Zur Krise der Herrschenden Klasse: Warum spinnt Trump?


Bildmontage: HF

22-08-17
DebatteDebatte, Krisendebatte, Internationales 

 

Von Siegfried Buttenmüller

Der jetzige US Präsident Trump hat sich ja eigentlich nie für das Gemeinwohl oder die Gesellschaft interessiert, sondern nur für seine privaten Interessen. Er hat ein privates Flugzeug mit Konferenzraum, mehreren Badezimmern mit goldene Wasserhähnen, Thron und vieles mehr. Damit flog er falls nötig zwischen seinen 500 Firmen hin und her. Sein Vermögen gibt er selbst mit über 3 Milliarden US Dollar an, wobei die Schulden bereits abgezogen sind.

Was bewog Trump eigentlich plötzlich als Quereinsteiger in die Politik zu gehen und Präsident zu werden ? 

Die Herrschende Klasse weltweit sieht ihren Status bedroht von ihrem kapitalistischen System, das in auswegloser Krise ist. Und das nicht nur in USA sondern weltweit doch Trump ist sicher das Paradebeispiel da die USA nun mal die führende Macht der Welt sind und Trump selbst Präsident wurde.

Bereits 2007 / 2008 hatte es in den USA und weltweit eine schwere Finanzkrise gegeben. Eine Blase am US Immobilienmarkt war geplatzt und hatte zur Insolvenz mehrerer Großfirmen geführt, unter anderem der Lehman Bank Die Banken trauten sich nicht mehr und gaben gegenseitig kaum noch Kredite, so dass  Finanzhäuser wie American International Group, Fannie Mae, Freddie Mac die Commerzbank in Deutschland und die Schweizer UBS unter anderem verstaatlicht oder mit großem Staatszuschuss unterstützt wurden.

Viele Kapitalisten verloren zu der Zeit viel Geld und das ganze Weltfinanzsystem drohte total zusammenzubrechen. Und Herr Trump und viele andere Milliardäre wären plötzlich gar nicht mehr so reich gewesen oder auch ruiniert, und das kann ja zu jeder Zeit eintreten.

Das weltweite Krisenmanagement des Kapitals hatte und hat keine Andere Möglichkeit den totalen Absturz des kapitalistischen Systems zu verhindern, als über die Notenbanken die Geldmengen M3 (ohne M1 und M2) drastisch zu erhöhen und mit diesem erfundenen Geld den Finanzsektor und auch viele große Konzerne drastisch zu unterstützen. Der sogenannte „Rettungsschirm" wurde für das große Kapital aufgespannt. Die Geldschwemme in diesem Bereich verhindert den tendenziellen Fall der Profitraten im Bereich der Großen Vermögen, was zum Platzen aller kapitalistischen Blasen und dem Auffliegen aller Manipulationen führen würde. Profit wird hauptsächlich in diesem Sektor durch Finanzspekulationen erzielt.

Die M3 Geldmenge ohne M1 und M2 ist ein separater Teil der Währung und umfaßt grob gesagt die Vermögen über 100 000 Dollar, größere nur nicht wenn diese in bar und im Privatbesitz sind. Also die größeren und wesentlichen Aktienpakete, Beteiligungen und Bankvermögen über 100 000 US Dollar.  Diese Geldmenge kann eine Notenbank wie die FED in den USA z.B. ganz einfach erhöhen, indem sie sich die gewünschte Summe, zum Beispiel 10 Billionen Dollar, einfach hinzu addiert. Es wird also kein „Geld gedruckt" und in die allgemeine Geldmengen der Kleinen Leute (M1 und M2) gebracht, wie das in Deutschland bei den großen Inflationen in den verlorenen Weltkriegen der Fall war. Dieses „neue Geld" können die Notenbanken wie die FED dann an Banken verleihen, verschenken oder Banken übernehmen usw.  Oder Sie kann Schuldscheine der Banken aufkaufen oder Schuldscheine des Staates, so das Banken oder Staat wieder liquide sind und neue Schuldscheine gegen Geld ausgeben können.

Das wurde und wird seither praktisch unbegrenzt gemacht, so viel wie die FED und alle Anderen Zentralbanken eben brauchen um die Banken usw. zu „retten" und Wachstum im Bereich des Großkapitals zu generieren.

