den Schlafzimmern in Nanterre bis in die besetzte Sorbonne gelegt, eine unwahrscheinliche Verkettung von Ereignissen das stärkste soziale Erdbeben in der französischen Nachkriegsgeschichte ausgelöst? Natürlich nicht. Die wichtigsten kollektiven Akteure, die im Mai in Handlung traten, existierten zumeist schon in den Jahren davor. Und alle gesellschaftlichen Voraussetzungen waren beisammen, damit ein geeigneter Auslöser entsprechende Folgen produzieren konnte. Und so konnte eintreten, was Daniel Cohn-Bendit damals so ausdrückte: „Ein Funke löst mitunter einen Steppenbrand aus."


Tatsächlich war der eingangs beschworene, „langweilige" Charakter des spätgaullistischen Frankreichs nur eine gefällige Oberfläche, unter der es oftmals brodelte. Der Spätgaullismus an der Macht, das bedeutet Mitte der 60er Jahre: eine schwer erträgliche Mischung aus technisch-funktionaler, zweckrationaler Modernität und stickiger, beklemmender gesellschaftlicher Enge. Das gilt vor allem auf der Ebene der Familienstrukturen. Bis 1965 durfte eine verheiratete Frau in Frankreich nicht einmal ein Bankkonto ohne Einwilligung ihres Ehemanns haben. Verhütungsmittel waren seit 1919 - dem Jahr der Chambre bleu horizon, der ultrareaktionären und nationalistischen Mehrheit der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg - gesetzlich verboten. Erst im Dezember 1967 lockerte ein neues Gesetz, die Loi Neuwirth, dieses Verbot; schamhafterweise wurden die dafür notwendigen Ausführungsdekrete durch die Regierung zum Teil noch bis 1972 hinausgezögert.


Im Privatleben sollte ganz Frankreich sich damals so verhalten wie „Tante Yvonne", die Ehefrau von Präsident Charles de Gaulle: bigott, frömmlerisch und keusch. Zugleich katapultierte Frankreich sich seit Mitte der 50er Jahre in großen Schritten voran in die technische Moderne: Eine nachholende Industrialisierung des Landes, das bis dahin nur wenige industrielle Zentren rund um einige Großstädte gekannt hatte, sorgte für zweistelligeiWachstumsraten pro Jahr. Ganze Städte wurden am Reißbrett geplant, mit strikter funktionaler Trennung in Arbeits-, Schlaf- und Einkaufsviertel. So entstanden die Planungen für die Villes Nouvelles am äußeren Rand des Ballungsraums Paris, oder Vitrolles bei Marseille. Für ihre Hauptstadt planten die Regierungen Ende der Sechziger Jahre sogar, den Canal Saint-Martin -die grüne Ader im Pariser Osten - komplett zu überdeckeln und eine Stadtautobahn darüber zu legen. Doch als es in den frühen Siebziger Jahren so weit gewesen wäre, wollten die Anwohner nichts (mehr) davon wissen.


Gesellschaftliche Konflikte schienen so, im Rahmen einer entpolitisierten Technokraten-Rationalität, gelöst oder zumindest aus dem Alltag verbannt. Unter der Oberfläche freilich blieb der Klassenkonflikt virulent, zumal die gesellschaftlichen Unterschiede sich trotz der rasanten Entwicklung nicht verkleinert hatten, sondern durch die lange Phase „sozialen Friedens" seit den frühen Sechzigern sogar stark gewachsen waren. Der stalinisme à la française wirkte zwar innerhalb der Arbeiterschaft als Ordnungsfaktor. Aber mit der Gründung der CFDT im November 1964 war der CGT eine gewerkschaftliche Konkurrenz erwachsen, die in den ersten Jahren offen schien für sozialutopische Ansätze, für neue Themen wie Lebensqualität, Umweltschutz oder Ablehnung der Atomenergie und sich nicht auf Lohnfragen beschränken wollte. Dadurch geriet Bewegung in die soziale Landschaft. Die CFDT wurde auch zu einem der Hauptträger der Ereignisse im Mai 1968, weit stärker als die CGT. In späteren Jahren allerdings wurden durch ihre sozialdemokratische bzw. neoliberale Rechtswende viele interessante Ansätze ihrer Frühzeit restlos gekappt. Der Erbe jenes Geists findet sich freilich in den linken Basisgewerkschaften SUD, die sich seit 1989 - rund um eine Abspaltung von mehreren CFDT-Branchengewerkschaften - entwickelt haben.


