Vergebt ihnen nicht, denn sie wissen genau was sie tun!


Bildmontage: HF

22.06.17
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Von Jürgen Heiducoff

Vergebung, Gnade und Versöhnung haben sich tausendfach bewährt um Konflikte zu entschärfen und Situationen zu deeskalieren. Das zeigen Beispiele aus dem alltäglichen Leben der Menschen. 

„Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!“ so Jesus in Lukas 23:34

Die biblische Weisheit ist anwendbar, sie wirkt, sie kann Menschen verändern und unser Leben friedlicher und für viele Menschen lebenswert machen.

Warum ist es so schwer, dieses christliche Motto auf die Gesellschaft insgesamt und ihre Eliten zu übertragen?

In unserem Land sind alle Grundlagen dafür geschaffen, um durch die Anwendung christlicher Regeln den Frieden nachhaltig zu sichern. In unserem Grundgesetz ist das Primat der Politik gegenüber dem Militär festgeschrieben. Zur Zeit haben wir eine christlich orientierte Regierung.

Es sollte möglich sein, die Weichen auf Frieden in der Welt zu stellen.

Fehler werden gemacht. Und sie würden toleriert, wenn sie aus Unkenntnis geschehen, wenn die Politiker nicht wüssten, was sie tun.

ABER SIE WISSEN, WAS SIE TUN!!!

Und eben deshalb wäre Vergebung nicht im Sinne der Bibel.

Politik braucht heute nicht mehr aus dem Bauch gemacht werden. Es gibt ausreichend wissenschaftliche Expertise. Die Wirkungen politischer Entscheidungen sind daher vorausseh- und kalkulierbar.

Und was geschieht in unseren Tagen?

Trotz der Häufung der terroristischen Anschläge in Europa, auch in unserem Land, stehen Bundesregierung und die Mehrheit des Bundestages für die Fortsetzung der Beteiligung an den Kriegen in Syrien und im Irak. Statt die eigenen Luftkriegskomponenten (Tornados und Tankflugzeug) nach Deutschland zurück zu verlegen, werden sie nach Jordanien, näher an die Kriegsgebiete verlegt.

Trotz der Tatsache, dass die Terrormiliz „Islamischer Staat“ mit dem Verlust von Positionen im Nahen Osten und in Afghanistan ihren Kampf mit asymmetrischen Mitteln intensiviert und in die Städte Europas verlagert, soll der militärische Druck auf sie weiter erhöht werden.

Die USA, deren Militär in 16 Kriegsjahren keine nachhaltigen Erfolge in Afghanistan erzielen konnte, haben vor, erneut ihr Truppenkontingent am Hindukusch um mehr als 5000 Mann zu verstärken. Es ist zu befürchten, dass andere NATO – Staaten, sicher auch Deutschland spätestens nach der Bundestagswahl, im Wahn einer nicht nachvollziehbaren Bündnistreue nachziehen werden.

Krisen- und Kriegsgebiete werden mit immer mehr Waffen aus deutschen Kriegsschmieden beliefert.

Kämpfer und Milizen immer nur einer kämpfenden Partei in Bürgerkriegsgebieten werden mit deutschen Waffen und militärischer Ausrüstung versorgt und zu deren effektiver Anwendung durch Bundeswehrsoldaten ausgebildet (Afghanistan, Mali, Irak, Somalia etc.) Militärische Führer werden zur Perfektion des Mordens qualifiziert und beraten.

Die Bundesregierung nimmt aus Rücksicht auf Koalitionspartner nicht an den Verhandlungen der Vereinten Nationen zum Verbot aller Kernwaffen teil.

Sie unternimmt weder etwas gegen die Modernisierung der US - Kernwaffen auf deutschem Boden noch gegen die zentrale Rolle von Ramstein bei der Koordinierung des US - Drohnenkrieges weltweit.

Im Koalitionsrahmen wird Russland systematisch militärisch herausgefordert und bedroht.

Die Bundesregierung betreibt eine Politik der Militarisierung des öffentlichen Lebens und lässt keine Zivilklausel in Lehre und Forschung unserer Universitäten zu.

