Assange-Schauprozess: Unrechtsjustiz leugnet Psycho-Folter, John Young (Cryptome), Chris Butler (blog.archive)

28.09.20
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Von Hannes Sies

In der letzten Prozesswoche versuchte der US-Ankläger offenbar die Beweisaufnahme zum Gesundheitszustand des Angeklagten zu manipulieren: Er und die Richterin Baraitser leugneten wider besseres Wissen, dass in der Zelle eine Rasierklinge gefunden wurde, ein Beleg für mögliche Suizidabsichten von Julian Assange. Sein psychischer Zustand könnte einer Auslieferung, die man offenbar unbedingt durchsetzen will, entgegenstehen.

So berichtete es der Assange-Unterstützer und Ex-Botschafter Craig Murray, der es wider alle Hindernisse schaffte, durchgehend als Beobachter des Prozesses anwesend zu sein (und gegen den die Britische Justiz inzwischen ebenfalls vorgeht, weshalb er dringen Geld für Anwaltskosten braucht). Auch die offensichtliche Tatsache, dass es sich um einen politischen Prozess handelt, der dem US-Kritiker Assange in den USA gemacht werden soll, wird vom Gericht abgeleugnet, trotz zahlreicher von der Verteidigung dafür geladenen Zeugen (wir berichteten).

John Young (Cryptome) und Chris Butler (Webarchive) pro Assange

Letzte Woche trat echte Internet-Prominenz in London auf: John Young, der legendäre Gründer der Wikileaks-Vorläufer-Plattform Cryptome (die viel Whistleblower-Enthüllungen ans Licht brachte, aber von den Medien kaum genannt wurde, selbst wenn diese in seltenen Fällen einige der Skandale „aufdeckten“ -als eigenes „Recherche“-Ergebnis präsentiert). Und Chris Butler vom legendären Internet Archiv, das sich das Ziel gesetzt hat, mit seiner Wayback-Machine jede einmal im Internet aufgetauchte Information weiterhin zugänglich zu halten.

John Young sagte aus, dass Cryptome die nicht redigierten geheimen US-Botschafts-Depeschen am 1.September 2011 online stellte, bevor Wikileaks sie veröffentlichte (darauf basiert hauptsächlich die Beschuldigung der US-Anklage gegen Julian Assange, er hätte „Geheimnisverrat“ begangen). Cryptome hat seinen Sitz in den USA, wurde jedoch nie von den Strafverfolgungsbehörden belangt -offenbar verlässt man sich auf deren geringe mediale Wirksamkeit. Auch Chris Butler hat die „Geheimnisse“ in seinem Internet Archiv blog.archive.org mit seiner Wayback-Machin weiterhin verfügbar, ohne mit Strafverfolgung bedroht worden zu sein. Auch damit fällt die US-Anklage wieder einmal wie ein Kartenhaus zusammen: Was bereits auf öffentlichen Plattformen steht kann nicht Inhalt eines „Geheimnisverrats“sein. Nicht, dass es dieses Gericht interessieren würde.

Lawfare-Unrechtsjustiz, mediale Rufmord-Kampagne, geheimdienstliche Hexenjagd

Lawfare nennt man den Missbrauch von Schein-Justiz zur Verfolgung krimineller politischer Ziele. Kurzer Rückblick - So lief der Prozess an: Der in den USA Angeklagte Julian Assange wurde unter Koordinierung durch den Chef der US-Geheimdienste Richard Grenell von der Britischen Polizei aus seinem Asyl in der Botschaft Ecuadors verschleppt (was nicht nach einem regulären Justizverfahren eines souveränen Staates aussieht). Er wurde dann im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh, das schweren Gewaltverbrechern und Terroristen vorbehalten ist, in Isolationshaft gehalten (was allgemein als psychologische Foltermethode betrachtet wird). Er konnte sich sechs Monate lang nicht mit seinen Anwälten beraten, er hatte keinen Zugang zu den Gerichtsakten und konnte die erweiterte Anklageschrift der US-Justiz erst kurz vor dem ersten Verhandlungstag einsehen (was als gerichtliche Schikane gelten muss, die seine Rechte gravierend missachtete). "Julian wird jeden Tag um 5 Uhr morgens geweckt, mit Handschellen gefesselt, in eine Arrestzelle gesteckt, nackt ausgezogen und geröntgt", schrieb Assanges Verlobte und Mutter seiner beiden kleinen Kinder, die Menschenrechts-Anwältin Stella Morris, auf Twitter.

