Apokalypse-Blindheit: Ammoniumnitrat, Klimawandel, Artensterben, Antibiotikaresistenz, Aufrüstung, Atomwaffen

24.08.20
DebatteDebatte, Ökologiedebatte, Umwelt, Baden-Württemberg, TopNews 

 

Von Axel Mayer,  Mitwelt Stiftung Oberrhein

Günther Anders (12. Juli 1902 - 17. Dezember 1992) war Philosoph, Essayist und Geschichtenerzähler, Moralist, Pazifist und Aktivist.
Die größte Gefahr für die Zukunft des Planeten sah er nicht in der Atombombe, sondern in der „Apokalypse-Blindheit“ der Menschen, in ihrer Unfähigkeit also, sich die schlimmen Folgen ihres Handelns vorzustellen. Die größte Gefahr für die Zukunft des Planeten sah er nicht in den Atomwaffen, sondern in der „Apokalypse-Blindheit“ der Menschen und im unkritischen Glauben an den technischen Fortschritt.
Wer sich heute, abseits der großen Illusionsmaschine, der Realität stellt, der sieht Günther Anders bestätigt Daraus erwächst die Notwenigkeit sich gegen die Verdrängung, organisierte Gier und Zerstörung zu wenden...

Die unbewachte Lagerung von 2750 Tonnen Ammoniumnitrat im Hafen von Beirut, die im August 2020 zu einer verheerenden Explosion führte, ist auch das Ergebnis von Apokalypse-Blindheit und viele Menschen in Deutschland denken, so etwas wäre bei uns nicht möglich. Und doch sind wir, unsere Politik, aber auch Teile unserer Medienberichterstattung von ähnlichen Verdrängungsmechanismen geprägt.

  • Seit Jahrzehnten warnen Wissenschaft und Umweltbewegung vor den Folgen des Klimawandels, doch Politik und Wirtschaft reagieren viel zu spät und zu zögerlich.
  • Ähnliches gilt für den verheerenden Einsatz von überlebensnotwendigen Ersatz-Antibiotika in der Massentierhaltung. Die auch dadurch ausgelösten Antibiotikaresistenzen sind nach Ansicht vieler Experten zukünftig die weltweite Todesursache Nummer eins.
  • Nach und nach erfahren wir, dass wir in den letzten Jahrzehnten häufig nur durch glückliche Zufälle an einem "versehentlich ausgelösten" Atomkrieg vorbeigeschrammt sind. Dennoch sind wir einer jederzeit möglichen "Vermondung der Erde" durch Atomwaffen immer noch ausgeliefert und verdrängen die Lagerung von amerikanischen Atomwaffen in Deutschland.
  • Wenn "sonnenarme" Länder wie Saudi-Arabien, Jordanien, Türkei, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate teure AKW bauen, wird öffentlich Beifall geklatscht. Doch bei diesem AKW-Neubau geht es in erster Linie nicht um Energie oder Klimaschutz, denn Strom aus Wind und Sonne ist schon lange günstiger als Strom aus neuen Atomkraftwerken. Es geht um Atomwaffen und um einen "nordkoreanischen Machtzuwachs" im Pulverfass Naher Osten.
  • Die Gefahr der globalen Artenausrottung wurde schon 1962 von der Biologin Rachel Carson in ihrem Buch "Der stumme Frühling" (englischer Titel: Silent Spring) aufgezeigt. Das Artensterben hat sich seit damals massiv beschleunigt. Bis zu eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht.
  • Wachstum ist die neue Weltreligion, aber bei einem anhaltenden Wachstum von 3 % verdoppelt sich das Bruttonationaleinkommen alle 23 Jahre, bei 5 % sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge, die exponentiell wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit. Schlichtes Zinseszins-Rechnen zeigt, dass unbegrenztes Wachstum begrenzte Systeme zerstört. Bei einem solchen System stellt sich nicht die Frage ob es crasht, sondern nur die Frage nach dem Wann.

Zu den größten Problemen der Menschheit zählen die Verdrängung und die Unfähigkeit aus Kriegen und menschengemachten Katastrophen zu lernen.

Dennoch gibt es gegen den Trend der Zerstörung einige wenige Zeichen der Hoffnung. Mit Impfprogrammen konnten die Pocken ausgerottet werden. Das DDT-Verbot hat nicht nur die Greifvögel gerettet und das FCKW-Verbot die Ozonschicht geschützt. Die Entschwefelung der Kraftwerke half gegen den sauren Regen und der Katalysator gegen Stickoxide. Klügere Politiker und Politikerinnen haben eine Zeit lang das Wettrüsten beendet und die Zahl der Atomwaffen reduziert und auch Fridays for Future sind ein Zeichen der Hoffnung.
Vernunft, Nachhaltigkeit, Abrüstung, Gerechtigkeit und die Überwindung der Apokalypse-Blindheit sind unsere Aufgaben.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Hier ein kleines Stück Hoffnung:
Erfolge & Niederlagen: Mensch, Natur & Umwelt

 

 







<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz