50 Jahre nach „Fräulein“

05.02.22
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Satire von Deutscher Einheit(z)-Textdienst

Sehr geehrtes Fräulein Rosenholz,
anlässlich des fünfzigsten Jahrestags des Wegfalls der Anrede „Fräulein“ möchten wir gerne in Erinnerung rufen, wie schön die Zeiten in unserem Betrieb waren, als man zu einer Frau noch Fräulein sagen durfte.

Schließlich waren die Fräuleins in der Regel jung, attraktiv und adrett gekleidet – im Gegensatz übrigens zu unserer früheren Buchhalterin Else Kleinberger, die unter uns gesagt eine alte Schachtel war. Aber sie ist ja schon lange in Rente.
Jedenfalls haben wir zu allen anderen jungen Kolleginnen stets liebend gerne Fräulein gesagt und uns gefräut, wen sie immer gleich rot geworden sind und beschämt ihre Augenlider gesenkt oder gekichert haben, wenn wir uns nur auf ihren Schreibtisch gesetzt haben.

Und in dieser Zeit damals haben die Fräuleins übrigens auch immer den besten Kaffee für uns gekocht. Heute macht das nur dieser neue, langweilige große Kaffeeautomat, von dem wir nicht einmal wissen, ob er weiblich ist, denn er heißt nur „Coffee Nr. 67/Ar4555“.

Fräuleins haben zwar meistens nicht viel mehr gekonnt, als sich zu schminken am Schreibtisch oder ihre Fingernägel zu lackieren, aber dafür haben sie immer nett gekichert, wenn man sie mal heimlich wo angefasst hat oder ihnen auf dem Flur einen kleinen Klaps auf Po gab, und sie sind nicht gleich zu einem Gleichstellungsbeauftragten gerannt wie heute.

Wir möchten Sie nur daran erinnern, dass in den letzten Jahrzehnten, seit wir nicht mehr Fräulein zu Ihnen sagen dürfen, es nicht besser geworden ist für Frauen. Sie kriegen nach wie vor einen niedrigeren Lohn als Männer, und als Führungskräfte sind Frauen einfach nicht zu gebrauchen, wie man an Ihnen sieht.

Deshalb überlegen Sei es sich doch noch einmal, ob Sie nicht wieder Fräulein von uns genannt werden möchten, obwohl Sie verheiratet sind und ein kleinesKind haben. Aber das Betriebsklima wäre wirklich für alle besser.

Hochachtungsvoll

Die Firmenleitung







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