Deutschland und der Krieg


Bildmontage: HF

01.09.13
DebatteDebatte, Internationales 

 

von Oswin Haas

Kurze Anmerkungen zu der Forderung, Deutschland solle sich an einem Kriegseinsatz in Syrien beteiligen.

Es wird in diesen kriegsschwangeren Tagen (… man fühlt sich unversehens an die Spätsommer von 1914 oder 1939 erinnert …) in vielen Artikeln der "freien" Presse, aber auch in immer gleich lautenden Stellungnahmen bestimmter Politiker im In- und Ausland verlangt, dass der Krieg als Fortsetzung der Politik mit "anderen Mitteln" endgültig wieder zum normalen Fundus deutscher "Außenpolitik" gehören sollte. Dazu muss man folgendes anmerken:

1. Um welche "anderen" Mittel handelt es sich dabei? Um Massentötung und Verwüstung, kurz tiefste Unmenschlichkeit. Nun ist der offizielle Inhalt der Politik, die nun kriegerisch vollendet werden soll, die Durchsetzung elementarer Menschenrechte. Mit Unmenschlichkeit soll Menschenrecht erzwungen werden? Das widerspricht jeder Logik.

2. Wenn es nicht das Menschenrecht, sondern plump die "eigenen" Interessen sind, die mit dieser Unmenschlichkeit gewahrt oder gefördert werden sollen (… und dies entspricht ja wohl der Realität ...), was wäre DAS dann? Ein Beispiel hilft, diese Frage zu beantworten: Wenn es im Privatleben zu meinen "Interessen" gehört, den Wasserbrunnen meines Nachbarn zu besitzen und ich ihn deshalb umbrächte, hieße man das "Mord aus NIEDEREN BEWEGGRÜNDEN".

3. Sind "unsere Interessen" es wert, dafür zu morden und zu meucheln? "Unsere Interessen" sind hauptsächlich der Erhalt des Wachstums, sprich: Erhöhung unseres VORSPRUNGS an Reichtum, Profit und Bequemlichkeit gegenüber anderen Völkern. DAFÜR darf doch nicht gemordet werden! Die weit bessere Lösungsalternative: Wenn alle Völker die gegebenen Ressourcen an Nahrung und Bodenschätzen teilen und sie kooperierend nutzen, sind die wahren Interessen ALLER Völker gewahrt und jeder Grund für "Interessenskriege" ist aufgehoben.

4. Nach dem 1. Weltkrieg hieß es in Deutschland: Nie wieder Krieg. Es dauerte keine 20 Jahre bis die deutsche Kriegsmaschine "zur Verteidigung der ureigensten deutschen Interessen" wieder angeworfen wurde. Nach dem 2. Weltkrieg, der noch viel schlimmer war als der erste, hieß es wieder: Nie wieder Krieg. Nur 8 Jahre später wurde wieder eine deutsche Armee "zur Verteidigung der deutschen Interessen" aufgestellt. Doch das Volk hat die Lektionen aus den schrecklichen Kriegen des 20. Jahrhunderts besser gelernt als die Kaste ihrer politischen "Vertreter". Sollten wir nicht stolz sein, dass unser Volk anscheinend eine sehr gesunde Aversion gegen den Krieg entwickelt hat? War das nicht das Ziel der Sieger von 1945? Sollt der deutsche Militarismus nicht endgültig entwurzelt werden? Allerdings hätten die Alliierten sehen müssen, dass ihre eigenen Handlungsgrundlagen, genauso auf Raub und Gewalt beruhten und entwurzelt werden müssten.

5. Krieg ist aus rein logischen Gründen kein Mittel zur Konfliktlösung. Der Krieg löst nicht einen Konflikt, sondern er stellt nur fest, wer der "Stärkere" ist. Der "Stärkere" ist aber nicht automatisch derjenige, der Wahrheit, Recht und Menschlichkeit auf seiner Seite hat. Nach strenger Logik ist Krieg als Konfliktlösung einzig möglich (z.B.) zwischen Räuberbanden. Denn den Banditen geht es nicht um Wahrheit oder Menschenrecht. Die alleinige Grundlage räuberischen Handelns ist Gewalt und Stärke, sodass IHRE Konflikte sich nur auf diese Parameter beziehen können und Krieg das passende Mittel dazu ist.

Ist die Menschheit nicht schon lange reif, sich anders zu organisieren als ein Haufen Räuberbanden?


VON: OSWIN HAAS






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