Auf der Linken standen, außerhalb der realsozialistisch geprägten KP und der -damals ohnehin durch ihre Regierungsbeteiligung während der Kolonialkriege stark diskredierten - Sozialdemokratie, radikalere und fantasievollere Kräfte zur Verfügung. Der Kern der prägenden Kräfte des Mai 1968 hatte sich bereits ein knappes Jahrzehnt davor herausgebildet. Libertäre Kommunisten, Trotzkisten und Linkssozialisten, aber auch fortschrittsfreundliche linkskatholiken hatten während des Algerienkriegs eine wichtige Rolle gespielt: Der Staatsmacht und einer scharfen polizeistaatlichen Kontrolle trotzend, hatten sie oftmals illegale Unterstützung für die algerische Unabhängigkeitsbewegung geleistet. Späte historische Ehre erwiesen worden ist diesen, damals meist unbekannt gebliebenen, Internationalisten im Jahr 2002 durch das Buch von Sylvain Pattieu: Les camarades des frères (Die Genossen der Brüder). In den politischen Mobilisierungen gegen den Algerienkrieg spielte die Studentengewerkschaft UNEF eine Schlüsselrolle, aber auch die damals gegründete linkssozialistische Partei PSU. Beide sollten auch im Mai 1968 eine Rückgratfunktion in der Bewegung einnehmen. Der PSU (Parti socialiste unifié) allerdings sollte bald darauf daran zerbrechen, dass er sich nie richtig zwischen einem radikal linken und einem, wie man heute sagen würde, "rot-grünen" Flügel hatte entscheiden können.


Daneben entstanden in den 50er und frühen 60er Jahren - auch dank dieses Milieus, das durch die antikolonialen politischen Kämpfe strukturiert worden war - linke intellektuelle Zirkel, beispielsweise rund um die Zeitschrift Socialisme ou barbarie oder um die Revue Arguments. Ihre Animateure kamen aus Dissidentenkreisen innerhalb der französischen KP oder hatten trotzkistischen Kleinparteien der 40er Jahren angehört, sich jedoch später freigeschwommen. Eine Rolle als Hefe im Teig der radikalen Gesellschaftskritik spielte auch die Situationistische Internationale, die ursprünglich von einer künstlerischen Kritik ausgegangen war - aber bald dazu überging, alle möglichen Bereich der sich nach dem Zweiten Weltkrieg herausbildenden modernen Warengesellschaft (Konsum, Freizeitgestaltung, Zurichtung des Individuums, Städtebau...) einer scharfen Kritik zu unterziehen. Ihre Aktionen - die oft ein revolutionäres Maximalprogramm in den Vordergrund stellten, was ihnen geringe Breitenwirksamkeit versprach, aber zugleich auf Schwachstellen und Ausblendungen in der Gesellschaftskritik anderer linker und linksradikaler Strömungen hinwies - wirkte wie ein anspornender Stachel im Sitzfleisch der Linken. Nicht zuletzt ist ein weiterer wichtiger Faktor zu erwähnen: Die Präsenz einer Generation junger Juden und Jüdinnen, die durch die unmittelbare Konfrontation mit dem Schicksal ihrer Familien unter dem Holocaust berührt worden war. Nie wieder, meinten diese jungen Intellektuellen und Aktivisten, würde politische oder gesellschaftliche Indifferenz und Teilnahmslosigkeit möglich sein - vor allem, wenn es gegen den Faschismus gehe, den sie wie andere Angehörige ihrer Generation oftmals in verschiedenen Gegnern ihrer Zeit verkörpert sahen, wie etwa den Verantwortlichen für die US-Politik in Vietnam. Dieser spezifische Zugang zu politischem Engagement hat dem Pariser Mai 1968 einige seiner wichtigsten Köpfe beschert¨: Alain Krivine (der selbst als Zweijähriger knapp der Deportation entrann), Daniel Cohn-Bendit, Alain Geismar, Daniel Bensaïd oder auch Bernard Kouchner. Manche von ihnen sind noch heute führende Köpfe (Krivine) oder Theoretiker (Bensaïd) der radikalen Linken in Frankreich - auch wenn andere im neoliberalen Fahrwasser (Cohn-Bendit) oder auf dem rechten Flügel der Sozialdemokratie und bei der Befürwortung westlicher Kriege (Bernard Kouchner) gelandet sind. Ein israelischer Autor namens Yaïr Auron hat ihnen 1998 eine hoch spannende Studie gewidmet: Les juifs d'extrême gauche en mai 68 (Die Juden der radikalen Linken im Mai 68), Untertitel: "Eine Generation, die durch die Shoah geprägt wurde".


Ferner spielte auch die internationale Aufbruchsstimmung eine entscheidende Rolle, die mit dem Entkolonialisierungsprozess und dem ihn anfänglich begleitenden emanzipatorischen Überschuss (der über die real stattfindenden Staatsgründungsprozesse hinauswies) einher ging. Die Rolle des Algerienkriegs in diesem Zusammenhang wurde bereits benannt. Auch nach Lateinamerika waren viele Augen gerichtet. Eine Schlüsselrolle aber spielte der Vietnamkrieg. Hinzu kam eine Projektion, die von den mit den realen Vorgängen im betreffenden Land ziemlich stark abstrahiert haben mag: Die damalige Rezeption der chinesischen Kulturrevolution (1966 - 69). Dass jene aus der Ferne, wo man die störenden hässlichen Aspekte des Mao¹schen Staatssozialismus nicht wahrzunehmen brauchte, wesentlich besser aussah als aus der Nähe, dürfte unbestritten bleiben. Dennoch hat diese Projektion am Anfang eine Katalysator-Funktion gehabt, weil sie den Eindruck eines internationalen Aufbruchs aufkommen ließ - im Sinne von: In Vietnam wird Widerstand geleistet, in China ist ein revolutionärer Prozess mit vielen Millionen Menschen im Gange - "es ist möglich", die Verhältnisse umzustürzen, was machen wir hier? (Dennoch macht das die Politik des Mao-Regimes nicht wirklich besser... Und das Auseinanderklaffen des Eindrucks, den die westliche Jugend 1968 von ihr hatte, und der Wirklichkeit vor Ort sollte es ab Mitte der Siebziger Jahre ehemaligen jugendlichen Rebellen mit nunmehriger Aussicht auf Karriere erleichtern, ihrer Abschied von den revolutionären Idealen von einst zu feiern. Damals schlug die Geburtsstunde der „antitotalitären" studierten Idioten, pardon: „antitotalitären“ Intellektuellen und so genannten Neuen Philosophen, jener armseligen Figuren à la Alain Finkielkraut oder Stéphane Courtois, die stets nur ihren eigenen Konformismus zum - realen oder vermeintlichen - "Geist der Zeit" zelebrierten.)


Das famose Jahr 1968 in der Rückbeschau


Für die Linke unterschiedlicher Schattierungen ist der Mai 1968, kaum dass die Tage des Aufruhrs zu Ende gingen, zum positiven Bezugs- und Kristallisationspunkt geworden. Die radikale Linke hat sich im und durch den Mai 1968 für die kommenden anderthalb Jahrzehnte neu formiert (obwohl sie sich, jedenfalls in Frankreich, bereits zuvor auf einen harten Kern von Theoretikern und Aktivistinnen stützen konnte, der sich u.a. aus der internen Kritik an den stalinistischen Strukturen der KP sowie aus dem Kampf gegen den Kolonialkrieg in Algerien nährte).


Aber in den letzten Jahren, und im Gegensatz zu den selbst noch rebellisch geprägten Siebzigern - als das Erbe des französischen Mai in den Augen der Mächtigen noch eine unmittelbaren politische Gefahr darstellte - , ist eine starke Tendenz zur „Folklorisierung“ der damaligen Ereignisse festzustellen. Letztere verkommen zum bloßen Abziehbild, das die damalige Realität zum Teil verwässert und „verharmlost“ darstellt (die Revolte wird auf das Tragen des Minirocks und die Entdeckung der Anti-Baby-Pille reduziert), zum Teil auch heroisch überstilisiert -vor allem dort, wo es um die Selbstdarstellung der „Veteranen“ von damals geht. „1968 ist, wenn Steine pfeifen und es kracht“, könnte das Motto der letztgenannten Version lauten. In beiden Varianten aber wird die damalige Revolte entrealisiert, ihres politischen Inhalts und ihrer sozialen Dimension beraubt: Eine rauschende Fete, die letztendlich doch harmlos ausging, im einen Falle - oder ein scheinbar bedrohliches und in Wirklichkeit faszinierendes, ein paar Wochen andauerndes Feuerwerk im anderen.


1988 – 1998 – 2008


Im Wechsel der Jahrzehnte hat sich die nachträgliche Rezeption des Mai 68, vor allem aus Anlass der allfälligen (insbesondere „runden“) Jahrestage, gewandelt. Vergröbert lassen sich die jeweiligen Tendenzen ungefähr so darstellen:


1988 führte der Jahrestag der Ereignisse - die zehn Jahre zuvor noch „zu frisch“ schienen, um der Historie einverleibt zu werden - erstmals zu einer breiteren öffentlichen Debatte. Letztere war damals allerdings überwiegend eine Angelegenheit der politischen Linken, in ihren unterschiedlichen Ausformungen. Während ein Flügel der Diskursanten den Anlass „zwanzig Jahre 1968“ dazu nutzte, um sich selbst zu feiern - unter der damaligen „sozialistischen“ Präsidentschaft François Mitterrands (so die Legende) sei man dabei, die Ideale von einst nun in die Wirklichkeit umzusetzen - , setzten andere Kräfte darauf, die radikale Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft zu erneuern. 1988 war etwa das Jahr, in dem das epochale zweibändige Werk zur Geschichte der französischen radikalen Linken vor und seit „dem Mai“ von Hervé Hamon und Patrick Rotman unter dem Titel ‚Génération’ erschien. Darin wurden alle unterschiedlichen Strömungen, ihre jeweiligen Geschichte, aber auch die individuellen Biographin zahlreicher Aktivisten und Vordenker in einer umfassenden Gesamtdarstellung nachgezeichnet.


Zehn Jahre später hatte sich das Bild bereits gewandelt. Zwar gab es auch dieses Mal noch Stimmen aus der Linken, die sich auf die radikale, sozialkritische Dimension des Mai 1968 bezogen und aus ihrer Herausarbeitung einen Impuls für eine aktuelle Gesellschaftskritik gewinnen wollten. So stellte der französische Trotzkist Alain Krivine, der im darauffolgenden Jahr (Juni 1999) für die Dauer eines fünfjährigen Mandats zum Europaparlaments-Abgeordneten gewählt wurde, im Frühjahr ’98 folgenden Merksatz auf: „Heute gäbe es noch hundert mal Gründe, zu rebellieren, als es damals gab. Wir hatten keine Massenarbeitslosigkeit, kein Tschernobyl und keinen Le Pen.“ Aber das war nicht die Mehrheit der Stimmen, die in den späten Neunzigern zum Jahrestag laut wurden.


Die (im weiteren Sinne) linksliberalen Medien, wie die Pariser Tageszeitung Libération und die Abendzeitung Le Monde, füllten schon ab Ende März 1998 ihre Seiten regelmäßig mit Hinweisen auf den sich ankündigenden Jahrestag bzw. Gedenkmonat. Im darauffolgenden Mai erfreuten sie gar täglich mit einer Doppelseite über die Ereignisse, die „heute vor 30 Jahren“ geschehen waren. Selbst die eher bürgerliche Regenbogenzeitschrift Paris-Match druckte bereits im April desselben Jahres über mehrere Dutzend Seiten hinweg Fotoreportagen aus dem heißen Pariser Mai ab. Der Tenor, der dabei in den dominierenden Teilen der Medienlandschaft überwog, lautete: „Die 68er Stundenten und ihre Ideen haben heute gewonnen.“


Der Mai 1968 wurde auf die studentischen künftigen Modernisierungseliten als Träger eines Innovationsschubs reduziert. Alle sonstigen, in der allgemeinen Regimekrise jenes Monats aufgebrochenen (und oft darüber hinausweisenden) Aufbrüche und gesellschaftlichen Widersprüche wurden ignoriert. Mit Ausnahme der sexuellen Befreiung, vor dem Hintergrund jenes Muffs, der „davor“ im Hinblick auf die gesellschaftliche Sexualmoral herrschte. Am 2. Mai 1998 - am Vorabend war in Brüssel die Entscheidung über die Europäische Währungsunion gefallen - zog ein Leitartikel in Le Monde beispielsweise jene reichlich groteske Parallele: „Von einer ‚Revolution’ zur anderen: Vor 30 Jahren war es die Straße. Heute ist es der Euro. Trotz bedeutender Unterschiede - das Frankreich von 1968 hatte eine Periode langanhaltenden Wirtschaftswachstums, das Europa von 1998 hat über 20 Jahre wirtschaftlicher Schwierigkeiten hinter sich - ist die Revolution von 1998 sehr wohl ein Erbe der Revolte des Mai 1968. Mit dem Mauerfall 1989 und dem Ende des realen Kommunismus ist einer von den beiden Fäden, an denen die 68er Bewegung hing, gerissen. Der andere, intakt gebliebene, ist jener des Appells an die Phantasie, an die Erfindung der Zukunft und an die Träume von Brüderlichkeit.“ Wobei die liberale Abendzeitung die letztere in Gestalt des EU-Projekts auf der Bühne des aktuellen Geschehens wiederzuerkennen glaubte.


Zwar gab es damals in Frankreich auch noch Konflikte zwischen den oben skizzierten, unterschiedlichen Ansätzen. Jedenfalls weitaus mehr als in der Bundesrepublik Deutschland, wo zur selben Zeit die Selbstzufriedenheit der soeben zur rot-grünen Führungselite gewordenen „Achtundsechziger“ überwog, bevor ab 2001 mit einer konservativen Diskursoffensive gegen Joschka Fischers Streetfighter- und Daniel Cohn-Bendits angebliche pädophile Vergangenheit (vgl.


http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_2001/13/30b.htm) ein Rollback im öffentlichen Debattieren einsetzen sollte. So verübte die anarcho-syndikalistische CNT im Mai 1998 an der Universität Nanterre - dem Ort seines seinerzeitigen aufrührerischen Wirkens - ein „Tortenattentat“ auf Daniel Cohn-Bendit, der ihr zufolge im Laufe der Jahre zum Anpasser geworden war.

