Solidarität statt Verdrängung: May Ayim und Google

01.03.18
BewegungenBewegungen, Kultur, Berlin, News 

 

Von ISD-Bund e.V.

Die Schwarze feministische Poetin darf nicht von Google vereinnahmt werden, fordert die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD). Der Verein will auf die regionale Verdrängungspolitik im Raum Berlin aufmerksam machen. Google feiert May Ayim online in seiner Doodle-Anzeige und plant gleichzeitig die Verdrängung tausender migrantischer und armer Menschen in Berlin-Kreuzberg.

„May Ayims Erbe steht für Solidarität statt Verdrängung“, heißt es aus dem Vorstand der ISD. Vor acht Jahren wurde in Berlin Kreuzberg ein Teil des Spreeufers nach der Poetin, Autorin und Schwarzen Aktivistin May Ayim benannt. Dieser Jahrestag ist ein Grund zum Feiern. Auch für Google. Deren bebilderte Doodle-Anzeige (Suchfenster) letzten Montag zeigt May Ayim und sechs weitere Schwarze Frauen auf einem Buch sitzend mit der Firmenaufschrift. Im Hintergrund die Berliner Mauer und der Fernsehturm. Auf den ersten Blick solidarisiert sich Google also mit Schwarzen Frauen in Deutschland und zeigt das hippe Berlin. Doch es kommt auf den zweiten Blick an.

So möchte das Unternehmen mit seinem neuen Projekt „Google-Campus“ in der Ohlauer Straße in Berlin Kreuzberg junge Startup-Gründer*innen und deren Ideen anlocken, um später in die Aussichtsreichsten von ihnen zu investieren. Dieses Vorhaben wird von vielen Seiten kritisiert, da ein Einzug Googles in das migrantisch geprägte Viertel die bereits seit Jahren fortschreitende Gentrifizierung beschleunigen wird. Ein “Google-Campus” hätte zur Folge, dass die Mieten weiter steigen und die Menschen, die sich diese dann nicht mehr leisten können verdrängt werden und das sind genau diejenigen, die Kreuzberg zu dem gemacht haben, was es heute ist. May Ayim würde sich mit ihnen solidarisieren und nicht lächelnd für Google posieren.

Wir als Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD Bund) wollen nicht, dass May Ayim für ein derartiges Vorhaben vereinnahmt wird. Natürlich ist eine Doodle-Anzeige als Zeichen der Sichtbarmachung Schwarzer Geschichte in Deutschland erfreulich, doch ist May Ayim nicht das freundliche Gesicht der Verdrängung. Schon seit Jahren verlangen Initiativen bspw. Mietobergrenzen um genau dieser Verdrängung entgegenzuwirken. Doch bis jetzt hat die Politik sich nicht dazu durchringen können ihre Bürger*innen davor zu schützen. Es wird so getan, als seien Märkte eine Naturgewalt, doch genau dies ist nicht der Fall. Märkte werden von Menschen gemacht. Dabei geben die kapitalstärksten Marktteilnehmer*innen den Ton an. So auch der Google-Mutterkonzern Alphabet, der allein im dritten Quartal 2017 6,7 Milliarden US Dollar Gewinn gemacht hat.

Google ist damit nicht nur Marktteilnehmer, sondern Mitgestalter. Das Firmenmotto des Mutterkonzerns ist “do the right thing”. Und genau dieses fordert die ISD passend zum Jahrestag des „May-Ayim-Ufer“ ein: Don’t just show the right things, do the right thing!

1.     Dass Google nachhaltig in bestehende Kreuzberger Genossenschaften investiert. Sie nämlich sind der beste Garant für stabile Mieten und Verdrängungsschutz. Auch Mieter*innenvereine müssen von Google nachhaltig finanziell unterstützt werden - im Sinne verantwortlicher Beziehung zwischen Bewohner*innen und Investoren.

2.     Google Maps muss für Berlin ein Werkzeug für Mieter*innensolidarität und Milieuschutz werden. Dies kann durch ein Mapping der Mietpreisentwicklung, der Milieuschutzregelungen und Genossenschaften geschehen. Insbesondere für die Kieze um den geplanten Google Campus und das nahegelegene May-Ayim-Ufer soll Google sich verpflichten, die Auswirkungen der eigenen Investitionen mit den eigenen Tools über mindestens fünf Jahre öffentlich und interaktiv sichtbar zu machen.

Passend zum Jahrestag, der von Google genutzt wurde, wäre es außerdem begrüßenswert, wenn Google ein deutschlandweites Förderprogramm auflegt, dass sich gezielt an Schwarze Mädchen und junge Frauen im IT und Tech-Sektor richtet.

 

Vorstand ISD Bund  Bafta Sarbo, Siraad Wiedenroth, Vincent Bababoutilabo, Jonas Berhe, Tahir Della

 







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