Sarrazin-Was steckt hinter der Kampagne der BILD Zeitung?

05.09.10
DebatteDebatte, Soziales, Politik, TopNews 

 

von Max Brym

Eine riesige Schlagzeile der „Bild-Zeitung“ stieß jeden  am Samstag ins Auge. „Bild“ kämpft für die Meinungsfreiheit“. Die Person Thilo Sarrazin, ehemaliger Berliner Finanzsenator und nun gefeuertes Mitglied im Vorstand der Bundesbank brachte ein in für ihn gewohnt rechtsextremistischem Jargon gehaltenes Buch heraus. Die Kritik an Sarrazin lässt die „Bild Zeitung“ Gift und Galle spucken. „Bild“ titelte: „ Das wird man doch noch sagen dürfen.“ Auf drei Seiten wird Thilo Sarrazin verteidigt und es wird der Eindruck erweckt, die Deutschen seien ein unterdrücktes Volk. Dreimal darf man raten wer die Deutschen unterdrückt. Es sind „arbeitsscheue Arbeitslose- Juden und Menschen mit islamischem Glauben Angeblich gibt es  nach Bild„Denkverbote“ in Deutschland. Es missfällt der „Bild Zeitung“, dass es gegen den offenen Rassismus von Thilo Sarrazin Widerstand gibt. „Bild „ meint, dass die Deutschen sich endlich mal nicht mehr „ schämen sollten Deutsche zu sein“. Eine solche Argumentation gibt es bis dato nur wöchentlich in der „ National-Zeitung zu lesen. Ich befinde mich gegenwärtig an einem Strand in Italien und habe nicht das Gefühl, dass sich besoffene Deutsche mit samt ihrer Lautstärke in irgendeiner Weise schämen würden. Letzteres wäre aber des öfteren angebracht. Darum geht es der „ Bild“ aber nicht sie will aus der „deutschen Geschichte aussteigen und offen rassistische Islamphobie und antisemitische Äußerungen mit wüster Hetze gegen die Armen in Deutschland legalisieren.
Bevor ich zur Fragestellung des Artikels zurückkehre sind nochmals einige Klarstellungen zu Thilo Sarrazin angebracht.

Sarrazins Buch
„Deutschland schafft sich ab“ ist  der eindeutige Titel- des Buches von Thilo Sarrazin. Das Buch ist ein absoluter Verkaufsschlager nicht zuletzt wegen der Werbung welche neben Bild, vor allem auch der seriös bürgerliche „Spiegel“ machte.  Sarrazin war bereits   des öfteren durch rassistische Äußerungen und abwertende Bemerkungen über Hartz IV- EmpfängerInnen aufgefallen.  Obwohl die Reaktionen einiger  Medien, sowie die der meisten PoliterInnen jetzt sehr kritisch ausfallen, wird dennoch diskutiert, inwiefern Sarrazin nur unbequeme Wahrheiten ausspreche. Im Vordergrund dieser Kritik an  Sarrazin steht das „ Ansehen Deutschlands“ und seine Wortwahl. In  seinem Buch warnt Sarrazin vor „Überfremdung“. Sein Hauptangriffsziel bilden hierbei Menschen muslimischen Glaubens. Aber auch Juden und Jüdinnen, sowie den Basken, wird ein besonderes Erbgut zugeschrieben. Nach Sarrazin gibt es begabte und weniger begabte Völker. Diese offen rassistische Schädelvermesserdiskurs wird von Sarrazin mit Erkenntnissen aus der Humangenetik begründet.
Die Seite www.sosilalismus.info schreibt:“Es ist ein weit verbreitetes Phänomen in neuen rechten Bewegungen, dass angeblich integrationsfähige Muslime zur Gefahr für den europäischen Kulturkreis erklärt werden. In die gleiche Kerbe schlug der von national-konservativen Parteien wie der Schweizerischen Volkspartei (SVP) und der Eidgenössische Demokratische Union (EDU) lancierte Volksentscheid gegen den Bau von Minaretten.
Aber auch Parteien wie Pro Deutschland mit ihren ganzen lokalen Ablegern argumentieren ähnlich. Islam und Terrorismus werden weitestgehend gleich gesetzt. Angeblich im Namen unterdrückter muslimischer Frauen, wird Menschen, die aus einem muslimischen Kulturkreis migrieren patriarchales, fremdenfeindliches Denken nachgesagt. Dass es sich hierbei allerdings nicht um eine feministische, um Gleichberechtigung bemühte Haltung handelt, wird schnell deutlich, wenn man sich mit dem konservativen Geschlechterrollenverständnis der Rechten beschäftigt. Außerdem wird eine hohe Fertilitätsrate bei muslimischen Frauen als Teil einer Strategie der „physischen Invasion“ gewertet. Eine kulturelle Islamisierung werde auf diese Weise vorangetrieben.“
Sarrazins Thesen
… Demografisch [S. 137] stellt die enorme Fruchtbarkeit der muslimischen Migranten eine Bedrohung für das kulturelle und zivilisatorische Gleichgewicht im alternden Europa dar. …[S. 138]
Aber seine „Erkenntnisse“ verbreitet Sarrazin nicht nur für das breite Publikum. Im September letzten Jahres war Sarrazin eingeladen bei den Arbeitkreisen Schule und Wirtschaft der Unternehmerverbände Südhessen. Dort verbreitete er unter donnerndem Applaus  rassistische Sprüchen zur „demographischen Situation“ in Deutschland. Nach Sarrazin werde, die deutsche Bevölkerung  auf natürlichem Wege dümmer, da MigrantInnen aus dem Nahen und Mittleren Osten, der Türkei und Afrika weniger Bildung aufweisen würden.“  Weil „ZuwanderInnen außerdem mehr Kinder bekämen und Intelligenz zu 80 Prozent vererbt werde, verdumme die Bevölkerung nach und nach.“Einer bestimmten Bevölkerungsgruppe eine bestimmte Eigenschaft verallgemeinernd zuzuschreiben und diese dann auch noch als vererbbar zu bezeichnen ist klassischer Rassismus, wie er im 19. Jahrhundert entstand. Mit den Argumenten Sarrazins rechtfertigte über Jahrzehnte der Ku Klux Clan die Situation der schwarzen Bevölkerung in den USA.
Oft  werden islamfeindliche Tendenzen in den bürgerlichen Medien jedoch nicht eindeutig als rechts, sondern oft als multikulti-kritisch bewertet. Die Thesen Sarrazin, sind eine spezielle Ausprägung des Rassismus. Der Fokus wird offiziell  auf eine  bestimmte Bevölkerungsgruppe gelegt. Angeblich gehören die Juden nach der „Erbgutforschong von  Sarrazin zu den „ begabten Völkern. .
Auf Sozialismus info ist zu lesen:“Die Pro-Bewegung, wie auch der schwedische Millionär Patrick Brinkmann, der Pro-Berlin aufbaut und die Pro-Bewegung mitfinanziert, distanzieren sich zum Beispiel deutlich vom Antisemitismus. Sie bauen einen Gegensatz zwischen dem christlich-jüdischen Abendland und dem Islam auf. Damit sind sie für viele Menschen nicht sofort als Nazis zu identifizieren.“ Letztendlich landet man aber doch wieder beim Antisemitismus, denn die Kritiker dieser Positionen werden sofort mit der angeblichen „ Macht der Juden“ in Verbindung gebracht.Auf der anderen Seite ist  Sarrazin  bemüht nicht als Pauschalrassist abgestempelt zu werden. Sarrazin betont: „.  dass andere Bevölkerungsgruppen  anders seien. Osteuropäische JüdInnen z.B.würden über einen durchschnittlich 30 Punkte höheren IQ verfügen als Deutsche. Auch VietnamesInnen seien deutlich integrationsbereiter als Menschen aus dem Nahen Osten, der Türkei usw. Sarrazin stellt sich wie andere Rechtspopulisten gegen Multikulti und „falsche Toleranz“.
Hartz IV-EmpfängerInnen wird genau wie andern zugewanderten Bevölkerungsgruppen ein Katalog schlechter Eigenschaften zu gesprochen. Auch an den sozialen Status seien also bestimmte Verhaltensweisen und Charakterzüge schuld.
Zurück zur „Bild Zeitung“

