Neoliberale SZ-Neidkampagne gegen Yoga und Veganer

12.07.20
DebatteDebatte, Kultur, TopNews 

 

Von Hannes Sies

Auf Seite Eins der Süddeutschen (SZ) finden sich oft die wildesten Hetzartikel, z.B. gegen das Politblog Nachdenkseiten und seinen greisen Gründer Albrecht Müller, der einst Willy Brandt zur Kanzlerschaft verhalf und heute Nestor der politischen und Medienkritik ist.

Doch jetzt prügelt die SZ sogar schon auf Veganer, Yoga- und Meditation-Praktizierende ein, stellt sie gar in eine Ecke mit „Verschwörungstheoretikern“. Warum? Weil diese doch nur ihren Geltungsdrang befriedigen wollen, „besser“ sein wollen als andere. Das sei zwar nur allzumenschlich, aber sie tun es auf für die SZ falsche Weise: Nicht durch Prestige-Konsum, sondern durch Verzicht oder eigene Anstrengung. So etwas ist ganz mies für das SZ-Anzeigengeschäft, das lebt schließlich auch von teuer bezahlten Annoncen für Luxusgüter aller Art, von Immobilien über Autos zu Markenklamotten, Schmuck usw.

Konsmumverzicht ist ein ganz schlechtes Werbeumfeld und leider konnte auch die SZ sich nicht ganz der Achtsamkeits-Welle entziehen. Das hat Luxusgüterhersteller evtl. erbost und sie ihren Werbeetat in andere Medien investieren lassen. Darum, so kann man mutmaßen, beginnt ein gewisser Sebastian Herrmann seinen SZ-Titelseiten-Text nur scheinbar leicht konsumkritisch: „Es existieren unzählige Wege, seinen Mitmenschen Überlegenheit zu demonstrieren. Der offensichtlichste besteht darin, Besitz anzuhäufen: große Häuser, große Autos, Markenkleidung, Schmuck oder anderes Blingbling.“

Blingbling muss man sich erst mal leisten können

„Blingbling“ das klingt nach nutzlosem Tand für billige Prahlerei, Prunk- und Protzsucht. Das wäre für vernünftige Menschen mehr als entbehrlich. Sensible Gemüter könnten sich von derart degoutanter Großmannssucht, die zynisch ihre finanzielle Überlegenheit zur Schau stellt, dafür nutzlos unsere Ressourcen verschwendet und die Umwelt belastet, durchaus angewidert abwenden. Auch angesichts der Tatsache, dass für das „Blingbling“ einer kleinen parasitären Kapitalistenklasse die breite Bevölkerung des unteren Drittels der Einkommenspyramide bis aufs Blut ausgebeutet wird.

Doch wie schwadroniert Herr Herrmann in der SZ weiter? „Wer da aus finanziellen Gründen nicht mithalten kann, wendet sich rasch angeekelt von diesem Statuswettbewerb ab...“ Na, diese rhetorische Figur kennen wir doch schon aus dem Kindergarten. „Du bist ja bloß neidisch!“ kräht der schlecht erzogene Fünfjährige, wenn er sich alle tollen Spielsachen gegrapscht hat und nichts davon abgeben will. Und was wird aus dem kleinen Raffke, wenn er mal groß ist? Vielleicht SZ-Redakteur. Da kann er dann wider die Feinde des Kapitalismus herziehen, wie etwa Herr Herrmann: „Verzicht auf Materielles steht hoch im Kurs, begleitet von Predigten über die geistige Leere des Kapitalismus.“ So ereifert sich Herr Herrmann in seiner Moralpredigt wider den angeblichen Geltungsdrang von Yogis und Veganern und für die geistige Fülle des Prestigekonsums.

