Geht nicht wählen, sondern kämpft und wehrt euch!

19.08.13
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Erklärung von SoL* Sozialistische Linke zur Wahlboykottkampagne 2013

Proletarier aller Länder vereinigt Euch!

Dieses Dokument ist das Resultat eines längeren intensiven Diskussionsprozesses innerhalb von 'SoL'. Es steht teilweise im Widerspruch zu uns- erem Grundsatzpapier und korrigiert einige der dort artikulierten eklektischen, falschen Stand- punkte, Kriterien und Ideen.

Für uns ist es ein Schritt zu mehr Klarheit und mehr Marxismus, den wir auf diese Weise gerne mit den Genossinnen und Genossen außerhalb unserer Organisation teilen möch- ten. Die größere Klarheit erlaubt uns, basierend auf marxistischen Prinzipien, auf eine korrekte revolutionäre Art und Weise die bürgerlichen Wahlen im Sinne unserer Klasse zu benutzen.

Über den Parlamentarismus

„ […] einmal in drei oder sechs Jahren zu entscheiden, welches Mitglied der herrsch- enden Klasse das Volk im Parlament ver-und zertreten soll“ - Marx1

„ […] das ist das wirkliche Wesen des bürgerlichen Parlamentarismus, nicht nur in den parlamentarisch-konstitutionellen Monarchien, sondern auch in den allerdemokratisch- sten Republiken.“ - Lenin2

Sehr häufig wird die Teilnahme am Parlament damit begründet, dass Lenin und die Bol- schewiki, später die Kommunistische Internationale und in bestimmten Maße auch der Vorsitzende Mao Tse-Tung dies als eine Notwendigkeit für die Arbeit der Kommunisten in den imperialistischen Ländern ansahen.

Das bekannteste Referenzwerk für diesen Standpunkt ist das Werk „Der „Linke Radika- lismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus“ von Lenin. Das Hauptproblem bei der Argumentation, die heute die Teilnahme an Wahlen befürwortet ist, dass sie taktische Maßnahmen zu strategischen Prinzipien verwandelt. Der Standpunkt von Lenin war richtig, so wie der Standpunkt von Mao Tse-Tung – unter den konkreten Bedingungen ihrer Zeiten, basierend auf den bis dahin gemachten Erfahrungen des internationalen Proletariats.

Die revolutionäre Gewalt ist ein allgemeingültiges marxistisches Prinzip. Sie ist unbedingt notwendig, um die Macht zu erobern. Die Teilnahme an den bürgerlichen Wahlen hinge- gen war für die Kommunisten stets nur ein taktisches Mittel, um unter bestimmten Um- ständen, bestimmte Teile des Proletariats und der Massen zu erreichen. Diese Taktik war Teil eines allgemeinen Verständnisses, dass der revolutionäre Prozess in den imperialistischen Ländern dem „Weg des Oktober“ folgen würde.

Heute, fast 100 Jahre nachdem Lenin den „Radikalismus“ geschrieben hat, können wir konstatieren, dass ein Aufstand, wie der in Petrograd, sich nicht wiederholt hat und, dass die Kommunisten in der Welt erst mit dem Vorsitzenden Mao Tse-Tung eine kom- plette eigenständige Militärtheorie, den Volkskrieg, entwickelt haben. Auch wenn Mao Tse-Tung 1938 die allgemeine Meinung der Kommunistischen Internationale vertrat und sagte, dass die Kommunisten in den kapitalistischen Ländern das Parlament benutzen müssen, so gelangte die KPCh in den 1970er Jahren zu dem Verständnis, dass die Teilnahme am Parlament immer deutlicher seine Rolle verloren hat und das diese Praxis im Gegenteil in vielen Jahrzehnten nur negative Konsequenzen hatte.3

Es kann sein, dass die parlamentarischen Kretins uns vorwerfen „Anarchisten“, oder „Autonome“ zu sein. Sollen sie es ruhig tun. Wir antworten darauf, dass wir lieber mit den Leuten, die dieses System zumindest in diesem einen Punkt bekämpfen, zusammen stehen, als mit den Leuten, die dieses System mit Leib und Seele verteidigen.