Diese Behandlung erreicht noch nicht ganz die Folterhaftbedingungen, denen die Wikileaks-Whistleblowerin Chelsea Manning in US-Militärgefängnissen unterworfen wurde, erinnert aber bereits stark daran. Während der Verhandlungen wird Julian Assange in einem Panzerglaskäfig hinten im Gerichtssaal eingesperrt, sodass er seine Anwälte nicht konsultieren und dem Prozess, der ihm gemacht wird, nur eingeschränkt folgen könne (was bei Verfahren in Moskau von westlichen Kritikern als Merkmal von Unrechtsjustiz gewertet wurde). Die Verfolgung des Wikileaks-Gründers begann mit einem fingierten „Vergewaltigungsverdacht“ durch die schwedische Justiz, die auf manipulierten ZeuginnenAussagen und gefälschten Beweisen basiert. Damit wurde hinterhältig ein Interpol-Haftbefehl erschlichen und zeitgleich eine globale Rufmord-Kampagne gestartet (unter Brechung schwedischen Rechts). Wie sich durch Nachforschungen des UNO-Menschenrechtsexperten Prof.Nils Melzer 2019 herausstellte, steckten vermutlich britische oder US-Behörden hinter der Manipulation des schwedischen Justizverfahrens gegen Assange.

Die stigmatisierende Beschuldigung „Vergewaltigung“ war zu keinem Zeitpunkt durch irgendwelche Aussagen oder Beweise gerechtfertigt und diente offensichtlich alleine der Diffamierung von Julian Assange. Es gibt wohl keinen Menschen in der Geschichte der Medien, dessen Name medial öfter mit dieser Beschuldigung verknüpft wurde -und alles war nachweislich eine Hate-Speech-Fake-News-Kampagne, die einen kritischen Enthüllungsjournalisten zum Schweigen bringen sollte. Die westlichen Mainstream-Medien haben ihre zehn Jahre währenden Verleumdungen im Rahmen ihrer Rufmord-Kampagne trotz deren Widerlegung durch Prof.Melzer bis heute nicht deutlich korrigiert. Ihre schmierige „Held oder Verräter“-Berichterstattung zu Julian Assange will offenbar das Bild des „kriminellen Hackers unter Vergewaltigungsverdacht“ weiter aufrecht erhalten, das sie ihren Zuschauern ein Jahrzehnt lang wahrheitswidrig eingepflanzt haben -zum Lob des ach so friedlichen Nato-Westens. Nun geht die fanatische Hexenjagd weiter vor dem Gericht in Belmarsh, London.

 

Ihr Mann in der Public Gallery:

Assange Hearing Day 17 195, 25.September 2020

Während der Anhörung medizinischer Beweise in den letzten drei Tagen wurde die britische Regierung zweimal direkt erwischt, als sie wichtige Lügen über Ereignisse im Belmarsh-Gefängnis erzählte, die jeweils durch dokumentarische Beweise belegt wurden. Der gemeinsame Faktor waren die medizinischen Unterlagen, die von Dr. Daly, dem Leiter des medizinischen Dienstes des Gefängnisses, geführt wurden. Es gab auch, um es auf den Punkt zu bringen, eine offensichtliche Falschdarstellung von Dr. Daly. Persönlich bin ich vorsichtig mit der Art von Person, die Ross Kemp beeindruckt.

Dies ist die Beschreibung von Herrn Kemp für den medizinischen Flügel in Belmarsh: "Die Sicherheit ist hier auf einer anderen Ebene mit sechsmal mehr Personal pro Insasse als im Rest des Gefängnisses." Während seiner Zeit im medizinischen Bereich oder im „Gesundheitswesen“ war Julian Assange in Einzelhaft, und drei Psychiater und ein Arzt mit umfassender Erfahrung in der Behandlung von Traumata haben vor Gericht ausgesagt, dass sich Assanges geistiger und körperlicher Zustand während des „Gesundheitswesens“ verschlechtert hat. Für mehrere Monate. Sie sagten auch, er habe sich verbessert, nachdem er das Gesundheitswesen verlassen habe. Das sagt etwas Tiefgreifendes über die „Gesundheitsversorgung“ aus. Dieselben Ärzte sagten aus, dass Assange eine schlechte Beziehung zu Dr. Daly hat und ihr seine Symptome oder Gefühle nicht anvertrauen wird, und dies wurde auch vom Verteidigungsrat behauptet.