Edelfeder Sebastian Herrmann brilliert als Sozialpsychologe

Was liest so einer wohl, um seine billigen Neidkampagnen zu untermauern. Natürlich sozialpsychologische Fachzeitschriften, die Sozialpsychologie war schon immer bekannt für ihre ausufernd banale Forschung zur Bestätigung billigster Vorurteile. Die einzig halbwegs brauchbare Erkenntnis, die dieser erbärmliche Zweig der Psychologie erbracht hat, ist die Binsenweisheit, das Menschen gerne Information ausblenden, die ihren Vorurteilen widerspricht. Das nennt sich hochgestochen „Dissonanztheorie“ und erklärt wohl die Auswahl der Informationen des SZ-Redaktors Herrmann: Er findet einige Studien, die belegen wollen, dass Meditierende, Veganer usw. auf diesem Wege auch „Überlegenheitsgefühle“ suchen.

Die suche man auch, so Herr Herrmann, „wenn man etwa als Aktivist überall Sexismus und Rassismus wittert, wenn man radikalen Veganismus predigt oder sogar bizarren Verschwörungstheorien anhängt.“ Also, so scheint Prediger Herrmann seiner bildungsbürgerlichen SZ-Leserschaft aus seiner Titelseiten-Kanzel zuzurufen: „Bloß nicht Aktivist werden, immer schön Blingbling-konsumieren und vor allem: Keinen Verschwörungstheorien anhängen!“ Wie etwa der „Verschwörungstheorie“, die SZ sei zu einem neoliberalen Anzeigenblättchen für Luxusgüter geworden? Nein, dann müsste man ja allen, die dieses ehedem linksliberale Blatt immer noch abonniert haben, dringend raten dieses Abo schnellstens zu kündigen. Vielleicht liest man es ja eh nur noch aus Statusgründen, wegen der Überlegenheitsgefühle und so, und nicht mehr wegen der brillanten sozialpsychologischen Analysen von hohem ethischen Anspruch, wie jene aus der Edelfeder von Sebastian Herrmann.

 

Sebastian Herrmann: Im geistigen Hamsterrad: Yoga, Meditation und Achtsamkeit besänftigen das Ego? Im Gegenteil: Sie befeuern den eigenen Geltungsdrang, SZ 11./12.Juli Wochenendausgabe, S.1

 

"Die SZ war, lange her, mal eine linksliberale Zeitung. Dann liefen ihr erst die Leser weg, dann die Anzeigenkunden und schließlich alle guten Mitarbeiter. Heute ist sie eine neoliberale Mainstream-Gazette, in der Bilderberg-treue Kalte Krieger wie Stefan Kornelius u.a. für NATO und Aufrüstung trommeln, Putin dämonisieren und ansonsten eine rapide alternde Abonnentenschaft mit gehoben Konsumtipps sowie müder Unterhaltung bedient wird. Gelegentlich hängt sie sich noch an „Recherchenetzwerke“, um Reste ihres zerbröselnden Image mühsam aufrecht zu erhalten."

„Paranormale Logorrhö“: Untypisch vulgäre Entgleisung der SZ gegen die NDS, Hannes Sies 17.9.2019, http://www.scharf-links.de/45.0.html?&tx_ttnews[swords]=sies%20s%C3%BCddeutsche&tx_ttnews[tt_news]=70913&tx_ttnews[backPid]=65&cHash=2e66a40534

 

"Die SZ (Süddt. Zeitung) gilt als „linksliberal“ im Pressespektrum, sie bedient die 10% saturierte Kleinbürger, den Speckgürtel, den die 1% Geldadel zwischen sich und dem Rest als menschlichen Schutzwall durchfüttern. Doch die SZ müht sich täglich, die 10% mit den 1% gemein zu machen, so beim Bericht über 590 deutsche Milliarden in Steueroasen..."

Milliarden-Steuerflucht: 'Süddeutsche' "lügt" Geldadel schön -auf Kosten der Linkspartei, Hannes Sies 24.6.2020, http://www.scharf-links.de/48.0.html?&tx_ttnews[pointer]=1&tx_ttnews[tt_news]=74154&tx_ttnews[backPid]=16&cHash=241b55647b

vgl.

Diffamierung ohne Reue: Die Süddeutsche Zeitung versagt bei der Berichterstattung über den Assange-Prozess, Hannes Sies 28.2.2020, https://www.rubikon.news/artikel/diffamierung-ohne-reue







<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz