Lasst uns zornig werden!


Bildmontage: HF

06.09.11
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Kommentar zum Text von Holdger Platta

von Andre Zierke

So treffend und wichtig die „Sieben Thesen zur Stille im Land“ auch sind, es drängt sich der Verdacht auf, wie in vielen Texten über das Verhalten der Betroffenen, das Platta auch nicht viel zu bieten hat, als das was wir schon wissen.

Die Unfähigkeit nur einen einzigen kritischen Gedanken zu äußern, sowohl von Arbeitslosen, wie auch von arbeitenden Menschen, wenn´s um´s Thema Hartz-IV oder Gesellschaftskritik geht, hört man an jeder Straßenecke.

Jeder ist froh, wenn er dem staatlichen Demütigungsapparat entfliehen kann. Da ich mich auch in diesem Umfeld bewegen muss, kenne ich die jämmerlichen Argumente und Ausflüchte nur zu genau.

Es hat seine guten historischen Gründe, warum die Menschen sich von linken und konservativen Heilversprechen entfernen oder einfach mitlaufend das Maul halten. Sich in die Privatsphäre zurückziehen und die abnehmende Wahlbeteiligungen, sprechen eine klare Sprache. Eine millionenfache Vereinzelung, dort, wo jeder nur für sich und nicht selten gegen die eigene Gruppe handelt, kann keine Solidarität entstehen.
 
Es fehlt eine neue weltumspannende Staatstheorie, auf 'marxscher' Grundlage, welche alle Menschen berücksichtigt und nicht nur die abhängigen, wie in der alte kommunistischen Idee. Man übernehme die Produktionsstätten und schon hat der Arbeiter die Macht. Blutiger Schnee von gestern. ALLE Menschen werden vom Schweinekapitalismus psychisch und physisch entfremdet, gedemütigt und zum Werkzeug eines geldmachenden Automatismus, gezwungen.

Jeder Gesellschaftsschicht, jeder Gruppe, wird auf einem anderen Niveau entstellt. Wenn aber der Mensch entfremdet ist, und dazu wird er erzogen, sich also selber fremd ist, kann er nicht als ein solidarisch mitfühlendes Wesen empfinden. Weg von der Gemeinschaft, hin zum Konsumindividuum ist ein katastrophaler Irrweg. Hier sind kritisch engagierte Soziologen und Psychologen gefragt.

Nur eine Systemtheorie, die den Menschen und nicht das Geld im Mittelpunkt des Lebens stellt, diese von den Intellektuellen erarbeitet wird und den Menschen in verständlicher Form angeboten wird, können wir einen erster Schritt nach vorne tun.

Was beim Text von Platta fehlt sind die konstruktiven Vorschläge, nicht der X-tausendste Text zur Beobachtung und Beschreibung der leidenden Bevölkerung, sondern ein sich mit einbringen wäre hier angebracht. G. Wallraff ist ein erfolgreiches Beispiel oder mutige Menschen, die Demos organisieren. Die Ostdeutschen haben schließlich auch eine Regierung aus ihren Ämtern vertrieben.

Der letzte Absatz, „..., weil weit und breit kein sicherer Grund existiert für die Geräusche des Aufstands.“, enthüllt die persönliche Wahrnehmung des Autors Platta. Es gibt, werter Herr Platta Millionen Gründe, „...für die Geräusche des Aufstands“, Sie müssen nur allein an die millionenfach verarmten Menschen in Deutschland Denken. Augen aufmachen. Das seelisch und körperliche Elend lässt sich auf den Straßen, vor den Jobcentern und in den Sozialämtern genauestens beobachten. A priori, am Schreibtisch, sind alle Wahrheiten stilistisch und korrekt, aber blutleer, also ohne Leben, ähnlich einer Phrasologie zur Gerechtigkeits- und Demokratiedebatte der Polit-und Wirtschaftseliten.

Und warum ist nicht nur Herr Platta sooo traurig, „So traurig ist das und so wahr“, anstatt wütend, verfluchte Scheisse!
Traurigkeit macht ruhig und demütig. Wut macht laut und aktiv.
Es gibt überhaupt keinen Grund traurig zu sein.
Empörend. Abstoßend. Unter aller Sau sind diese Zustände.
Die eigene Psychologie überprüfen.
Lasst uns Zornig werden!



VON: ANDRE ZIERKE


War einmal ein Revoluzzer - 08-09-11 21:22




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