Terror, Hass und christliche Nächstenliebe


Bildmontage: HF

28.03.16
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Von Jürgen Heiducoff

Die Ex-EKD-Ratspräsidentin Margot Käßmann hat davor gewarnt, der Bedrohung durch Terroristen mit Gewalt zu begegnen. "Jesus hat eine Herausforderung hinterlassen: Liebet eure Feinde! Betet für die, die euch verfolgen! Er hat sich nicht verführen lassen, auf Gewalt mit Gewalt zu antworten", sagte Käßmann der "Bild am Sonntag".
Sie spricht wahr und wenn sie sagt, man sollte Hass nicht mit Hass entgegnen, dann kann man ihr nur Recht geben. Dies würde den Hass vervielfachen und neue Gewalt, neuen Terror hervorbringen.
Margot Käßmann, von der die Welt schon viele kluge Gedanken erfahren konnte, erweitert die christliche Nächstenliebe auch auf Terroristen. Man könne über das Problem des Terrorismus Herr werden, indem man den Terroristen mit Liebe begegne. Der Herr sei gnädig. Urbi et Orbi.
Die Nächstenliebe funktioniert durchaus im Umgang mit einzelnen Menschen. Mit Liebe kann man einen Menschen positiv beeinflussen. Aber es ist nie ein einzelner, der Terror bringt – ganz gleich ob es der Terror eines Selbstmordattentäters oder der eines Präsidenten oder anderen Inhabers der Befehls- und Kommandogewalt ist. Hinter all denen stehen Hintermänner oder ein moralisch verkommenes System. Ob neokonservativ oder neoliberal genannt – die Strukturen, das System bleibt bestehen, während die Attentäter und Terroristen kommen und gehen. Hier liegt das Grundübel. Und es bringt nichts, diesem Übel mit Liebe zu begegnen oder entgegen treten.
Die alten Strukturen, das System müssten geändert werden. Aber diese sind durch die Gesetzgebung gesichert und jeder, der sich effektiv anschickt, das System zu ändern, gerät mit dem Gesetz in Konflikt und wird kriminalisiert.
Ein Attentäter ist von unendlichem Hass und Verzweiflung bestimmt. Er sieht außer der Gewalt keinen Ausweg aus seiner Situation. Hass und Verzweiflung sind Ergebnisse seines Umganges, der Einwirkung seines sozialen Umfeldes und der Ideologie, der er ausgesetzt war.
Wir sollten vorsichtig mit den Behauptungen von „Einzeltätern“ umgehen. Wenn dieser erfaßt, verurteilt und weggesperrt ist, bleibt das Problem des Terrorismus weiterhin ungelöst.
Es wird uns noch Generationen begleiten.
Daran wird die christliche Nächstenliebe nichts ändern. Leider.







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