Außerdem verläuft die Trennungslinie innerhalb der revolutionären Bewegung nicht entlang von Etiketten, sondern entlang der konkreten Bedingungen des Kampfes. Wir sind überzeugt, dass wir in dieser Frage, d.h. beim Wahlboykott, auf der gleichen Seite der Barrikade mit ein paar Autonomen und Anarchisten stehen. Davor haben wir keine Angst, sondern wir sind bereit uns mit allen zu vereinigen, mit denen wir uns in diesem Kampf vereinigen können. Wir machen das gerade, weil wir Kommunisten sind und, weil wir treu zum revolutionären Proletariat stehen.

Im Gegenteil dazu verhielt sich die griechische revisionistische 'KKE', als sie 2010 gegen die Massen das bürgerliche Parlament verteidigte4. Der Kampf der Massen hatte ein Niveau erreicht, das sich deutlich darin artikulierte, dass klar war „Heute wird das Parlament gestürmt“. Genau an diesem Punkt zeigte die 'KKE' ihre wahres Gesicht. Sie schloss sich mit den Schlägertruppen der Polizei zusammen und griff die Massen an.

Marx schrieb bereits 1850:
Weit entfernt, den sogenannten Exzessen, den Exempeln der Volksrache an verhaßten Individuen oder öffentlichen Gebäuden, an die sich nur gehässige Erinnerungen knüpf- en, entgegenzutreten, muß man diese Exempel nicht nur dulden, sondern ihre Leitung selbst in die Hand nehmen.5

Genau so ist es korrekt. Verhalten wir uns anders, sind wir keine Revolutionäre, sondern schwarze Hunde der Bourgeoisie, wie die 'KKE'. Und noch eine Sache zeigt uns diese Geschichte: Die Praxis der Massen ist stets weiter als die „Theorie“ des parlamentarischen Kretins.

Wir sehen ganz deutlich, dass unter den breiten Massen keine Illusionen mehr darüber bestehen, dass die Arbeiterklasse durch das bürgerliche Parlament die Macht übernehmen könne. Aber es gibt durchaus Gründe, warum sich trotzdem Teile unserer Klasse und der Massen an den Wahlen beteiligen. Zum einen geht es um Hoffnungen auf ganz konkrete Verbesserungen der Befriedigung von ökonomischen Bedürfnissen. Zum anderen ist die Arbeiteraristokratie auf die Seite der Bourgeoisie übergegangen und teilt somit die Interessen der herrschenden Klasse.

Diese Interessen vermittelt sie den Massen als deren Interessen. Außerdem besteht, begründet auf dem Verrat der Revisionisten, der Restauration des Kapitalismus und den faschistischen Diktaturen in den ehemals sozialistischen Ländern, das bürgerliche Vorurteil, dass es sich bei der bürgerlichen Demokratie um die höchstmögliche Form der Demokratie handele. Dies führt dazu, dass sich ein Teil der Klasse dafür entscheidet das „kleinere Übel“ zu wählen.

Über denWahlboykott

Betrachten wir die heutige Situation in den imperialistischen Ländern, vergegenwärtigen wir uns die Aufstände in den Banlieue in Frankreich (2005), die Aufstände der Arbeiterjugend in England (2010) und Schweden (2013), dann verstehen wir die Gesetzmäßigkeit der ungleichmäßigen Entwicklung der revolutionären Situation. Ganz deutlich sehen wir die Notwendigkeit, solche Situationen auch hier zu fördern, sie zu kanalisieren und sie in den Dienst der proletarischen Revolution zu stellen.

Die Kraft auf die wir uns stützen, das sind die „breitesten und tiefsten“ Massen, die am meisten unterdrückten und ausgebeuteten. Das sind diejenigen, die regelmäßig mit Arbeitslosigkeit konfrontiert sind, die die am schlechtesten bezahlten Arbeiten unter den widrigsten Arbeitsbedingungen leisten und unter ihnen besonders die Jugendlichen, die Frauen und die Migranten.

Diese Massen waren es, die im letzten Jahrzehnt tatsächlich den Aufstand in den imperialistischen Ländern gewagt haben und sie werden es wieder so spontan und ungelenkt tun, wenn die Revolutionäre sich nicht bewegen und ihre Aufgaben, solche Aufstände zu führen, erfüllen. Welche Standpunkte haben diese Massen zu den bürgerlichen Wahlen? Sie lehnen sie ab. Alle Statistiken weisen es aus, dass besonders die jungen Armen sich nicht dazu bewegen lassen ihre Stimme für dieses System abzugeben.

Ein Revolutionär ist nicht der, der Revolutionär wird beim Ausbruch der Revolution, sondern der, der die Prinzipien und Losungen der Revolution verteidigt, wenn die Reaktion am schlimmsten wütet, wenn die Liberalen und Demokraten am meisten schwanken. Ein Revolutionär ist der, der die Massen lehrt, auf revolutionäre Art zu kämpfen [...]“ - Lenin7

Für uns bedeutet das, dass wir die ablehnende Haltung der breitesten und tiefsten Massen gegenüber dem imperialistischen System, die in der Verweigerung wählen zu gehen zum Ausdruck kommt, entwickeln müssen. Der Slogan „Kämpft und wehrt euch!“ entspringt eben diesem Verständnis. Warum verwenden wir ihn so und nicht andersherum?

Weil wir für einen aktiven Widerstand eintreten und nicht für einen passiven. Weil wir von der Notwendigkeit offensive Aktionen zu entwickeln, die Initiative zu ergreifen und zu behalten, überzeugt sind. Weil wir nicht erst antworten können, wenn der Feind zugeschlagen hat.

In der Ablehnung des Parlamentarismus durch die tiefsten und breitesten Massen unterscheidet sich die Situation heute von der Zeit als Lenin im „Radikalismus“ schrieb:

Es ist klar, daß der Parlamentarismus in Deutschland politisch noch nicht erledigt ist.

Und weiter: „ [...] es kommt gerade darauf an, daß wir das was für uns erledigt ist, nicht als erledigt für die Klasse, nicht als erledigt für die Massen betrachten.

Der „besondere Haß der fortgeschrittenen Revolutionäre“ auf das Parlament ist zu einem Hass der Massen geworden.

Die Taktik muss auf einer nüchternen, streng objektiven Einschätzung [...] unter Berücksichtigung der von den revolutionären Bewegungen gesammelten Erfahrungen aufgebaut werden.8

Wir haben die Analysen der KPCh aus den 70er Jahren bereits erwähnt. Wie sollten wir die Lage heute anders einschätzen, wenn 2009, bei der letzten Bundestagswahl, so Wenige wie niemals zuvor in der Geschichte der BRD zur Wahl gegangen sind und, wenn es vor allem die jungen Armen sind die sich diesem Spektakel verweigern.

Was Lenin in „Über den Staat“ sagte hat sich allgemein durchgesetzt:

Die Macht des Kapitals ist alles, [...] das Parlament, die Wahlen, das sind Marionetten [...] Immer klarer wird für die Arbeiterklasse die Notwendigkeit des schonungslosen Kampfes gegen die Kapitalisten. In welche Formen immer die Republik sich hüllt, mag sie die allerdemokratischste Republik sein, wenn sie jedoch eine bürgerliche Republik ist, wenn in ihr das Privateigentum am Grund und Boden, an den Fabriken und Werken bestehengeblieben ist und das Privatkapital die ganze Gesellschaft in Lohnsklaverei hält, […] Wir werden all die alten Vorurteile, dass der Staat allgemeine Gleichheit bedeute, über Bord werfen. Das ist ein Betrug: Solange es Ausbeutung gibt, kann es keinerlei Gleichheit geben. Der Gutsbesitzer kann dem Arbeiter nicht gleich sein, der Hungrige nicht dem Satten. Die Maschine, die Staat genannt wurde, angesichts derer die Menschen in abergläubischer Verehrung haltmachen und den alten Märchen glauben, dass sie die Macht des ganzen Volkes verkörpere diese Maschine wirft das Proletariat beiseite und erklärt:
Das ist eine bürgerliche Lüge.
9

Die Taktik der Bolschewiki war richtig, das sagten wir bereits, und Lenin hatte recht als er im „Radikalismus“ schrieb:

Es kommt nur darauf an, daß man es versteht, diese Taktik so anzuwenden, daß sie zur Hebung und nicht zur Senkung des allgemeinen Niveaus des proletarischen Klassenbewußtseins, des revolutionären Geistes, der Kampf-und Siegesfähigkeit beiträgt.10

Genau darum lehnen wir den Parlamentarismus ab. Er hebt heute nicht, sondern senkt das Klassenbewusstsein, er stärkt heute nicht den revolutionären Geist, sondern schwächt ihn und er steigert heute nicht die Siegesfähigkeit, sondern er führt unausweichlich in den Niedergang. Kurz: Der Parlamentarismus ist als Kampfform des Proletariats historisch überholt.

Wenn dem so ist und wir, Lenin folgend, eine Taktik entwickeln wollen, dann kommen wir zu dem Punkt, an dem wir eine klare Stellungnahme für einen aktiven Wahlboykott leisten müssen und nicht bei allgemeinen Erklärungen darüber, dass Wahlen nichts ändern, stehenbleiben dürfen. Denn das würde bedeuten, dass wir dem Anspruch die Klassenkämpfe des Proletariats zu führen eine Absage erteilen würden.

Würden wir uns so verhalten, dann entspräche unser Verhalten dem was Lenin 1899 in „Eine rückläufige Richtung in der russischen Sozialdemokratie“ beschreibt:

Wünschenswert ist, was möglich ist, und möglich ist, was im gegebenen Augenblick vorhanden ist! Das ist doch das selbe, als ob man einen Menschen, der sich angeschickt hat, einen weiten und schwierigen Weg zurückzulegen, auf dem ihn eine Menge Hindernisse und eine Menge Feinde erwarten, wenn man einem solchen Menschen auf die Frage: Wohin soll ich gehen? antworten wollte: Es ist wünschenswert, dorthin zu gehen, wohin zu gehen möglich ist, und möglich ist es, dorthin zu gehen, wohin du im gegebenen Augenblick gehst! Das eben ist Nihilismus, nur kein revolutionärer, sondern ein opportunistischer Nihilismus, wie ihn entweder Anarchisten, oder bürgerliche Liberale zeigen!11

Wenn wir einen Blick in die offiziellen Statistiken werfen, dann sehen wir, dass sich im Jahr 2009 nur noch etwa 70% der Wahlberechtigten an der Bundestagswahl beteiligten. Das ist ein Minus von etwa 4.000.000 Wählern im Vergleich zu den Bundestagswahlen von 2005, die niedrigste Wahlbeteiligung seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und entspricht einem Rückgang von über 20 Prozentpunkten in den letzten 40 Jahren12 .

Hierbei ist hervorzuheben, dass sich diese Entwicklung trotz massiver ideologischer Kampagnen von Seiten der Herrschenden sich an den Wahlen zu beteiligen fortsetzt13. Ein Anhaltspunkt dafür, wie erfolgreich diese Kampagnen sind, zeigt sich daran, dass bei den Bürgerschafts-und Landtagswahlen, wo in der Regel auf solch umfassende Kampagnen verzichtet wird, die Wahlbeteiligung im Durchschnitt um mehr als 10 Prozentpunkte geringer ausfällt. Bei den Europa-Wahlen sind es sogar über 25 Prozentpunkte14. Erwähnenswert erscheint uns auch, dass sich die junge Menschen unter 30 Jahren nur zu etwa 60% an die Wahlurnen bringen lassen15 .

Außerdem ist die Ablehnung der Wahlen bei Menschen mit niedrigeren Einkommen deutlich höher als bei Menschen mit mittleren und höheren Einkommen. Auch die ideologische Ausbildung spielt eine große Rolle. Menschen mit keinem oder einem Hauptschulabschluss, also Menschen denen weniger ausführlich, weniger umfangreich und weniger systematisch die ideologischen, politischen und organisatorischen Grundlagen des deutschen Imperialismus beigebracht werden, äußern sich deutlich ablehnender gegenüber den bürgerlichen Wahlen, als Menschen mit Abitur. Des weiteren ist es so, dass dort wo die Wahlbeteiligung geografisch niedriger war, sie überproportional sinkt16 .

Diese Entwicklung ist mittlerweile soweit fortgeschritten, dass von Seiten der Herrschenden offen über eine Wahlpflicht nachgedacht und diskutiert wird17. Dies treibt derart skurile Blüten, dass im Europarat der Vorschlag gemacht wurde die Wahlen mit einer Lotterie zu verbinden um Anreize wählen zu gehen zu schaffen18. Die Situation ist also eindeutig was die Verankerung des Parlamentarismus bei den tiefsten und breitesten Massen betrifft. Sagten wir diesen Menschen lediglich, dass Wahlen nichts ändern, dann brächten wir sie nicht einen einzigen Millimeter vorwärts. Wir würden ihnen nur das sagen, was sie sowieso längst wissen. Wir würden nicht viel weitergehen als Friedrich-Ebert-Stiftung, Allensbach und Bertelsmann mit ihren Untersuchungen vom März bzw. Juni 2013. Wir würden uns so selbst überflüssig machen.

Über den Weg der Revolution

Jeder Kommunist muß diese Wahrheit begreifen: „Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen.““ - Mao19

Wir sind der Meinung, dass das Proletariats und besonders seine besten Kinder tatsächlich in der Lage sind Wunder zu wirken, die ganze Welt zu verändern, die Klassen abzuschaffen und die gesamte Menschheit zur Freiheit zu führen. Das geht natürlich nicht von Heute auf Morgen, aber wir müssen dieses Ziel aufzeigen.

Die Wahlboykottkampagne ist ein Schritt auf dem Weg dorthin. Dieser Weg ist, entsprechend der Lehren der Klassenkämpfe des Proletariats – die sozialistische Revolution in Deutschland, als Teil und im Dienste der proletarischen Weltrevolution, entsprechend der allgemeingültigen Militärtheorie des Proletariats, dem Volkskrieg – die Errichtung der Diktatur des Proletariats – der Aufbau des Sozialismus – durch Kulturrevolutionen mit Volkskrieg bis zum Kommunismus.

Warum ist der aktive Wahlboykott ein Schritt auf diesem Weg? Wie hilft er uns unsere Ziele zu erreichen? Parlamentarismus und revolutionäre Gewalt sind keine Komplemente in Form von Taktik und strategischer Notwendigkeit mehr. Vielmehr schließen sie einander aus. Dies manifestiert sich spätestens mit der Erklärung über den „friedlichen Übergang“ und den „friedlichen Wettbewerb“ durch die Chrustschow-Revisionisten auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956:

Der „friedliche Übergang“ beinhaltet, dass für die Revolution keine revolutionäre Gewalt mehr notwendig ist, sondern ein Gesellschaftssystem „auf friedlichem Weg“ über Wahlen, den Parlamentarismus, in ein anderes umgewandelt werden kann. Der These des „friedlichen Wettbewerbs“ liegt die Behauptung zugrunde, dass das imperialistische System zerstört werden könne, indem das sozialistische System mit ihm in Wettbewerb tritt, um zu beweisen, dass es überlegen sei, und die Imperialisten davon zu überzeugen, freiwillig zum Sozialismus überzugehen.20

Die „Deutsche Kommunistische Partei“, DKP, ist konkreter Ausdruck dieses Revisionismus. Gegründet als 5. Kolonne des russischen Sozialimperialismus, hat die DKP auch heute, nach dem Bankrott des Sowjetrevisionismus 1990, einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf große Teile der jugendlichen Revolutionäre. Ihre degenerierte Ideologie treibt sie tatsächlich zu Standpunkten wie dem, dass auf der Grundlage des Grundgesetzes in Deutschland der Sozialismus eingeführt werden könne. Ihre relative Erfolglosigkeit, ihre innere Zerstrittenheit und die Tatsache, dass sie bei Wahlen als Anhängsel der Linkspartei fungiert machen das von ihr verspritzte Gift nicht weniger gefährlich.

Die „Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands“, MLPD, ist, ebenso wie die DKP, dem Legalismus verfallen, lehnt ihrem ganzen Wesen nach die Notwendigkeit der revolutionären Gewalt ab und ist Anhänger des parlamentarischen Kretinismus. Als ob dies noch nicht genug wäre, befindet sie sich seit 2010 im Rahmen der ICOR (International Coordination of Revolutionary Parties and Organizations) mit ausgewiesenen Reaktionären und Revisionisten im Bunde.21 Ihrem reaktionären Charakter widerspricht es nicht, dass, nach eigenem Bekunden, sogar die Mao Tse-Tung Ideen22 zu ihrer ideologischen Grundlage gehören. Sie bekämpfen „rote Fahnen mit roten Fahnen“. Das ist es, was die 'MLPD', besonders im internationalen Maßstab, so gefährlich macht. Das ist es auch, warum wir Revolutionäre in Deutschland auch einen Fokus auf den Kampf gegen die 'MLPD' richten müssen.

In seinem Kampf gegen die kollektive Macht der besitzenden Klassen kann das Proletariat nur dann als Klasse handeln, wenn es sich selbst als besondere politische Partei im Gegensatz zu allen alten, von den besitzenden Klassen gebildeten Parteien konstituiert. -Diese Konstituierung des Proletariats als politische Partei ist unerlässlich, um den Triumph der sozialen Revolution und ihres höchsten Zieles, der Aufhebung der Klassen, zu sichern “ - 'Resolution des Haager Kongresses der IAA'23

Wir brauchen also eine Kommunistische Partei, die im Gegensatz zu allen alten Parteien steht. Wir haben uns die zwei Parteien in Deutschland angeschaut, die von sich selbst behaupten eben jenes zu sein.24 Doch stehen sie nicht im Gegensatz zu den alten Parteien, sondern sie stehen, wenn es ums Parlament geht, einträchtig mit den alten Parteien NPD/CDU/SPD/FDP/Grüne/Linkspartei zusammen, egal wie scharf sie sich von einander abzugrenzen versuchen und egal wie unterschiedlich sie tatsächlich in mancherlei Hinsicht sein mögen.

Wenn wir tatsächlich Revolutionäre sein wollen, wenn wir eine Kommunistische Partei aufbauen wollen, muss uns folgende Feststellung aus dem „Manifest“ stets bewusst sein:

Die kommunistische Revolution ist das radikalste Brechen mit den überlieferten Eigentumsverhältnissen; kein Wunder, daß in ihrem Entwicklungsgange am radikalsten mit den überlieferten Ideen gebrochen wird.“25

In dem Fall, den wir hier behandeln, brauchen wir den radikalen Bruch mit dem Parlamentarismus. Wir müssen ihn aber nicht nur einfach ablehnen, sondern ihm etwas Positives entgegensetzen: Ein klares Bekenntnis zur revolutionären Gewalt, als eine Notwendigkeit für die Eroberung der Macht durch das Proletariat. Damit brechen wir mit den meisten Formen des Revisionismus. Damit leisten wir einen Beitrag, um den kolossalen Berg von Abfall zu beseitigen.