Bild vertrat mal die Meinung: „Dutschke Volksfeind Nr.1“. Kurz darauf wurde auf Dutschke scharf geschossen. Mit Recht forderte die Studentenbewegung in den sechziger Jahren: „ Enteignet Springer“ Diese Losung soll und muss wieder aufgegriffen werden. Es geht der „Bild Zeitung nicht einfach um Meinungsfreiheit sondern um die Freiheit gegen Emigranten, Arbeitslose und Menschen wüst hetzten zu dürfen. Es stellt sich nun aber die Frage, warum trompeten zum gegenwärtigen Zeitpunkt „Bild“ und Sarrazin so ? Tatsache ist ,die Regierung Merkel und ihr abgehalfterter Außenminister Westerwelle, sind in einem absolutem Umfragetief. Der Grund dafür ist, dass die Folgen der ökonomischen Krise rücksichtslos nach Unten abgewälzt wurden. Fast völlig ging im Trubel um Sarrazin das neue Sparpaket der Bundesregierung unter, wonach 80 Milliarden gespart werden. Es trifft besonders Hartz 4 Bezieher, denen das Elterngeld und der Heizkostenzuschuss gestrichen wurde, Die neuen Gesundheitsgesetze werden ab 2011 die abhängig Beschäftigten mit mit Zuzahlungen von bis zu 2% vom Nettoeinkommen für die Krankenkassen belasten. Gleichzeitig wurden Unternehmen steuerlich entlastet und Atomkraftwerke dürfen länger laufen. All dies rechtfertigt „Bild“ mit ihrem Bild vom faulen Arbeitslosen und dem sozial „schmarozenden Emigranten“ was mit dem Erbgut begründet wird. Die Gewerkschaften haben für den 29.September zu einem europaweiten Aktionstag gegen den Sozialabbau aufgerufen. Für den Herbst nach dem 29. September wird in den DGB Gewerkschaften über weitere Maßnahmen diskutiert. Ist es da nicht gut einen Sarrazin zu haben, welcher jeden sozialen Protest verdammt. Immer wenn die soziale Not steigt wird der latent vorhandene Rassismus und die „Blut und Boden“ Theorie aus dem Sack gelassen. Letzteres wird stets mit der „Meinungsfreiheit“ begründet. Hitler pochte Anfang der zwanziger Jahre im letzten Jahrhundert auf das Recht -auf „ Meinungsfreiheit“- als die KPD der SPD den Vorschlag machte, ab jetzt durch gemeinsame Aktionen „ Hitlerveranstaltungen in München zu zerschlagen. Ja hätten sie es damals nur getan und die „ Meinung“ von Hitler unterdrückt. Letzteres ist nur ein Vergleich und keine Gleichsetzung von Hitler und Sarrazin, Dennoch bleibt festzuhalten, die Kampagne der „Bild Zeitung“ will den Rassismus offen implementieren. Ihr geht es auch darum mittels dieser Debatte den sozialen Widerstand gegen die Regierungspolitik zu spalten. Das Thema Integration ist das absolute politische Thema am Ende des Sommerlochs. Statt die gemeinsamen sozialen Interessen durchzufechten soll es rassistische islamfeindliche und antisemitische Ausschreitungen geben. Die Kampagne der „ Bild“ ist gemeingefährlich- Widerstand ist erste Bürgerpflicht.

PS: Der Hofnarr der bürgerlichen Reaktionäre Henriyk M. Broder schrieb über Sarrazin und Friedman auf seiner Homepage: -Friedman ist ein Riesenarschloch- Diese Fäkaliensprache wurde in Bild genüsslich zitiert, nachdem Sarrazin- via Bild, Friedman ein „Arschloch- nannte weil Friedman Sarrazin kritisierte. Herrn Broder ist offensichtlich entgangen welch antisemitische Kampagne im Jahr 2003 Möllemann  gegen Friedman führte. Wenn Bild nun genüsslich in einer Überschrift vom „Arschloch Friedman“ schreibt springt jeder Antisemit vor Freude aus dem Hocker, der zivile und zurückhaltendere Antisemit kann sich nun auf Herrn Broder bezüglich des „Riesenarschlochs“ beziehen. Zeiten sind das.

Max Brym


VON: MAX BRYM






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