SOS-Kinderdorf spricht sich gegen sozialen Pflichtdienst aus

21.06.22
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Von SOS-Kinderdorf

Kinderrechtsorganisation fordert Aufwertung sozialer Berufe statt Zwangsverpflichtung: Junge Menschen sind keine Lückenbüßer für Versäumnisse in der Sozialpolitik!

Zur Diskussion um eine soziale Pflichtzeit für junge Menschen erklärt Prof. Dr. Sabina Schutter, Vorstandsvorsitzende von SOS-Kinderdorf e.V.:

 „Der Vorschlag, junge Menschen eine gewisse Zeit lang für soziales Engagement zu verpflichten kommt angesichts des  jugendpolitischen Versagens in der Corona-Pandemie zur Unzeit. Statt mit solch einer Zwangsverpflichtung den Fachkräftemangel im sozialen Bereich zu bekämpfen, sollten junge Menschen Zeit für frei gewählte Entwicklungswege und zur selbstbestimmten Orientierung erhalten. Sie haben ein Recht selbst über ihre Zukunft zu bestimmen.

Kinder und Jugendlichen haben in den letzten zwei Jahren viel entbehrt und haben sich durch solidarisches Verhalten während der Pandemie mehr als ausgezeichnet. Sie haben bewiesen, dass sie die Bedürfnisse anderer Menschen wahrnehmen und durchaus Gemeinsinn haben. Sie jetzt für einen sozialen Dienst zu verpflichten ist unfair und auch keine sinnvolle Lösung für den Fachkräftemangel. Zumal sich viele bereits ehrenamtlich engagieren: 42 Prozent der 14-29 Jährigen leisten laut Familienministerium freiwillige Dienste; mehr als 80.000 absolvieren jährlich ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr. 

Um noch mehr junge Menschen für soziales Engagement zu begeistern, braucht es keinen demotivierenden Zwang, sondern eine Aufwertung der bestehenden Möglichkeiten. Aufreibende Arbeitsbedingungen in Zeiten von Personalmangel und Überlastung wirken abschreckend. Eine nur knapp berechnete Aufwandsentschädigung sorgt zudem dafür, dass sich viele junge Menschen ohne entsprechenden familiären Hintergrund solch soziales Engagement schlichtweg nicht leisten können.  

Junge Menschen sind keine Lückenbüßer für Versäumnisse in der Sozialpolitik; die Aufwertung und Besserstellung der Berufe in Pflege, Erziehung, Bildung und Gesundheitswesen ist eine vorrangige und drängende Aufgabe der Politik. Die Coronakrise hat deutlich gezeigt, dass diese Bereiche systemrelevant sind. Es kann nicht sein, dass diese Versäumnisse nun durch eine Dienstverpflichtung junger Menschen aufgefangen werden sollen.“  

 







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