Praktischer Weise und in guter voraussicht hatte die US Zentralbank FED bereits 1 Jahr vor der Finanzkrise bekannt gegeben, die Geldmenge M3 nicht mehr zu erfassen und daher nicht mehr zu veröffentlichen.  Die Geldmenge M3 (ohne M1 und M2) war in den Jahren zuvor bereits extrem und immer schneller angestiegen. 2007 / 2008 dürfte es mit dieser Geldmenge über 1 Jahr faßt senkrecht nach oben gegangen sein und bis heute annähernd auf diesem höchsten Niveau verblieben sein.  Auch die anderen wichtigen Zentralbanken erhöhten ihre M3 Geldmenge (ohne M1 und M2) nach ihren Veröffentlichungen sprunghaft doch ist ihr Volumen und ihre Wirkung nicht mit der FED der USA zu vergleichen, da sie viel kleiner als die Weltwährung Dollar sind.

Die radikale Vermehrung des Geldes betraf jedoch nicht die Geldmengen M1 und M2, nur den Rest der Geldmenge M3, also die großen Vermögen über 100 000 Dollar, vor allem die großen Aktienpakete der Banken und Großanleger wie eben Trump. Und der und seine Kollegen von der Herrschenden Klasse wurden damit immer Reicher indem mit billigen Krediten Sachwerte wie Immobilien oder Wertpapiere wie Aktien gekauft wurden, die durch die Steigerung der Nachfrage enorm und beständig stiegen.

Der normale Geldumlauf der Geldmengen M1 und M2, also hauptsächlich Bargeld, kleinere Sparbücher und Girokonten zum Beispiel, wurde und wird jedoch nur vergleichsweise gering erhöht, dem Bevölkerungswachstum, der Wirtschaftsleistung und der Inflation entsprechend, was zumindest angestrebt wird. Es gibt also etwas vereinfacht gesagt eine innere Abtrennung in den Währungen wie dem Dollar mit relativ kleiner Durchlässigkeit und diese Durchlässigkeit wird von den Zentralbanken je nach Geldfluss ausgeglichen.

So bleibt die Inflation separat im oberen Bereich der Währung und wird auch nicht erfasst, große Geldvermögen werden jedoch im Vergleich zu großen Sachvermögen wie Aktien, Beteiligungen, Immobilien und anderen Sachwerten weniger wert. Dies erklärt das steigen der Aktienkurse, Immobilien oder Mieten in den letzten Jahren. Geld stand als Kreditmöglichkeit und mit niederem Zins viel zur Verfügung und wurde im Vergleich zu den Aktien usw. die stiegen, weniger wert.

Es funktioniert jedoch nur so lange die Inflation der Geldmenge M3 (ohne M2 und M1) nicht zu dramatisch wird und der Wertverlust des Geldes gegenüber den Aktien usw. nicht zu groß wird. Und vor allem darf  nicht zu viel Geld vom inflationären oberen Bereich in die Geldmengen M1 und M2, also dem Geld der Masse der kleinen Leute, gelangen.

Das ist jedoch das große Problem des Geldsystems, genau das droht und läßt sich immer weniger verhindern.

Schauen wir also wie das Geld vom oberen inflationären Bereich in die Geldmenge M1 und M2 der normalen Leute gelangen kann und auch dort zu extremer Inflation und Zerstörung des Geldes führen kann.

Eine Lücke ist der Staatshaushalt, der überwiegend in die Geldmenge der kleinen Leute ausgegeben wird. Also in Löhne, Schulen, Sozialleistungen, Krankenhäuser, öffentliche Verwaltung, Renten, Feuerwehr, Polizei und Gehälter des Militär zum Beispiel, die der Staat ausbezahlt.

Der US Staat mit Bundesstaaten und Kommunen hat jedoch ein jährliches Defizit von etwa 800 Milliarden Dollar, insgesamt etwa gigantische 20 Billionen Dollar Schulden aufgehäuft. Nun denken viele vielleicht das die Zentralbank ja auch dem Staat wie dem Finanzsektor gratis Geld zur Verfügung stellen könnte. Aber genau das ist eine der Schleusen durch die erheblich Geld und damit Inflation in die Geldmengen M1 und M2 gelangen würde.  Die „Lösung" ist für die Liberalen also eigentlich sparen, eben bei den Kleinen Leuten wie den Rentnern, Staatsangestellten, Kranken, Sozialleistungen, der Infrastruktur usw.  Aber solche Einsparungen erscheinen den Politikern der USA kaum möglich und daher bleibt es beim Ansteigen der Verschuldung des US Staates in astronomische Höhen. Trotzdem sind Großstädte wie Detroit und ganze Bundesstaaten wie Kalifornien nur noch teilweise Zahlungsfähig, wie auch der Bundesstaat USA selbst. Die größten Gläubiger der USA sind die selbst krisengeschüttelten Japan und China doch mit einigem Abstand folgen auch die Steuerparadiese Caiman Inseln und Irland auf den Plätzen 3 und 4.

