6,5 Millionen Niedriglohnbeschäftigte - und es werden immer mehr!


10.07.09
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Bereits 2,2 Millionen Lohnabhängige arbeiten für weniger als 6 Euro brutto.

Von Reinhold Schramm

Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten für weniger Geld.
In ihren Berechnungen kommen Claudia Weinkopf und Thorsten Kalina vom "Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ)" an der Universität Duisburg-Essen zum Ergebnis: Die Zahl der Beschäftigten im Niedriglohnsektor ist 2007 weiter um 350.000 gestiegen und gleichzeitig ist eine Entwicklung zu sinkenden Durchschnittslöhnen und einer weiteren 'Lohnspreizung' nach unten erkennbar.
Mehr als 21,5 Prozent aller Beschäftigten  -  6,5 Millionen Menschen  -  arbeiten für Stundenlöhne unterhalb der 'Niedriglohnschwelle' von 9,62 Euro in Westdeutschland und 7,18 Euro in Ostdeutschland. Seit 1995 hat sich die Zahl der Niedriglohnbeschäftigten um 2,1 Millionen Menschen erhöht, dies entspricht um 49 Prozent mehr.
Die Durchschnittslöhne von Niedriglohnbeschäftigten sind in den vergangenen zwölf Jahren inflationsbereinigt nicht gestiegen und in Westdeutschland gesunken. Jeder dritte Niedriglohnbeschäftigte arbeitet für weniger als 6 Euro brutto, 1,2 Millionen Menschen verdienten 2007 weniger als 5 Euro. Knapp 300.000 Menschen in Vollzeitbeschäftigung mit Stundenlöhnen unter 5 Euro verdienten im Monat nicht mehr als 800 Euro brutto.

Die Berufsausbildung schützt nicht vor Niedriglohnbeschäftigung:
Der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung hat sich von 58,5 Prozent im Jahr 1995 auf 70,8 Prozent in 2007 erhöht. Nimmt man LohnarbeiterInnen mit einem akademischen Abschluss hinzu, sind bereits 79 Prozent der Niedriglohnbeschäftigten (ca. 5,2 Millionen Menschen) formal qualifiziert. Ohne (beruflichen) Abschluss sind (nur) 21 Prozent aller Niedriglohnbeschäftigten.

Die Stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des IAQ, Dr. Claudia Weinkopf, kritisiert: "In Deutschland ist das Lohnspektrum in einem Ausmaß nach unten ausgefranst, das in anderen Ländern aufgrund von Mindestlöhnen nicht möglich wäre".


Quelle: Pressemitteilung vom 09.07.2009: Immer mehr arbeiten für weniger Geld. IAQ mit aktuellen Zahlen zum Niedriglohnsektor.
Internet: IAQ: http://www.iaq.uni-due.de/archiv/presse/2009/090709.shtml.
Siehe auch den IAQ-Report, Nr. 2009-05 als PDF:
Aktuelle Forschungsergebnisse aus dem Institut Arbeit und Qualifikation 2009-05, Niedriglohnbeschäftigung 2007 weiter gestiegen, Thorsten Kalina und Claudia Weinkopf, Internet:
http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2009/report2009-05.pdf.

Empfehlung:
Mindestlöhne in der europäischen Union - und die möglichen reformistischen Grundlagen für Deutschland.
Bei LabourNet.de Germany:
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/kombilohn/mindeschramm.pdf

Merke: Ohne Kampf gibt es keinen 'auskömmlichen' "Mindestlohn"!







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