Klassenkampf contra Nationalismus und Imperialismus

27.10.13
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von XXX

Anmerkungen zur Position des Spartacusbundes (SpaBu) zu sog. „nationalen Befreiungsbewegungen“

Der Spartacusbund (SpaBu) war eine leninistische Organisation, die von 1974 bis zur Jahreswende 1981/82 existierte. Seine Vorläufer entstanden ab Pfingsten 1969 aus einer Spaltung der deutschen Sektion der trotzkistischen IV. Internationale.[1] In einem blog bei blogsport.eu wurden nun – neben anderen Dokumenten aus der Geschichte des SpaBu – ein - längeres Flugblatt der Kommunistischen Jugendorganisation (KJO) Spartacus – einer Vorläuferin des SpaBu – aus dem Jahre 1972 zum ostbengalischen Kampf um Lostrennung von (West)pakistan [2]
und- eine Broschüre aus dem Jahr 1976 zu Angola [3] wieder veröffentlicht.
Da die damals vorgebrachten Argumente des SpaBu gegen Positionen
- der mao-stalinistische KPD/AO einerseits sowie - gegen die Positionen der trotzkistischen GIM und des maoistischen Kommunistischen Bundes (KB) andererseits auch für die HEUTIGE Diskussionen zwischen Antinationalen und Antiimps von Bedeutung sind, sei hier auf die damalige SpaBu-Position hingewiesen und etwas genauer eingegangen.

I. Zu dem Bangla Desh-Flugblatt

1. Dem Bangla Desh-Text kann ich vorbehaltlich dessen, daß ich mich – mangels anderweitiger Kenntnisse – hinsichtlich der örtlichen Fakten im Moment vollständig auf diesen verlassen muß, weitgehend zustimmen.
Insbesondere teile ich - die Darlegung, daß Lenins Position keinesfalls war, jede nationale Befreiungsbewegung und jeden Kampf um nationale Lostrennung zu unterstützen. Vielmehr unterschied Lenin sorgsam zwischen dem RECHT auf nationale Lostrennung, das von KommunistInnen zu verteidigen sei, und dessen AUSÜBUNG, die von KommunistInnen durchaus NICHT IMMER UND ÜBERALL zu befürworten sei [4] - die Darlegung, daß Nationen nichts Natürliches oder auch nur Stabiles, sondern etwas Historisches, Variables (und sogar Vergängliches [!], so sei hingefügt) sind [5]
und - den Hinweis, daß die Wahrnehmung politische Verhältnisse „als krasse, unverhüllte Unterdrückung“ nur die „aller elementarsten Ebene“ darstellt [6] und von einer materialistischen Analyse und kommunistischen Parteilichkeit noch weit entfernt ist.

2. An grundsätzlichen – begrifflich-philosophischen – Vorbehalten, die aber kaum die Stoßrichtung der Argumentation des vorliegenden Textes tangieren, sei allerdings vermerkt:

a) der Begriff „kleinbürgerlich“. Im vorliegenden Text wird er wohl im wesentlichen für KleinkapitalistInnen (und kaum als Schimpfwort für alle möglichen je unliebsamen Auffassungen verwendet). In DIESEM Sinne möge er passieren.

2. eine gewisse geschichtsphilosophische Rhetorik von „Aufgaben“, die von historischen AkteurInnen, z.B. Klassen, zu erfüllen seien [7]. Dem würde ich entgegenhalten, daß die Geschichte kein Subjekt und auch kein hegelianischer (Welt)Geist ist, das bzw. der den AkteurInnen Aufgaben erteilt.
Demgemäß würde ich auch nicht sagen, daß die – bekannten und denkbaren – Produktionsweisen überall oder auch nur überhaupt in einer bestimmten Reihenfolge herrschend werden MÜSSEN (vgl. allein schon in den Unterschied zwischen asiatischer Produktionsweise und europäischer Feudalität sowie die Ungewißheit, ob das mit dem Kommunismus irgendwann noch klappt). Zwar lassen sich materielle GRÜNDE für den bisherigen Verlauf der Geschichte benennen, aber das heißt nicht, daß sie genau SO ablaufen mußte, wie sie abgelaufen ist, und NICHT anders ablaufen KONNTE. Einen derartigen metaphysischen Geschichtsfahrplan, der diese Gewißheit garantieren würde, gibt es nicht!

3. An etwas konkreter auf den Text bezogenen Einwänden sei noch vermerkt:

a) Auf S. 12 (Orginal-Layout) bzw. 26 (Neusatz) heißt es: „Es gibt keinen ‚nationalen Markt’, der nicht schon längst unter den imperialistischen Mächten aufgeteilt wäre. Selbst die staatliche Selbständigkeit wird unter solchen Bedingungen schließlich zur Farce. Eine bürgerliche oder kleinbürgerliche Partei, die die Massen eines abhängigen Landes mit dem Ruf nach ‚nationaler Industrie’, ‚wirtschaftlicher Lösung vom Imperialismus’ usw. zu ködern versucht, betreibt im wahrsten Sinne ‚Bauernfang’“. Und zuvor (ebenfalls auf S. 12 bzw. auf S. 25): „Die internationale Arbeitsteilung, die Rollenverteilung auf dem Weltmarkt sozusagen, ist jedoch in jahrzehntelangen, blutigsten Auseinandersetzungen, darunter zwei Weltkriegen mit Aberdutzenden von Millionen Toten mühselig zwischen den imperialistischen Großmächten festgelegt worden. Eine neue Nation könnte sich auf dieser Bühne nur unter Anwendung härtesten materiellen Drucks festsetzen, d.h. diese junge kapitalistische Nation müßte von Anbeginn stark genug sein, die imperialistischen Mächte mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Das führt zu einem völlig sinnlosen Paradox: Um überhaupt mal die ersten zaghaften Schritte auf dem Weg einer eigenständigen, unabhängigen wirtschaftlichen Entwicklung wagen zu können, mußte sich eine solche Nation vom ersten Tag an wie eine imperialistische Großmacht gebärden...“
Dies scheint mir ‚übersehen’, daß die Welt in Wirklichkeit NICHT aufgeteilt ist, sondern sowohl ökonomische Konkurrenz zwischen den Einzelkapitalen als auch politische Konkurrenz zwischen den Staaten weiterhin stattfindet – und in dieser Konkurrenz sowohl neue Unternehmen entstehen und aufsteigen können sowie andere Pleite gehen als auch sich die Kräfteverhältnisse zwischen den verschiedenen Staaten und Staatenblöcken verschieben können und – seit 1914, 1945 oder auch nur seit 1972 – tatsächlich VERSCHOBEN HABEN!

b) Angesichts alldessen, was Richtiges und Zutreffendes in dem Text zu Nationalismus und sog. nationalen Befreiungsbewegungen gesagt wird, möchte ich auch einen Vorbehalt gegen folgende – zu dem Richtigen und Zutreffenden etwas in Widerspruch stehende – ‚Würdigung’ anmelden: „Es ist die nationale Bewegung, die ihm [dem Bauern] zum ersten Mal das Gefühl gibt, mehr zu sein als ein Vieh, eine eigene Identität zu haben, eine Rolle zu spielen auf dieser Welt, etwas Besonderes zu sein – oder doch immerhin Etwas zu sein...“ (S. 12 bzw. 28). – FAKTISCH mag das so sein, aber ist aus kommunistischer Perspektive ‚gut’?!
Daran schließt sich sogleich ein weiterer Vorbehalt an – und zwar gegenüber der folgenden rhetorischen Frage des SpaBu: „Wie kann man von den Volksmassen eine weiterreichende revolutionäre Aktivität erwarten, wenn sie sich nicht vorher mindestens aus ihrer unterwürfigen Haltung gegenüber der herrschenden Nation befreit haben?“ (S. 13 bzw. 28). Ich möchte meinerseits mit einer NICHT rhetorischen Frage antworten: Warum sollte es NOTWENDIG sein, daß die Befreiung aus Unterwerfung mit „erwachende[m] Nationalgefühl“ beginnt? Und mehr noch: Ist dies überhaupt möglich? Oder ist Nationalismus nicht vielmehr, gelinde gesagt, – bestenfalls – ein Umweg auf dem Weg zum Kommunismus?
(Dahin zu tendieren, letztere Frage zu bejahen, heißt nicht, obige Verteidigung des RECHTS auf staatliche Lostrennung zu widerrufen. Nur würde ich – mit Lenin – noch stärker als der SpaBu betonen, daß die Verteidigung dieses Rechts und selbst die manchmalige Befürwortung seiner Ausübung für KommunistInnen KEIN GEGEN-Nationalismus sein darf, sondern ANTI-Nationalismus sein muß: „Der Marxismus ist UNVEREINBAR mit dem Nationalismus, mag dieser noch so ‚gerecht’, ‚sauber’, verfeinert und zivilisiert sein. Der Marxismus setzt an die Stelle JEGLICHEN Nationalismus den Internationalismus“ [8].)

c) „Natürlich hat das Proletariat keine eigenen nationalen Interessen zu vertreten: ‚Der Arbeiter hat kein Vaterland’. Aber die proletarische Partei muß erkennen, daß sich unter der Larve der letzten Endes bürgerlichen Ideologie des Nationalismus der Keim zur sozialen Revolte entwickelt, und statt den ganzen Organismus – abgestoßen von seinem unansehnlichen Gewand – einfach zu zertreten, muß sie vielmehr bestrebt sein, den Keimling so rasch wie möglich aus seiner entstellenden Umhüllung zu befreien. Um die Bauernmassen möglichst bald dem Einfluß der nationalen Bourgeoisie und ihrer kleinbürgerlichen Schildknappen zu entreißen, muß sie innerhalb der nationalen Bewegung von vornherein klarstellen, daß es einen einzigen gangbaren Weg zur wirklichen Befreiung der Nation gibt: die Machtergreifung durch das Proletariat, gestützt von der Bauernschaft – die Errichtung eines Arbeiterstaates.“ (S. 13 bzw. 28 f.)
-- Ich würde zwar – unter Zurückstellung der Präzisierungen, die der Begriff der „Befreiung“ bedarf – zustimmen, daß es nur „einen einzigen gangbaren Weg zur wirklichen Befreiung […] gibt“. Aber ich würde nicht sagen, daß es um die „Befreiung der Nation“ geht. Ich würde auch nicht sagen, daß es um die ‚Befreiung der Lohnabhängigen, Frauen usw.’ geht. Es sollte KommunistInnen vielmehr um die Überwindung ausbeuterischer und herrschaftlicher Verhältnisse und damit auch der gesellschaftlichen Gruppen/Stellungen, die von diesen Verhältnissen produziert werden, gehen.
-- Ich teile – aus den schon unter I.3.b) genannten Gründen – auch nicht den Optimismus, daß sich „unter der Larve der letzten Endes bürgerlichen Ideologie des Nationalismus der Keim zur sozialen Revolte entwickelt“.
-- Aufgrund der genannten Zweideutigkeiten in Satz 3 und 4 werden die Sätze 1 und 2 – was die Floskel „natürlich“ in Satz 1 schon befürchten läßt - zu bloßen Beteuerungen, den keine hinreichenden Konsequenzen folgen.

II. Zu der Angola-Broschüre

Über Angola wußte ich vor Lektüre der Broschüre schon etwas mehr als über Bangla Desh (vor Lektüre des vorstehend diskutierten Flugblattes). Dennoch muß ich auch meine folgenden Anmerkungen zu der Angola-Broschüre unter den Vorbehalt geringer Faktenkenntnis stellen und kann mich also auch hier nur zu den logischen Schlußfolgerungen und grundsätzlichen theoretischen Positionen äußern.

1. Wiederum kann ich weitgehend zustimmen, allerdings habe ich einen grundsätzlichen Einwand, der sich auch auf meine Haltung zu der Argumentation in der Broschüre auswirkt. Auf S. 10 heißt es: „Die Niederlage der revolutionären Arbeiterbewegung mitten im Kampf (und späterem Sieg) der MPLA gegen den Imperialismus stellt die Frage nach der Verantwortung für diese Niederlage. Wir revolutionären Marxisten sehen die Verantwortung immer bei der politischen Führung des Kampfes, nie (wie die Reformisten) bei den Massen, die etwa ‚noch nicht reif genug’ gewesen wären. In Situationen scharfen Klassenkampfes sind die Massen reifer als Führer.“

a) Ich würde wahrscheinlich zustimmen, wenn gesagt würde, revolutionäre Situationen zeichnen sich per definitionem dadurch aus, daß die Massen nicht mehr ‚unreif’ sind. Dies aber generell über „Situationen scharfen Klassenkampfes“ zu sagen, scheint mir aber deutlich übertrieben zu sein.
Auch wenn der SpaBu in anderen Veröffentlichungen den ständigen Bewegungs-Optimismus (Titoismus, StudentInnenbewegung, Guerillabewegungen etc.) der IV. Internationale kritisierte, scheint mir an der zitierten Stelle ein allgemein-trotzkistischer Hang am Werke zu sein, spätestens seit 1938 ständig revolutionäre Situationen zu sehen – und folglich gibt es dann fast immer nur zu zögerlich oder gar ‚verräterischere’ Führungen, während die Massen angeblich die ganze Zeit nach links drängen, und es zur Unzeit aufgenommene Kämpfe fast nie gibt – außer, sie wurden von AnarchistInnen/Autnomen aufgenommen ;-).

b) So wird in der Broschüre kritisiert: „Heute werden in Angola Demonstrationen aufgelöst, Streiks verboten, revolutionäre Organisationen zerschlagen. […]. Es ist beängstigend zu sehen, wie die Organisationen der extremen Linken in Portugal und der KB in der BRD die Repression totschweigen. […]. Die Broschüre der portugiesischen Zeitschrift O Jornal über Angola rechtfertigt die Repression gegen die ‚Ultralinken’, die aus dem Ausland ‚importiert’ seien, [mit dem Argument, daß die Ultralinken] ‚nicht berücksichtigen, was es in der aktuellen Situation bedeutet, in Angola die Revolution zu machen.’ An den ‚freien Wahlen’ können selbstverständlich die, die wir als unsere Feind betrachten, nicht teilnehmen.’ (MPLA-Felix, KB-Broschüre, Es lebe die afrikanische Revolution, S. 7).“
Diese Kritik mag für die konkrete Situation in Angola Mitte der 70er gerechtfertigt gewesen sein oder auch nicht – dafür, dies zu beurteilen, fehlt mir, wie gesagt, die Sachkenntnis –, aber…: In Bezug auf die frühe SU den Roten Terror, die Militarisierung der Arbeit, das Fraktionsverbot, die Niederschlagung des Kronstädter Aufstandes usw. zu rechtfertigen (sich also realpolitischer Argumente durchaus nicht zu verschließen), aber dann das realpolitische Argument, daß berücksichtigt werden müsse, „was es in der aktuellen Situation bedeutet, in Angola die Revolution zu machen“, einfach mit Lamentieren über die Demonstrations- und Streikverbote und über die Beschränkung der Wahlfreiheit beiseite zu schieben, scheint mir etwas schwach zu sein…

2. Ich teile auch völlig die grundsätzliche Stoßrichtung der Broschüre, daß es erforderlich ist, neben sog. nationalen Befreiungsbewegungen die politische und organisatorische Eigenständigkeit der Kommunisten herzustellen und aufrechtzuerhalten (bes. S. 35 f., 61 - 63). Trotzdem scheint es mir, daß die Broschüre an verschiedenen Stellen übermäßig scharf mit den begrenzten Maßnahmen der MPLA und der nicht nur „militärischen“, sondern auch „politischen“ Unterstützung dieser durch GIM und KB ins Gericht geht. [9]

a) Wenn sich eine sog. nationale Befreiungsbewegung in einer bestimmten historischen Situation z.B. zunächst auf eine Verstaatlichung des Energiesektors beschränkt (S. 57), so KANN das dem Kräfteverhältnis in dieser Situation angemessen sein. Zu kritisieren wäre dann also von KommunistInnen nicht die aktuelle politische Praxis die Bewegung, sondern ggf., daß die langfristige politische Programmatik dieser Befreiungsbewegung nicht über das hinausreicht, was sie aktuell macht.
Auch wenn die trotzkistische Kritik an der stalinistischen Etappentheorie und der klassisch-sozialdemokratischen Degradierung der langfristigen Ziele zu bloßen Sonntagsreden eher in die richtige Richtung geht, so ist m.E. doch FALSCH – mit den Konzepten der „Permanenten Revolution“ und der „Übergangsmethode“ – den Kampf für de facto sozialistische Maßnahmen („Übergangsforderungen“) – jenseits von Zeit und Raum – in jeder Situation zur Tagesparole zu machen. [10]

b) In diesem Kontext störe ich mich dann mindestens auch an der militärischen Metaphorik des folgenden Halbsatzes: „Vor allem durch ihre entristischen Manöver in der MPLA haben die CAC die Bildung klarer Fronten zwischen proletarischer Massenbewegung und kleinbürgerlich-nationalistischer MPLA verhindert“ (S. 11).
Die „Front“ zwischen CAC und GRS einerseits sowie der MPLA und allen anderen Kräften andererseits zu ziehen, hätte nicht zu einem kommunistischen Sieg, sondern umso sicherer zu einer kommunistischen Niederlage geführt.

c) Und ich halte schließlich den folgenden Rassismus-Vorwurf nicht für gerechtfertigt: „Die Stalinisten gingen so weit, direkt rassistische Positionen einzunehmen: das Übel liege darin, daß die extrem-linken Organisationen von Portugiesen beherrscht werden würden, die mit ultralinken Ideen aus Europa hergekommen wären: in Angola müßte das angolanische Volk herrschen, und nie die an der Spitze der extremen-linken Gruppen stehenden Portugiesen. Das ist ein Beispiel, wie direkt rassistisch argumentiert wurde.“

aa) Zum einen ist es genauso WENIG das Gleiche,
-- wenn Schwarze etwas gegen Weiße sagen, wie wenn Weiße etwas gegen Schwarze sagen,
wie es das Gleiche wäre,
-- wenn Lohnabhängige etwas gegen KapitalistInnen sagen, oder aber KapitalistInnen etwas gegen Lohnabhängige.
Die vordergründige Symmetrie, daß Menschen etwas gegen andere Menschen sagen, erübrigt nicht die Analyse der gesellschaftlichen Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse, in denen diese Symmetrie ggf. stattfindet.

bb) Und auch ganz konkret ist es ein Problem (ein Fall von Hochmut), wenn europäische AntikapitalistInnen – statt in den europäischen Ländern antikapitalistische Revolutionen zu machen – rund um die Welt touren und den Leuten dort erzählen, sie soll doch besser – statt für die Ziele, für diese tatsächlich kämpfen (wollen) – lieber gegen Kapitalismus kämpfen.

III. Zusammenfassung

Zusammenfassend würde ich sagen, daß meine Position hinsichtlich der Bestimmung der eigenen theoretischen Position von KommunistInnen antinationaler ausfällt, als dies beim SpaBu der Fall war (siehe oben Teil I.); während ich in der damaligen aktuellen politischen Konjunktur sog. nationalen Befreiungsbewegungen bündnispolitisch und rhetorisch wohlwollender gegenüber gestanden hätte als der SpaBu.
TrotzkistInnen tendieren – im Unterschied zu meiner Position –, vielleicht wegen einer anderen Lageeinschätzung (Aktualität der proletarischen Revolution), dahin, theoretische und politische Praxis, langfristig zu verankernde Argumentation und heutige Agitation in eins fallenzulassen, was sektiererisch ist (oder aber, was opportunistisch ist, einen Teil der langfristigen Ziele überhaupt unter den Tisch fallenzulassen – d.h. auch in der theoretischen Argumentation auszusparen –, wenn sie sich eingestehen, daß die aktuelle Situation doch nicht so revolutionär ist).

[1] Informationen zur Geschichte des SpaBu finden sich in einem längeren Artikel in der Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Spartacusbund_%281974%E2%80%931981/82%29

[2] spabudoku.blogsport.eu/197172-die-bengalische-tragoedie-wohin-geht-bangla-desh-marxismus-und-nationale-frage/

[3] spabudoku.blogsport.eu/1976-mpla-und-rev-arbeiterbewegung-in-anglo/

[4] „Allein wenn die Kommunisten bedingungslos das Recht der unterdrückten Nation auf staatliche Selbständigkeit anerkennen, gewinnen sie in den Augen der unterdrückten Nation das Recht, darüber mitzureden, OB im konkreten Fall die staatliche Unabhängigkeit tatsächlich im Interesse der Arbeiter, Bauern und unterdrückten Kleinbürger liegt, oder ob sie nicht doch wieder ausschließlich der Ausbeuterklasse zugute kommt. So erwirbt sich die proletarische Partei schließlich auch das Recht, im gegebenen Fall GEGEN die Losung der staatlichen Selbständigkeit Stellung zu nehmen. Denn ebenso wenig, wie das grundsätzliche Recht auf Ehescheidung den einzelnen Ehepartner verpflichtet, seine Ehe aufzulösen, ist das Recht auf staatliche Selbständigkeit eine Verpflichtung zur Sezession“ (S. 9 bzw. 17 – Hv. von ~~~)

[5] Gegen Stalins Definitionen von Nationen als „stabile Gemeinschaft von Menschen, entstanden auf der Grundlage der Gemeinschaft der Sprache, des Territoriums, des Wirtschaftslebens und der sich in der Gemeinschaft der Kultur offenbarenden psychischen Wesensart“ wandte der Spartacusbund ein:
„Welche andere ‚psychische Wesensart’ kann ein Volk für den Materialisten denn wohl noch aufweisen, als ‚die in der Gemeinschaft der Kultur’ – d.h. in der gemeinsamen Geschichte und der gemeinsamen Sprache – ‚sich offenbarende’?! […]. Was bedeutet es zum Beispiel, wenn man im Zeitalter des Imperialismus von irgendeiner nationalen Minderheit verlangt, sie solle ein ‚gemeinsames Wirtschaftsleben’ vorweisen? Über ein besonderes, eigenes Wirtschaftsleben verfügt unter den Bedingungen des imperialistischen Weltmarkts selbst die souveränste kapitalistische Nation nicht! […]. Wie ist es denn mit der ‚Stabilität’ der Gemeinschaft der ‚deutschen Menschen’ bestellt – gar nicht zu reden von der ‚historischen Gewachsenheit’?! War nicht stets die ‚Gemeinschaft der Kultur’ und noch mehr die der ‚psychischen Wesensart’ unter den deutschen Stämmen eine ziemlich heikle Angelegenheit? […]. Wir sehen also – mit Stalins ‚Merkmalen’ kann man alles und nichts begründen.“ (S. 10 bzw. 20, 20 f.)

[6] S. 27: „Politische Verhältnisse nehmen sie [die Bauernmassen] stets nur auf der aller elementarsten Ebene wahr: als krasse, unverhüllte Unterdrückung.“

[7] S. 17: „HauptAUFGABE [der proletarischen Partei,] der Vereinigung der gesamten Arbeiterklasse auf dem Boden des kommunistischen Programms und die Gewinnung der anderen unterdrückten Schichten des Volkes für die Sache des Proletariats einen Schritt näher zu kommen“; S. 26 (Trotzki-Zitat): „HauptAUFGABE der Kriege und Revolutionen“; S. 27: „die Einbeziehung der Bauernmassen in den revolutionären Kampf des Proletariats – wird dadurch möglich, daß […] auch das Proletariat […] noch an den unbewältigten Problemen der bürgerlich-demokratischen Revolution anknüpfen MUSS.“ (Hv. von ~~~)

[8] LW 18, 19; kpd-ml.org/doc/lenin/LW18.pdf. Vgl. auch „auf allen Teilgebieten der nationalen Frage den entschiedensten und konsequentesten Demokratismus zu verfechten“, ist vielmehr „in der Hauptsache eine NEGATIVE Aufgabe“ (LW 20, 19 f.; kpd-ml.org/doc/lenin/LW20.pdf). Sie ist GEGEN den herrschenden Nationalismus gerichtet, OHNE statt dessen positiv einen anderen Nationalismus, einen Gegen-Nationalismus zu propagieren.

[9] S. bspw. S. 57: „Da der KB die Unterscheidung von militärischer und politischer Unterstützung nicht kennt, muß jede militärische Unterstützung bei ihm politischen Opportunismus produzieren, er muß seine Bündnispartner politisch beschönigen.“

[10] In anderem Kontext scheint dies auch der SpaBu gesehen zu haben: Das „Übergangsprogramm“ von 1938 gebe „auch eine sehr konkrete Einschätzung der weltpolitischen Konjunktur zu jener Zeit. Und wenn schon diese Einschätzung für sich genommen nicht unproblematisch ist, so ist es vollkommen unmöglich, sie einfach auf die gegenwärtigen Bedingungen zu übertragen und dann die entsprechenden Schlußfolgerungen gleich mitzuübernehmen. Denn was ist es anderes als eine rein schematische Übernahme den Aussagen jenes Dokuments, wenn es in dem Aufruf heißt, daß sich heute ‚in allen Ländern, auf allen Kontinenten’ die Arbeiterklasse auf den ‚letzten Ansturm gegen das bürgerliche soziale System, das in Auflösung begriffen ist’, vorbereitet? Wie kann man die seit einigen Jahren sich abzeichnende Verschärfung des Klassenkampfes schon als die Vorbereitung zum Endkampf selbst nehmen?“ (http://spabudoku.blogsport.eu/files/2013/10/spart_22_mai_juni_1971.pdf, S. 29 / http://spabudoku.blogsport.eu/files/2013/10/spart_22_rij.pdf, S. 6)




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