Die Zentralbank der USA kann die Schuldscheine der USA also nicht groß kaufen, weil sich sonst die Geldmengen M1 und M2 und damit die Inflation bei der Masse der Leute extrem erhöhen würde. Zumindest muß zurückgezahlt werden. Jedenfalls wenn man den Kapitalismus mit seinem Geldsystem erhalten möchte.

Aber oft wird auch gedacht das man doch einfach die großen Vermögen, private Milliardäre wie Trump oder Banken und Konzerne, enteignen oder zumindest hoch besteuern könnte.  Doch gerade auch so würden Geldmengen aus dem inflationären Bereich in die Geldmenge M1 und M2 der kleinen Leute gelangen und dort zu großer Inflation führen, wenn man den Kapitalismus mit seinem ganzen Geldsystem nicht ersetzen möchte.

 

Also erschien es Trump allmählich sinnlos und langweilig in seinen Milliarden zu schwimmen, wenn diese mehr und mehr zu Spielgeld des inflationären Bereiches verkamen. Zudem drohen ihm Verluste durch soziale Unruhen, wenn die Krise des Geldsystems mit der Inflation nach unten Durchschlagen. Sein teures Flugzeug stehen zu lassen und normal zu reisen, war für ihn keine akzeptable Perspektive.

Also überlegte sich Trump was zu tun sei und drängte in die Politik, natürlich gleich nach ganz oben als Präsident. Aber wer würde ihn wählen ?  Die Bürgerliche Politik ist ratlos, weil es eben gar keinen Ausweg aus der kapitalistischen Krise gibt. Demokraten und „Linke" haben lediglich mehr Illusionen in das kapitalistische System oder die Möglichkeit von Staatseingriffen und sehen dessen Todeskampf nicht. Trump wird populistisch, also will er die USA abschotten, weniger Importe und mehr Made in USA. Damit hofft er auf Stimmen der Arbeiter in der Industrie, wo Millionen Lohnarbeitsplätze verloren gegangen sind. Klimaabkommen braucht es für Trump nicht, eher Stimmen aus dem Kohlenbergbau und der Ölindustrie. Dazu passen die Rechten der Republikanischen Partei, mit Rassismus und Hetze gegen Flüchtlinge versucht er auch zu spalten. Mit verlogenen und populistischen Medien wie „Breitbart" versucht er mit seinen Rechten Freunden weltweit Stimmung gegen alle Gegner zu machen und Rechtspopulisten zu stärken.  Nicht nur in den USA auch in der BRD z.B. wo durch Fälschungen und Lügen wie zu den Ausschreitungen am Kölner Hauptbahnhof oder „Flüchtling Podolski" verbreitet werden.

Allerdings wird dies alles weder die Probleme Trump`s noch der Herrschenden Klasse oder die des kapitalistischen Systems überhaupt lösen. Im Gegenteil gibt es auch erhebliche Kolateralschäden wie Handelskriege, Unterbrechung des Warenaustausches und vieles mehr mit schlechten Folgen für die kapitalistische Wirtschaft weltweit. Allein schon die Krise des Geldsystems mit all seinen Blasen die bald platzen werden, ist kapitalistisch nicht lösbar.

Natürlich muß Widerstand gegen Trump und all die Populisten der Herrschenden Klasse organisiert werden. Es braucht starke Bewegungen gegen Rassismus und Spaltung, gegen Krieg und Atomkraft und für den Erhalt der Umwelt. Milliarden Menschen werden stärker als Milliardäre sein Wir brauchen die Bewegungen als Einheitsfront von unten in der Gesellschaft zur Verteidigung der Grundwerte des Mensch seins. Dies verschafft uns Zeit das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Zukunft ohne Herrschende Klasse und ihren Kapitalismus zu schaffen. Umverteilungen im Rahmen des Systems um dieses zu stärken sind kaum noch möglich da dieses dann ganz zusammenbricht, so erklärt sich die Schwäche der „Linken" die stets umfallen. . Das Lohn-Preis-Profit System ist sehr bald am Ende, Inflation und Staatsverschuldung treten schon die Tür ein.

Siegfried Buttenmüller  22.8.2017







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