Fünf Jahre Hartz IV (k)ein Grund zum Feiern?!


Bildmontage: HF

08.04.10
BewegungenBewegungen, Hessen 

 

Wer feiert eigentlich hier und heute und was wird gefeiert?

Von Bernd Hannemann


Mit diesen Fragen konfrontierten Teilnehmer des Widerstandsbündnisses Marburg, der Erwerbslosenrat Mittelhessen und Mitglieder der Partei DIE LINKE am Mittwoch den 07. April die geladenen Gäste einer Jubelfeier des Kreis Job Centers (KJC) Marburg-Biedenkopf.
Anlässlich des fünfjährigen Bestehens feierte sich diese optierende Kommune selbst. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit waren selbstverständlich alle Mitglieder des Kreistages geladen, die Führungsspitze des KJC, die Bildungs- und Beschäftigungsträger sowie einige Mitglieder der Job-Akademie.
Natürlich ohne die ca. 10.000 Kunden und Hilfebedürftigen des Landkreises!

Vor dem Hintergrund der offensichtlich üblich gewordenen Steuerhinterziehung in Milliardenhöhe von sogenannten Leistungsträgern unserer Gesellschaft und nicht kontrollierter Zinsguthaben auf staatlichen Konten, empfinden die Betroffenen diese selbstgefällige Art der „Feierkultur“ als beachtliches Stück widerwärtiger Dekadenz und anstrengungsloses Wohlleben.
Insofern ist die Verfolgung des ständig beschworenen Hartz IV-Missbrauchs geradezu ein Treppenwitz.

Dem Versuch Westerwelles, durch Diffamierungskampagnen unter dem Leitsatz, wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspreche, lade zu spätrömischer Dekadenz ein, die grundgesetzlich geschützte Menschenwürde der ALG II Bezieher anzugreifen und eine Spaltung zwischen Niedrigverdienern und Erwerbslosen herbeizuführen, muss endlich auf breiter Front die Stirn geboten werden.

Deshalb kleideten sich die zehn Marburger AkivistInnen in Römer Kostüme und marschierten mit Transparenten eingerahmt als „Erwerbslosenkohorte Marburg-Biedenkopf“ zur Kreisverwaltung. Dort wurde ein prächtiges Mahl serviert, dass der Aufschrift „SPÄTRÖMISCHE DEKADENZ IM KJC? WIR FEIERN MIT!“ alle Ehre machte.
Mit Hähnchenschenkeln, Orangen, Weintrauben, Schampus und Weißbrot tafelten die Mitglieder der Truppe, nebst der in Toga gewandeten Senatores, im sonnendurchfluteten Rund vor den gläsernen Türen der Kreisverwaltung, was das Mahl hergab.
Vor den Türen deshalb, weil ein Polizeieinsatz nach etlichen Versuchen -am bereits für die Gäste angerichteten Buffet teilzunehmen, dieses Vorhaben verhinderte.
Selbstverständlich kamen auch mehrere Servus Publicus (Sklaven) um am Gelage teilzunehmen, ganz in der Tradition der römischen Sitte, dass bei den Saturnalien die Bewirtung durch die Herren üblich war, wurde ihnen das Mahl gereicht.

Als der Staatssekretär aus Wiesbaden mit dem Landrat die Kreisverwaltung verließ schallte ihnen der Ruf: „Pecunia non olet“ noch lange in den Ohren.
Aufgrund der gelungenen Aktion sind weitere Aktivitäten im europäischen Jahr gegen Armut und Ausgrenzung geplant.
 







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