Das ist alles ein wesentlicher Hintergrund für die Lügen. Nun lass mich zu den Lügen kommen. Leider muss ich dazu Details über Julians Gesundheitszustand preisgeben, die ich zurückgehalten hatte, aber ich denke, die Situation ist so ernst, dass ich das jetzt tun muss. Ich habe nicht berichtet, dass Professor Michael Kopelman Beweise dafür vorgelegt hat, dass Julian Assange unter anderem eine Rasierklinge in seiner gefalteten Unterwäsche versteckt hat, aber dies wurde bei einer Durchsuchung seiner Zelle entdeckt. Wie ich berichtete, wurde Kopelman von James Lewis einem äußerst aggressiven Kreuzverhör unterzogen, das sich am Morgen auf die Vorstellung konzentriert hatte, dass Julian Assanges Geisteskrankheit einfach nur schlecht war und dass Kopelman dies nicht erkannt hatte. Die Rasierklinge war ein Schlüsselfaktor für Lewis 'Stirnrunzeln gegen Kopelman und er griff ihn immer wieder an.

Lewis erklärte, Kopelman habe sich bei seiner Diagnose auf die Geschichte der Rasierklingen „verlassen“. Er fuhr dann fort, es als eine Fantasie darzustellen, die von Assange erfunden wurde, um sein Fehlverhalten zu unterstützen. Lewis fragte Kopelman wiederholt, warum die Geschichte, wenn sie wahr sei, nicht in Dr. Daly's klinischen Notizen enthalten sei. Wenn ein Gefangener, von dem bekannt ist, dass er depressiv ist, eine Rasierklinge in seiner Zelle gefunden hätte, wäre dies sicherlich in den Krankenakten des Gefängnisses vermerkt? Warum hatte Prof. Kopelman in seinem Bericht nicht bemerkt, dass es in Dr. Daly's Krankenakten keine Beweise für die Rasierklinge gab? Versteckte er diese Informationen? War es nicht sehr seltsam, dass dieser Vorfall nicht in den medizinischen Notizen stand? (…)

Ankläger Lewis lud Kopelman ein, seine Diagnose zu ändern. Er fragte ihn mehr als einmal, ob seine Diagnose anders wäre, wenn es keine Rasierklinge gäbe und es eine Erfindung von Assange wäre. Kopelman war von diesem Angriff offensichtlich irritiert. Er stimmte zu, dass es "in der Tat sehr seltsam" war, dass es in den medizinischen Notizen nicht erwähnt wurde, wenn es wahr war. Der einfache Angriff, den er naiv für eine offensichtliche Lüge gehalten hatte, beunruhigte Kopelman. Nur dass es Lewis war, der nicht die Wahrheit sagte. Es gab wirklich eine versteckte Rasierklinge, und was Assange Kopelman erzählt hatte und was Kopelman geglaubt hatte, stimmte in jedem einzelnen Detail. In einer Szene wie aus einem TV-Drama hatte es die Verteidigung während Kopelmans Aussage geschafft, das Anklageblatt aus dem Belmarsh-Gefängnis zu erhalten - Assange war wegen der Straftat der Rasierklinge angeklagt worden. Das Dokument ist auf den 7.Mai 2019, 09.00 Uhr datiert und lautet wie folgt:

Gouverneur, Am 05.05.19 um ca. 15.30 Uhr führten ich und Officer Carroll eine routinemäßige Matrixsuche in 2-1-37 durch, die ausschließlich von Herrn Assange A9379AY besetzt war. Er wurde gefragt, bevor wir mit der Suche begannen, ob ihm alles in der Zelle gehörte, worauf er antwortete: „Meines Wissens ja“. Während dieser Suche hob ich ein Paar seiner persönlichen Unterwäsche hoch, während ich den Schrank durchsuchte. Als ich sie anhob, hörte ich einen Metallgegenstand in den Schrank fallen. Als ich nachforschte, was es war, sah ich eine halbe Rasierklinge, die in seiner persönlichen Unterwäsche versteckt war. Dies war nun in die Beweismitteltasche Nummer M0001094 gelegt worden. Damit ist mein Bericht abgeschlossen. Signed Officer Locke

(Foto des Originaldokuments)