Und selbstverständlich gab und gibt es auch die, oft larmoyant vorgetragene, Kritik von rechts am „Kulturbruch“ 1968. So stand etwa dreißig Jahre danach im konservativen Figaro Magazine, aus der Feder des schwülstig-patriotischen und leicht durchgeknallten Schriftstellers Paul-Marie Couteaux zu lesen: „Diese Bewegung, die links sein wollte, hat den Triumph des Geldes und der Medien gesichert.“ Zugleich sei die Bewegung in erster Linie gegen die Werte wie den Patriotismus und die Familie „und allgemein gegen die klassische französische Zivilisation“ gerichtet gewesen. Noch härtere Vorwürfe („Subversion“, „Zerstörung der Nation“) kamen vom rechtsextremen Front National. Aber beide Phänomene, sowohl die linke Kritik am sich herausschälenden liberalen und den „positiven Modernisierungsschub von damals“ unterstreichenden Mainstream als auch der offene rechte Revanchismus gegen ihn, wurden bereits in der Debatte von 1998 ansatzweise marginalisiert.


Heute sind sie, jedenfalls auf der Ebene der Massenmedienwelt, zu Randerscheinungen geworden. Der erstgenannte, apologetische und zugleich den „Inhalt von 1968“ teleologisch auf eine „Modernisierungsleistung“ festlegende, Debattenstrang hat sich fast vollständig durchgesetzt. Auch ist der larmoyante Jammer von ehemaligen Linken, die ihre Wandlungsfähigkeit unterstreichen möchten, indem sie die damalige Rebellion im Stile von Götz Aly als fanatisch, totalitär und gar potenziell faschistisch darstellen (vgl.http://www.perlentaucher.de/buch/28912.html), in Frankreich so gut wie nicht zu hören. Und wo er auftaucht, bleibt er bedeutungslos.

Mai im Februar


In diesem Jahr (2008) fingen die Fortsetzungsserien, etwa in der sozialliberalen Tageszeitung Libération, zur 40. Wiederkehr der Ereignisdaten zum Teil schon im Februar an. Die liberale Abendzeitung Le Monde publizierte den gesamten Monat Mai hindurch täglich ein Faksimile ihrer Titelseite vom damaligen Tag im Jahr 1968.


Und mehrere Wochen hindurch hat dieses Herangehen an den Mai 1968 die Stadt Paris auch optisch geprägt: Anfang Mai etwa hatte ein Buchladen in Steinwurfweite von der Pariser Oper, in einer wahnwitzig teuren und bourgeois geprägten Wohngegend, sein gesamtes riesiges Schaufenster ausschließlich mit Werken zum Mai 1968 ausstaffiert. Ähnliches lässt sich in manch anderen Büchershops beobachten. Allein 80 Bücher waren in den Wochen zuvor zum Thema erschienen. Fast keine Foto- oder Musikzeitschrift, die nicht seit Ende April ihre Titelseite der 40. Jährung der Maiereignisse gewidmet hätte. Das Magazin Témoignage Chrétien (Christliches Zeugnis) setzte Anfang Mai eine Schlagzeile zu „Die Christen und der Mai 68“ auf ihre Titelseite - was noch nicht völlig absurd ist, da ihre linkschristlichen Vorläufern in der Opposition der 60er Jahre durchaus eine Rolle spielten.


Vollends absurd wurde es, als das neoliberal-bunte Wochenmagazin Challenges, das vor allem Wirtschaftsthemen behandelt, seine Ausgabe vom 01. 05. dieses Jahres mit der Schlagzeile aufmachte: „Ihr Mai 1968 - ‚Ich erinnere mich’“. In der aufwändig präsentierten Story kommen Führungskräfte wie der der sterbenslangweilige wirtschaftsliberale Ideologe Alain Minc, der konservative Sozialpolitiker und Sarkozy-Berater Raymond Soubie oder der frühere Bankenpräsident Jean Peyrelevade zu Wort, neben ihnen auch die CGT-Gewerkschaftssekretärin Maryse Dumas. Nicht alle, aber so manche von ihnen waren damals „Rebellen“. Heute ist das in aller Regel weniger der Fall. Challenges zieht unterdessen, im redaktionellen Teil, einen – nun, sagen wir mal: - gewagten Vergleich: Im Mai 1968 habe Frankreich eine verkrustete konservative Sozialstruktur aufgewiesen (was tatsächlich zutrifft) - und heutzutage sei dies wieder der Fall, da Frankreich den neoliberalen „Reformen“ gegenüber ängstlich verschlossen bleibe. Und das Blatt zitiert den, längst vom Anarchisten zum bürgerlichen Konformisten gewandelten Daniel Cohn-Bendit, der in eine ähnliche Richtung denkt: „Was heute noch aktuell bleibt, das ist die Allergie der französischen Gesellschaft gegenüber Veränderungen. Nach 40 Jahren haben wir noch immer nicht den Schlüssel zur Modernisierung der französischen Politik gefunden.“


Cohn-Bendit übertrifft sich selbst. Und auch die Polizei feiert „40 Jahre 1968“


An anderer Stelle, etwa in seinem am 3. April dieses Jahres in Frankreich publizierten Buch unter dem Titel Forget 68, hatte Cohn-Bendit allerdings dafür plädiert, dass heute - anders als damals - kein Rebellentum mehr vonnöten sei, da inzwischen „unsere Ideen doch gewonnen“ hätten. Cohn-Bendit wählt darin als Beispiel für den Siegeszug der revolutionären Ideale von einst eine Begebenheit, die sich im Stadtrat von Frankfurt/Main zutrug, zu Zeiten, als er selbst dort in den frühen 90er Jahren als Multikultur-Dezernt amtierte. In einer Debatte rief ein CDU-Mann („katholisch, gläubig, sehr nett“) ihm zu, das Problem sei aber doch der Islam, „weil der die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, und damit die Basis unserer Demokratie, nicht akzeptiert“. Cohn-Bendit sieht sich dadurch vom vermeintlichen politischen Gegner darin bestätigt, dass „’68 gesiegt“ habe, denn in den sechziger Jahren sei die Gleichberechtigung der Frauen etwa in Frankreich noch nicht so hoch gehängt worden. (Vgl.http://hebdo.nouvelobs.com/hebdo/parution/p2264/dossier/a370767-«68_cest_fini_on_a_gagné».html) Konformistischer, und dümmer, lieb sich die aktuelle Situation wirklich nicht deuten.

A propos Konformismus: Damit auch wirklich keinerlei politische Unterscheidung zwischen „Freund“ und „Feind“ beim historischen Ereignis mehr möglich bleibt, und um wirklich Alles rund um die Wahrnehmung des französischen Mai 1968 im Taumel einer „Riesenfete“ aufgehen zu lassen, hat sich auch – die Pariser Polizeipräfektur in den fröhlichen Reigen eingereiht. Dazu nur ein Auszug aus der Pariser Satire- und investigativen Wochenzeitung Le Canard enchaîné vom 21. Mai 08:


„Unter dem Pflaster, die Hommage: Noch eine Sondernummer/Sonderausgabe über ’68. Titelseite in Rot und Schwarz, Hochglanzpapier, nichts fehlt. Sarkozy wollte (Anm.: in einer Wahlkampfrede vom 29. April 2007) ‚den Geist von Mai 68 liquidieren’. Selbst die Flics haben ihm den Gehorsam verweigert. Und das ist umso besser, denn man hätte eine unnachahmliche Aussicht auf die Barrikaden verloren. Eine originelle, ja ungewöhnliche Aussicht. Kein einziges Bild von einem CRS (Bereitschaftspolizisten) mit dem Knüppel in der Faust, der dabei ist, einen studentischen Schädel zu streicheln. Kein einziges Foto der ‚Sicherheitskräfte’, die sich (vor)stürzen, um einen am Boden liegenden Typen zu prügeln. Keine einzige ‚charge’ (Anm.: ‚Aufladen’, so nennt man im Französischen eine polizeiliche Angriffsoperation). Aber Bullen in Schwarz und Weib. Die einen hinkenden Kollegen stützen, heroisch unter einem Regen von Pflastersteinen, mit stoischer Ruhe einer aggressiven ‚faune’ (Anm.: wörtlich ‚Fauna’, Bezeichnung für eine Menge bizarrer Gestalten) gegenüber stehen oder den Asphalt nach dem Aufruhr fegen. (...) Maurice Grimaud, der Polizeipräfekt, der damals das Schlimmste verhindert haben will, (meint, dass) wenn er ‚nur ein einziges Bild vom Mai 68 behalten’ sollte, dann jenes vom ‚Glück einer Arbeit in einem Team, das zusammen hielt’. Und da wollen manche dem schönen ‚Geist des Mai’ ein Ende setzen!“


Wir sagten Ihnen doch: Keine unangenehmen Nebenaspekte und keine Schattenseiten, auch keine markanten historischen Züge sind an dem Ereignis dran. Alles eine Riesenfete. Auch im Rückblick: Let’s party!


Gewerkschaftliche Profilierungsversuche


Da dürfen alle möglichen linken oder halblinken (mit und ohne Anführungszeichen) sowie gewerkschaftlichen Kräfte natürlich nicht abseits stehen. Bei so viel allgemeinem, auf allen Kanälen verbreitetem Enthusiasmus über „68“ veröffentlichten etwa die Publikationen der beiden wichtigsten französischen Gewerkschaftsdachverbände, CGT und CFDT, in den letzten Wochen größere Berichte über das Verhalten ihrer jeweiligen Organisation.


Geradezu vorbildhaft und voll in die Bewegung integriert, wenn nicht gleich an ihrer Spitze marschierend, fiel demnach ihre damalige Rolle aus. Das mangelt nicht an Pikanterie, denn zumindest die CGT-Spitze wollte damals den Streik - dessen Führung ihr „aus den Händen geglitten“ schien - nach einigen Tagen so schnell wie möglich abwürgen. Ihr Generalsekretär Georges Séguy wurde am 27. Mai 1968 im zentralen Renault-Werk von Billancourt von Tausenden ausgepfiffen, als er gekommen war, um zur Wiederaufnahme der Arbeit einzuladen. Das CFDT Magazine seinerseits veröffentlicht im Mai 2008 eine Geschichte über „die CFDT damals und heute: die Emanzipation als Erbe“. Pech nur, dass sie so hingebogene Kontinuitätslinie beim besten Willen keine ist, hat doch die seit den späten achtziger Jahren rechtssozialdemokratisch und pro-neoliberal geleitete Gewerkschaftsführung einen radikalen Kurswechsel bei der CFDT eingeleitet. Mit diesem Kurswechsel ging der Austritt von insgesamt weit über 100.000 Mitgliedern (von insgesamt rund 600.000) einher. Und die ehemalige Generalsekretärin der CFDT, Nicole Notat, ist seit ihrem Abgang im Jahr 2002 als Unternehmensberaterin tätig -laut Challenges vom 1. Mai 2008 wird sie derzeit auch „häufig vom Elysée-Palast“, also Nicolas Sarkozy, „zu den Reformen konsultiert“. Da bot die CFDT im Mai 1968, die damals links von der stalinistisch verknöcherten CGT angesiedelt war und für neue, alternative Ansätze offen war, doch noch ein erheblich anderes Bild!


Rechte Gegnerschaft zu „68“ erschöpft sich allmählich – da unnötig?


Die Pariser Abendzeitung Le Monde konstatiert in einem Leitartikel vom 26. April: „Das Anti-68-Denken erschöpft sich“. (Vgl.http://abonnes.lemonde.fr/cgi-bin/ACHATS/ARCHIVES/archives.cgi?ID=ced12ff8670fefa82141da8d53b8ccfb83946390ca17241f ) Die Kritik von rechts am damaligen „Kulturbruch“ ist zwar eigentlich inzwischen - zumindest theoretisch - in der französischen Politik an der Macht. Denn der Inhaber des höchsten Staatsamts, Nicolas Sarkozys, hatte am 29. April 2007 auf dem Höhepunkt des Wahlkampfs bei einer Großveranstaltung lautstark gefordert, endgültig „das Erbe des Mai 1968 zu liquidieren“, ihm den Garaus zu machen. (Vgl.

http://www.lepost.fr/article/2008/05/09/1191161_sarkozy-a-t-il-oublie-mai-68.html) Denn er habe die Arbeitsmoral im Lande verdorben und dadurch die Grundlagen der Gesellschaft unterminiert, er habe „glauben machen wollen, dass der Schüler genauso viel zählt wie der Lehrer“ und deswegen nichts mehr zu leisten brauche, er habe alle Autoritäten angegriffen. Aber in der derzeitigen Phase der Erinnerung an „40 Jahre danach“, in deren Verlauf sich Sarkozy bisher nicht (mehr) öffentlich zum Thema geäußert hat, überwiegt auch auf der politischen Rechten eher ein anderer Standpunkt. Abgesehen natürlich vom obligatorischen Mosern vom ganz rechten Rand (vgl. http://fn-populaire-et-social.over-blog.com/article-18756054.html ).

Der Generalsekretär von Nicolas Sarkozy Regierungspartei UMP, Patrick Devedijan, etwa gibt die derzeit zumindest in den Medien vorherrschende Position wieder, wenn auch er betont: „Der Mai 68 hat den Eintritt Frankreichs in die Modernität bezeichnet.“ (Vgl. http://www.bakchich.info/article3497.html) Wobei der Mann lediglich vergisst, hinzufügen, dass er damals noch irgendwo anders stand als die (angeblichen) „Modernisierer“: Devedjian gehörte damals zu der rechtsextremen Schlägertruppe ‚Occident’, die im Juni 1968 nach einigen Zwischenfällen verboten wurde. Allerdings kehrte er ihr schon kurz vor ihrer Auflösung den Rücken. Denn Devedjian war von der Polizei wegen einer gewalttätigen Strafexpedition seiner Kumpanen gegen linke Studierenden und Vietnamskriegsgegner an der Universität Rouen, die im Dezember 1967 einen Schwerverletzten forderte, vernommen worden. Devedijan hatte ausgepackt, wurde daraufhin von seinen Kameraden jedoch nackt ausgezogen und in einer Badewanne gefoltert, bevor er über den Balkon fliehen konnte. So erzählt es Frédéric Charpin in seinem Standardwerk über die extreme Rechte der 60er Jahre und ihre inzwischen überwiegend zu den Konservativen gewanderten Köpfe, Génération Occident; das Buch erschien 2005.

