Thyssenkrupp - Laschets Angst vor Streiks


20.05.19
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Von Peter Berens

Angesichts der angekündigten Werksschließungen bei Thyssenkrupp-Steel bekommt es NRW-Ministerpräsident Laschet kurz vor der Europawahl mit der Angst vor Aktionen zu tun.

EU-Auflagen zu hoch?

"Das Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel (kann) aufgrund von Bedenken der EU-Kommission nicht zustande kommen. Wir (nehmen) daher eine grundsätzliche Neubewertung unserer Strategie vor. Diese würde auch zur Absage der Teilung des Konzerns führen“, meinte der Vorstand von Thyssenkrupp (TK) in einer Mitteilung an die ArbeiterInnen und Angestellten.

Erinnere mich nicht an mein Geschwätz von gestern!

Vor dem Düsseldorfer Industrie-Club hatte der TK-Vorstandsvorsitzende Kerkhoff kürzlich zur Aufspaltung des Konzerns in Materials und Industrials bei einem NEIN der EU-Kommission anders getönt: „Beide Projekte sind vollkommen unabhängig voneinander und für sich umzusetzen (…) Sollte ein Joint Venture – rein fiktiv – nicht stattfinden, ist das für die Machbarkeit der Teilung kein Problem“ (WAZ 28.02.19).

Aktien-Absturz entscheidet

Die Fusion von Thyssenkrupp-Steel mit Tata-Steel ist nicht an der EU-Kommission gescheitert, sondern am Absturz der Thyssenkrupp-Aktie. Die Kapitalisten verzeihen niemals, wenn sich der Börsenwert halbiert. Das könnte der gescheiterte Vorstands-Vorsitzende bald zu spüren bekommen.           

Burkhard besteht auf betriebsbedingten Kündigungen

Auf die Schnelle wurde lt. TK-Personal-Vorstand Oliver Burkhard mit IG Metall und Betriebsräten vereinbart: "Betriebsbedingte Kündigungen wollen wir vermeiden, sind aber in Ausnahmen (ultima ratio) möglich" (RP 12.05.19). "Ultima ratio" heißt lt. Duden: "letztes geeignetes Mittel". Damit sieht der ehemalige IGM-Bezirksleiter NRW Entlassungen als ein geeignetes Mittel an. Burkhard ist nicht unser Mann im Vorstand, sondern der Vertreter des Kapitals in der IG Metall. 

Hausaufgaben nicht gemacht

Nicht die IG Metall-Aufsichtsräte und IGM-Betriebsräte hatten die Kosten der Fusion kritisch hinterfragt. Das tat die neue Sprecherin des Aufsichtsrates Frau Merz (Deutschlandfunk 12.05.19). Fusion und Aufspaltung sollten 500 Mio. Euro Einsparungen bringen, hätten aber eine Mrd. Euro gekostet (WZ 09.05.19). Und das ist den IGM-Aufsichtsräten nicht vorher aufgefallen?

Alles abgenickt

Fusion oder keine Fusion? Aufspaltung oder keine Aufspaltung? 4000 oder 6000 Arbeitsplätze vernichten? Börsengang Elevator? Die IGM-Aufsichtsratsspitze nickt alles ab, was vom Management, der Kruppstiftung und Haifisch Cevian kommt. Werksschließungen? Möglich! Betriebsbedingte Kündigungen? Letztes geeignetes Mittel!

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bei Thyssenkrupp, Grolms (IG Metall), hat den Plänen Kerkhoffs bereits zugestimmt. Grolms sieht den „Umbau“ d.h. die Vernichtung von 6000 Arbeitsplätzen als „unvermeidbar“ an: "Das wird ein schwerer, aber leider notwendiger Weg für das Unternehmen und die Beschäftigten". Nur nicht für Grolms. "Die Arbeitnehmer sind bereit, dafür Schmerzen zu ertragen" (MM 12.05.19). Nur nicht Grolms. Ihn treffen Arbeitsplatzverlust und Werksschließungen nicht.

Laschet spricht von Werksschließungen

So kurz vor der Europawahl musste NRW-Ministerpräsident Laschet den besorgten Landesvater spielen. Er informierte sich am 10.06.19 bei Kerkhoff und Grolms. Laschets Ergebnis: „Woanders marschieren Gelbwesten auf, um das zu eskalieren. Hier in Deutschland sitzen sie zusammen und erklären dem Ministerpräsidenten ihre Pläne und sagen: ,Das wird auch Arbeitsplatzverlust bedeuten, das wird möglicherweise auch Werksschließungen bedeuten’“ (RP 12.10.19). Laschet ist über beabsichtigte Werksschließungen informiert worden. Davor und vor der Vernichtung von 6000 Arbeitsplätzen hat er keine Angst!

Früher hätten die Stahlkocher von Thyssenkrupp-Steel bei der bloßen Ankündigung von Werkschließungen und dem Abbau von 6000 Arbeitsplätzen spontan die Arbeit niedergelegt. Es wird Zeit, dass es Laschet wirklich mit der Angst zu tun bekommt.

20.05.2019

Was tun bei TKS über www.riruhr.org







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