Wenn Gier die Erde frisst (4)


Bildmontage: HF

04.06.20
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Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

Kinder lernen schon in der Schule, dass Sklaverei längst abgeschafft ist, und dann dieser Skandal mit den Arbeitsbedingungen europäischer Mitbürger in unserer ach so hochgelobten Industrie. Verborgen hinter beschönigenden Wortarabesken wie Leiharbeit und Werkverträge spielen sich seit Jahren Schicksale ab, die unserer Gesellschaft schlichtweg unwürdig sind, von Menschenrechten ganz zu schweigen.

Der zuständige Bundesminister legte eilfertig dem sog. Corona-Kabinett Pläne für die Fleischindustrie vor, die trotz Bedenken einiger Unionspolitiker angenommen worden sind. Ab nächstem Jahr sollen Werkverträge verboten sein, mit denen Unternehmen ihre ureigentliche Verantwortung für ihre Arbeitnehmer an undurchsichtige Subunternehmer abschieben können. Endlich der Beleg dafür, dass solche Unternehmen ihren Profit unter Ausnutzung des Faktors Mensch brutal festigen oder gar steigern, denn die Ware Fleisch, Spargel oder Pflückobst wird durch solche Machenschaften ja keineswegs besser.

Aber das Übel sklavenähnlicher Arbeitsverhältnisse ist auf die industrielle Fleischverarbeitung nicht beschränkt. Auch in Werften und bei den Automobilzulieferer, der Pflege, im Reinigungsgewerbe, auf dem Bau und der Lebensmittelindustrie gibt es Arbeitsverhältnisse, die jedem Verständnis von Würde und Recht spotten. Weit überwiegend trifft es Menschen aus dem EU-Raum. 2019 waren es ca. 100.000 aus Rumänien, 50.000 aus Polen und 34.000 aus Bulgarien. Seit Jahren prangern Sozialverbände und Gewerkschaften unhaltbare Unterkünfte, miserable Bezahlung und die Missachtung von Arbeitsrechten an, ohne dass sich die zuständigen Kontrollstellen rühren. Erst die Corona-Krise macht diese längst bekannten Zustände zur Bedrohung für unsere Gesundheit und somit klar, dass es sich keineswegs um eine „quantité négligeable“ handelt. Große Teile der hiesigen Wirtschaft können ohne diese „Sklaven“ gar nicht mehr auskommen. Die Unterstellung ebenso konservativer wie blinder Politiker und Populisten, dass es sich dabei um einen Ansturm auf die deutschen Sozialsysteme und um Sozialtourismus handele, sind blanker Hohn und eine verwerfliche Missachtung fundamentaler Menschenrechte unserer europäischen Nachbarn. "In Wirklichkeit kommen die Menschen, weil sie Arbeit brauchen. Und sie wollen auch arbeiten. Weil sie zuhause oft kein ausreichendes Auskommen finden", sagt der DGB-Mitarbeiter John. Und jede Arbeit muss ihren gerechten Lohn wert sein, damit man vernünftig von ihr leben kann.

Sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse deutlich unter dem Mindestlohn bei gerne auch 12 Stunden am Tag und in menschenunwürdigen Massenunterkünften gehören verboten, und zwar sofort. Wir brauchen keine Bedenkenträger und Unternehmer, die die Not von Menschen schamlos hinnehmen oder ausnützen, um sich den Wanst billig vollzufressen bzw. ihren Profit zu maximieren.

Schon Gandhi hat bei der Befreiung des indischen Subkontinents vom Joch und der Ausbeutung durch das britische Empire festgestellt: „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier“.

- Wird fortgesetzt.                                                                        







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