Sie betreibt die Militarisierung der EU.

Eine neue Phase der Aufrüstung wird eingeleitet, die den Haushalt der Zukunft arg belasten wird.

Und unsere Politiker wissen genau was sie tun.

Sie machen eine Politik im Interesse der Rüstungsmonopole.

Sie kennen die Risiken und nehmen sie in Kauf.

Sie haben keine Vergebung verdient! 

Die Verlierer dieser Politik sind der Bundesregierung bekannt: die Bevölkerung in den Kriegsgebieten, die Soldaten, die Steuerzahler in den kriegführenden Ländern.

Und die Werte der demokratischen Staaten bleiben auf der Strecke!!!

Ebenso ist klar, wer die Gewinner dieses strategielosen Schlachtens sind: die internationalen Rüstungskonzerne.

Jede Eskalation der militärischen Gewalt im Nahen Osten, in Afghanistan oder in anderen Regionen wird neue Flüchtlingsströme erzeugen. Unter ihnen werden erfahrungsgemäß auch traumatisierte und von Hass erfüllte und kompromisslos opferbereite Fanatiker sein. Neben einem Anwachsen der Terrorgefahr in Europa werden die Migrationsprobleme weiter wachsen. Dies kann zu ernsthaften Gefährdung unserer sozialen Stabilität führen. Die Kräfte, die einen nationalen Neuanfang fordern, werden Zulauf erhalten – nicht nur in Deutschland.

Es wird zur Aushöhlung unserer Werte kommen. Menschenrechte und Humanismus werden einer nie dagewesenen Belastungsprobe unterzogen.

Eine Gesellschaft kann nicht in der Heimat Frieden, Freiheit und Humanismus deklarieren und in ihren Kriegs- und Besatzungsgebieten an der Seite verbündeter Streitkräfte agieren, die neben Bomben- und Drohnenterror systematisch die Häuser Verdächtiger durchsuchen, verwüsten und willkürlich Gefangene machen und foltern. Auch deutsche Soldaten gehören zu den Opfern dieses Spagats der Werte und tragen die Schäden in Form posttraumatischer Belastungsstörungen in die Heimat. Sie sind schwer integrierbar.  Auf Dauer wird eben diesen Spagat eine Gesellschaft nicht verkraften können.

Auch die politischen Wendungen einer Bundesregierung, die zunächst von ihren Bürgern die Bereitschaft zur Aufnahme von Kriegsflüchtlingen fordert, so dass sich u.a. in Afghanistan eine regelrechte Abwanderungsindustrie entwickelte und dann die restriktive Abschiebung in ein Kriegsgebiet – sind dauerhaft nicht tragbar.

Die Erhöhung der Ausgaben für Verteidigung und Rüstung, die nicht planbaren Mittel zur

Bewältigung der neu zu erwartenden Zuströme von Kriegsflüchtlingen wird die Haushalte von Bund und Ländern arg belasten. Einsparungen sind unabwendbar, etwa bei Gesundheit, Bildung und Entwicklungshilfe. All dies wird die innen- und außenpolitischen Spannungen bis zum Bersten erhöhen.

Wir gehen einer unsicheren Zukunft entgegen.

Unsere Eliten wissen genau, was sie tun! Sie haben keine Vergebung verdient!

Leider ist das den meisten Bürgern nicht bewusst.

 

Der Autor war fast 20 Jahre Soldat in der NVA der DDR, der einzigen deutschen Armee, die keine Kriege führte. Weitere 20 Jahre diente er der internationalen militärischen Kooperation und  Rüstungskontrolle und war als Soldat der Bundeswehr Beobachter des Tschetschenienkrieges sowie fast drei Jahre in Afghanistan eingesetzt. Im Jahre 2008 wurde er vom Posten des militärpolitischen Beraters des deutschen Botschafters in Kabul abgesetzt, da er mehrfach die westliche Kriegführung in Afghanistan kritisierte.

Er vertritt hier seine persönliche Meinung.







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