Als Edward Fitzgerald QC am Dienstag dieses Anklageblatt vor Gericht vorlegte, schien es für die Staatsanwaltschaft keine Neuigkeit zu sein. James Lewis QC geriet in Panik. Eher zu schnell sprang Lewis auf und bat den Richter, dass zu beachten sei, dass er nie gesagt habe, dass es keine Rasierklinge gebe. Fitzgerald antwortete, dass dies nicht der Eindruck war, der vermittelt worden war. Aus dem Zeugenstand und unter Eid stellte Kopelman fest, dass dies auch nicht der Eindruck war, den er erhalten hatte. Und es war mit Sicherheit nicht der Eindruck, den ich in der öffentlichen Galerie hatte. Mit der wiederholten Behauptung, dass die Rasierklinge, wenn sie denn existiert hätte, in den medizinischen Notizen erwähnt worden wäre, hatte Lewis den Zeugen zumindest in einer materiellen Tatsachenfrage in die Irre geführt, die seine Beweise tatsächlich beeinflusst hatte. Und Lewis hatte dies genau getan, um die Beweise zu beeinflussen.

In Panik trieb Lewis sein Spiel noch weiter, indem er die verzweifelte Behauptung aufstellte, die Anklage (wegen des Versteckens einer Rasierklinge, HS) gegen Herrn Assange sei vom Gouverneur abgewiesen worden. Die Staatsanwaltschaft wusste also definitiv mehr über die Ereignisse rund um die Rasierklinge als die Verteidigung. Richterin Baraitser, die sich bewusst war, dass es sich um eine schwere Bruchlandung (der Anklage, HS) handelte, griff nach demselben Strohhalm, an dem Ankläger Lewis sich verzweifelt festhielt, und behauptete, wenn die Anklage abgewiesen worden wäre, gäbe es keinen Beweis dafür, dass die Rasierklinge existiere. Fitzgerald wies darauf hin, dass dies absurd sei, denn die Anklage wurde hätte aus vielen Gründen abgewiesen werden können. Die Existenz der Klinge wäre nicht zu bezweifeln. Julian Assange hatte sie bestätigt und zwei Gefängniswärter hatten sie bestätigt. Baraitser behauptete, dass sie ihre Sicht der Dinge nur auf die Entscheidung des Gouverneurs des Gefängnisses (Gefängnisdirektors, HS) stützen könne.

Wie auch immer Baraitser versuchen mag, es zu verbergen, US-Ankläger Lewis griff Prof. Kopelman wegen der Existenz der Klinge an. Und Lewis zeigte danach das Verhalten eines Mannes, der die ganze Zeit genau wusste, dass es überzeugende Beweise dafür gab, dass die Klinge existierte. Dass Baraitser versuchte, sowohl Lewis als auch die Staatsanwaltschaft zu schützen, indem er vorgibt, dass die Klinge existiert, hängt vom Ergebnis der nachfolgenden Anklage ab, wenn alle drei Personen in der Zelle zum Zeitpunkt der Suche ihrer Existenz zugestimmt haben, einschließlich Assange vielleicht Baraitsers bisher bemerkenswertester Missbrauch von Gerichtsverfahren. (…) siehe den weiteren umfangreichen Originalbericht von Murray

Letzter Absatz: Am Ende des Verfahrens (der letzten Woche, HS) am Donnerstag wurden zwei Zeugenaussagen sehr schnell zu Protokoll genommen. Dies war eigentlich sehr wichtig, blieb aber fast unbemerkt. John Young von cryptome.org gab Hinweise darauf, dass Cryptome die nicht redigierten geheimen US-Botschafts-Depeschen am 1.September 2011 online gestellt hatte, entscheidend: Am Tag bevor Wikileaks sie veröffentlichte. Cryptome hat seinen Sitz in den USA, wurde jedoch nie von den Strafverfolgungsbehörden wegen dieser nicht redigierten Kabel angesprochen oder gebeten, sie zu entfernen. Die Kabel blieben auf Cryptome online. In ähnlicher Weise gab Chris Butler, Manager für das Internet Archiv, Hinweise darauf, dass nicht redigierte Kabel und andere klassifizierte Dokumente mit seiner Wayback-Machin weiterhin verfügbar sind. Sie waren nie aufgefordert worden, sie zu löschen, noch wurden sie mit Strafverfolgung bedroht.

http://blog.archive.org/author/butler/

https://cryptome.org/

2020-176.pdf   John Young Cryptome Statement for Assange Extradition Hearing, September 24, 2020

https://www.craigmurray.org.uk/







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