Göttingen wird Sicherer Hafen


Foto: Seebrücke Göttingen

11.09.19
BewegungenBewegungen, Niedersachsen, TopNews 

 

Von Seebrücke Göttingen

Am Freitag, den 13.9. wird im Stadtrat über einen interfraktionellen Antrag abgestimmt, in dem sich Göttingen zum Sicheren Hafen erklärt. Der Antrag stützt sich auf das Forderungspapier der Seebrücke Göttingen. Um Sicherer Hafen zu werden, muss Göttingen die schnelle und unkomplizierte Aufnahme und Unterbringung von aus Seenot geretteten Menschen zusätzlich zur Verteilungsquote sicherstellen. Außerdem verpflichtet sich die Stadt, eine Patenschaft für ein ziviles Seenotrettungsschiff zu übernehmen und dem Städtebündnis „Städte Sicherer Häfen“ beizutreten. Um ihrem Anliegen erneut Nachdruck zu verleihen, stellt die Seebrücke Göttingen am 13.9. ab 13 Uhr ein Schlauchboot auf dem Hiroshima-Platz aus, mit dem Menschen versucht haben, über das Mittelmeer zu fliehen.

Anträge mit ähnlichen Forderungen wurden 2017 und 2018 bereits zweimal abgelehnt. Diesmal wird der Antrag von den Ratsfraktionen der SPD und der Grünen, der GöttingerLinke/ALG- und der PIRATENundPARTEI-Ratsgruppen sowie dem Ratsherren Welter-Schultes gestellt. Gemäß der aktuellen Sitzverteilung ist eine mehrheitliche Zustimmung wahrscheinlich. „Göttingen setzt damit ein wichtiges Signal in einem Europa, das zusieht, wie Hilfesuchende im Mittelmeer ertrinken, und das zivile Seenotretter*innen wie Kriminelle behandelt“ so Jan Behrends, ein Aktivist der Seebrücke Göttingen. „Wir erwarten,“ so Enrico Boccaccini von der Seebrücke „dass die Zusicherungen der Stadt nicht nur warme Worte bleiben und unsere Forderungen tatsächlich umgesetzt werden.“ In der Vergangenheit hat die Stadt argumentiert, es gäbe nicht genügend Wohnraum für Geflüchtete. „Unserer Ansicht nach ist das nicht mit der Tatsache aufzuwiegen, dass Menschen im Mittelmeer sterben. Wir hoffen, dass sich die Stadt Göttingen auch dem lange bekannten Problem des Wohnraummangels annimmt, um ein langfristiges und menschenwürdiges Ankommen zu gewährleisten,“ so Lena Glaser von der Seebrücke Göttingen.

Das Schlauchboot, das am Freitag vor dem neuen Rathaus ausgestellt wird, war bereits im Mai 2019 für eine Aktion der Seebrücke in Göttingen. Es ist 12m lang und 4,5m breit und sollte etwa 120 Menschen die Überfahrt nach Europa ermöglichen. Diesen Freitag wird die Seebrücke Göttingen anlässlich der Ratssitzung Informationsmaterial bereitstellen und mit interessierten Bürger*innen ins Gespräch kommen.

Die SEEBRÜCKE ist eine breite soziale Bewegung, die sich mit über 100 Lokalgruppen bundesweit für sichere Fluchtwege und die kommunale Aufnahme von aus Seenot geretteten Menschen einsetzt. Die Göttinger Lokalgruppe hat sich im Sommer 2018 gegründet. Gemeinsam mit anderen Initiativen, wie z. B. dem Lampedusa-Bündnis, versucht sie, das Thema Seenotrettung in den öffentlichen Diskurs zu rücken und die Politik zum Handeln zu bewegen. Eines ihrer zentralen Anliegen ist, dass Göttingen sich zum Sicheren Hafen erklären soll.

Seebrücke Göttingen

goettingen@seebruecke.org







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