Die revanchistische Rhetorik der notorischen Nörgler gegen alles, was mit der Chiffre „1968“ verbunden wird, aus dem konservativen Lager erweist sich im Moment in der Sache als saft- und kraftlos. Denn zumindest an einem Punkt geben die meisten Beobachter einer Anmerkung recht, die - unabhängig voneinander - sowohl Cohn-Bendit in seinen Tiraden in Buchform, als auch die ex-antiautoritäre, heute bürgerlich-linksliberale Wochenzeitung Charlie Hebdo (in einer Story unter dem Titel „Was wäre Sarkozy ohne 1968?“) und der zu den Unterstützern Nicolas Sarkozy übergelaufene Schriftsteller André Glucksmann tätigten. Alle wiesen nämlich darauf hin, dass es „vor ’68“ schlichtweg nicht denkbar gewesen wäre, dass ein doppelt geschiedener und zum dritten Mal verheirateter Staatspräsident - wie Nicolas Sarkozy es nun einmal ist - amtiert hätte. Tatsächlich herrschte im Schatten von „Tante Yvonne“, Charles de Gaulles prüder und bigotter Präsidentengattin, eine äußerst drückende Sexualmoral. Der Umbruch rund um die Systemkrise vom Mai 68 hat solcherlei Veränderungen sicherlich beschleunigt und unterstützt.


Ein neuer Mai ist möglich?


Aber sollte das wirklich alles gewesen sein, was die gesellschaftliche Schlagkraft des Mai 1968 und die Zielsetzungen der daran (aktiv) Beteiligten betrifft? Ein Zweifel sei, trotz eines sich rund um die Betonung solcher Dimensionen herausschälenden neuen Konsens, doch erlaubt. Ihn teilen aber auch viele Französinnen und Franzosen. So veröffentlichte die KP-nahe Tageszeitung L’Humanité am 13. Mai 2008 eine interessante Umfrage. Die Zeitung – die ihrerseits ebenfalls, wie auch andere Medien, Fortsetzungsserien zur Geschichte des Frühjahr 1968 veröffentlichte - tat nunmehrso, als habe die hinter ihr stehende Partei die damalige Bewegung vollauf unterstützt. Während Letztere in Wirklichkeit darum bemüht war, sie tunlichst abzuwürgen. Auch unter dem Druck der sowjetischen Botschaft in Paris, die lieber den „Anhänger einer neutralen nationalen Außenpolitik“ de Gaulle als die „pro-atlantische“ französische Sozialdemokratie in Paris am Ruder sehen und also keine Regierungskrise wollte – diese und andere Hintergründe wurden freilich im Frühjahr 2008 bei einer Versammlung der Lesergesellschaft ‚Les Amis de l’Humanité’ in Anwesenheit von Zeitzeugen aufgerollt und durchaus (selbst)kritisch diskutiert.

Aber die Ergebnisse ihrer Umfrage sind insofern interessiert, als ihr zufolge 78 Prozent der Befragten die Periode rund um den Mai 1968 als eine „Zeit des sozialen Fortschritts“ betrachten. 65 % sehen demnach in den damaligen Ereignissen sowohl den Generalstreik als auch die „Studentenrevolte“, „alle beide“ als bedeutsamste Ereignisse an (18 Prozent nennen nur den Massenstreik, 11 % allein die Studentenbewegung). Und immerhin 62 Prozent geben eine bejahende Antwort auf die Frage, „ob eine soziale Bewegung vom Ausmaß des Mai 68 sich heute in Frankreich ereignen könnte“.


Jenseits des Mediendiskurses, für den die Chiffre „1968“ nur Kiffen und Minirock und vielleicht noch ein paar fliegende Steine bezeichnet, scheint also doch etwas von der realen Wirkungskraft der Ereignisse hängen geblieben zu sein…

---------------------------------------
Der Beitrag zum Diskussionsschwerpunkt

„Nebeneinander oder Miteinander – Studentenproteste und Arbeiterkämpfe am Beispiel Frankreich“
wurde unter dem Titel

1968 in Paris - Ein Jahr im Wandel der Wahrnehmung

Oder : Wenn Cohn-Bendit, eine neoliberale Zeitschrift der Wirtschaftselite und die französische Polizei –
treu vereint? -„40 Jahre Rebellion“ feiern...

im Themenblock II, „Die Bewegung und ihre Formen“, gehalten.







<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz