»SHITGREEN – Tarek Al Wazir, Fritz Kuhn und Gaddafi«

15.10.12
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von Jutta Ditfurth

Anlässlich der Wahl des schwarzgrünen Fritz Kuhn zum Stuttgarter OB und denunzia-torischer Äußerungen des hessischen Fraktionsvorsitzenden Tarek Al Wazir

Vom 21. Oktober 2012 an heißt die baden-württembergische CDU »Die Grünen«. Die frühesten Vertreter der schwarzgrünen Option in den Grünen zeigen der CDU wie man konservatives Gedankengut unter grünem Label zu neuer Geltung verhelfen kann. So kann Rechtsverschiebung auch aussehen. Und weil der SÖS-Kandidat Hannes Rockenbauch zugunsten des vermeintlich »kleineren«, in Wirklichkeit aber effizienteren schwarzgrünen »Übels« seine OB-Kandidatur zurück gezogen hat, steckt der parlamentarisch fixierte Teil des Anti-S21-Protests in der üblichen Sackgasse.

Flash 01 - 1986: Der künftige grüne CDU-OB von Stuttgart, Fritz Kuhn, hastete 1986 bei der Aufstellung der Landesliste zu den Bundestagswahlen 1987 durch die Reihen der grünen Landesversammlung in Asperg um mit giftigem Geraune den Delegierten Angst einzujagen vor der bösen linken Kandidatin Ditfurth. Lieber förderte er den deutsch-nationalen Oberstleutnant Alfred Mechtersheimer, der sich noch heute auf seiner Website an Fritzchens Heldentat erinnert:

»Der Landesverband der Grünen in Baden-Württemberg, der der linksextremen Unterwanderung der neuen Partei widerstanden hat, setzte Alfred Mechtersheimer für die Bundestagswahl 1987 auf den ersten Männer-Platz der Landesliste, wodurch er bis 1990 dem Bundestag angehörte.«

Es kümmerte Kuhn nicht, dass Mechtersheimer schon seit Jahren mit deutsch-nationalen Positionen in der Friedensbewegung aufgefallen war und 1982 den libyschen Diktator Muammar Al Gaddafi besucht hatte. So wurde Mechtersheimer auch mit Hilfe Kuhns Bundestagsabgeordneter und Obmann der Grünen im Verteidigungsausschuß des Bundestages. 1989 flog auf, dank Kurt Kisters Recherchen (Süddeutsche Zeitung), dass Gaddafi Mechtersheimer finanzierte. Mechtersheimer wurde Anführer der rechtsextremen Deutschland-Bewegung, Autor vieler rechtsextremer Zeitungen.

Flash 02 - 1982: Um die Reise einiger Grünen zu Gaddafi gab es 1982 in den hessischen Grünen einigen Ärger. Auf einer Landesversammlung kritisierte ich die Sache und verlangte einen entsprechenden Parteibeschluss. Die damals neu eingetretenen Realos warfen mir »Kleinlichkeit« und »Intoleranz« vor. Gaddafi und seine diplomatischen Außenstellen in Wien und Malta lockten mit Geld. So besuchten Otto Schily, Roland Vogt, Alfred Mechtersheimer und andere Muammar al Gaddafi in Libyen. Andere grüne FunktionärInnen ließen sich zu Gaddafis »Friedenskonferenzen« nach Malta einladen.

Tarek Al Wazir, seit 12 Jahren Fraktionsvorsitzender der Grünen im hessischen Landtag, medienpolitischer Sprecher sowie Mitglied des Rundfunkrats des Hessischen Rundfunks, redet gern von »Würde« und »Ethik«. Er sollte wissen, was Rufmord ist.

Wie aber geht er mit linken KritikerInnen um? Im August 2012 wurde er von der Frankfurter Rundschau (Pitt von Bebenburg und Maurice Farrouh) interviewt.
Auf die Frage:

»Wie haben Ihre Verwandten im Jemen reagiert, als Sie ihnen erzählt haben, dass Sie Vorsitzender einer Grünen-Partei sind?«

antwortete der grüne Fraktionsvorsitzende sinnfrei, angestrengt bemüht, die Denunziation unterzubringen:

»Meine Verwandten haben nicht den Fehler von Jutta Ditfurth gemacht, die einst ihre Reise zu Ghaddafi mit den Worten verteidigt haben soll: 'Der hat doch ein grünes Buch geschrieben.' (lacht).«

Ich war nie bei Gaddafi und habe auch deshalb nie eine derart dämliche Verteidigung ('grünes Buch') benötigt. Die Frankfurter Rundschau hat die Falschmeldung ohne einen Blick ins Archiv (hat sie noch eines?) verbreitet.

Wer Gaddafi besucht hat und wer nicht, war und ist leicht zu recherchieren. Bis heute (15.10.2012) haben sich weder Tarek Al Wazir noch die Frankfurter Rundschau bei mir entschuldigt. Beide verbreiten die Lüge weiter. Der Link zum Interview findet sich z.B. bis heute an vorderster Stelle auf seiner Al Wazirs Website: www.al-wazir.de

Soeben ist mein Buch ZEIT DES ZORNS. Warum wir uns vom Kapitalismus befreien müssen im Frankfurter Westend Verlag erschienen.

Lesungen und Diskussionen:

Sa. 3.11.2012, 15:00 Uhr, NÜRNBERG, Linke Literaturmesse
Mi. 7.11.2012, 19:00 Uhr, STUTTGART, Waldheim

weitere Infos: www.jutta-ditfurth.de

 

 


VON: JUTTA DITFURTH






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