Der Marxismus hat durch den Klassenkampf des internationalen Proletariats immer höher Entwicklungsstufen erreicht. Die heutige, der Maoismus, ist seine neue, dritte und höchste Stufe. Seit seinem Entstehen, seit Marx und Engels uns vor 165 Jahren mit dem „Manifest“ unser Programm, das Programm der Kommunisten bis zum Kommunismus, gaben, haben sich der Marxismus, als einzige wissenschaftliche Ideologie, und seine Prinzipien entwickelt. Die revolutionäre Gewalt, als eine unbedingte Notwendigkeit für die Machtergreifung durch das Proletariat, ist eines der Grundprinzipien.

Alle Versuche der Revisionisten und Opportunisten dies zu leugnen und dem Marxismus seine revolutionäre Spitze abzubrechen, scheitern, scheitern kläglich, wenn wir uns vergegenwärtigen, was die revolutionären Führer des internationalen Proletariats tatsächlich sagten:

Die Gewalt ist der Geburtshelfer jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen schwanger geht.“ - Marx26

Die Emanzipation des Proletariats wird auch einen besonderen militärischen Ausdruck haben, wird eine aparte, neue Kriegsmethode erzeugen. Cela est clair. “ - Engels27

Eine unterdrückte Klasse, die nicht danach strebt, Waffenkenntnis zu gewinnen, in Waffen geübt zu werden, Waffen zu besitzen, eine solche unterdrückte Klasse ist nur wert, unterdrückt, misshandelt und als Sklave behandelt zu werden.“ - Lenin28

Die Kardinalfrage der proletarischen Revolution besteht in der gewaltsamen Machtergreifung […]“ - ZK der KPCh29

[...] der Krieg hat seine Besonderheiten und das will sagen, daß er nicht mit der Politik schlechthin gleichgesetzt werden kann. [...] Die Politik ist Krieg ohne Blutvergießen, der Krieg ist Politik mit Blutvergießen.“ - Mao30

Die zentrale Aufgabe und die höchste Form der Revolution ist die bewaffnete Machtergreifung, ist die Lösung des Problems durch den Krieg. Dieses revolutionäre Prinzip des Marxismus-Leninismus hat allgemeine Gültigkeit, es gilt überall [...]“ - Mao31

Der revolutionäre Krieg ist ein Krieg der Volksmassen; man kann ihn nur führen, indem man die Volksmassen mobilisiert, indem man sich auf die Volksmassen stützt.“ - Mao32

Das Problem der revolutionären Gewalt anschneiden, heißt im Klartext, wie konkretisieren wir den Volkskrieg. Für uns steht fest, daß Mao Tse-Tungs Konzeption des Volkskrieges dem Proletariat eine militärische Linie gegen hat, die innerhalb der konkreten Bedingungen überall anwendbar ist. Wir sehen das Problem des Krieges folgendermaßen: Krieg hat immer zwei Aspekte, Zerstörung einerseits und Aufbau andererseits, wobei der Aspekt des Aufbaus der zentrale ist. Das anders zu sehen, würde bedeuten, die Revolution zu schwächen, sie zu unterhöhlen.“ - Gonzalo33

Diesen allgemeingültigen marxistischen Prinzipien über die revolutionäre Gewalt, den revolutionären Krieg und die Machtergreifung sind wir verpflichtet. Wir müssen sie verinnerlichen und wir dürfen nicht müde werden unsere Genossinnen und Genossen und die Massen in diesem Sinne zu erziehen. Diese Fragen sind von so zentraler Bedeutung, dass jedes Abweichen von ihnen dem Revisionismus und Opportunismus Tür und Tor öffnen würde.

Die künftige Kommunistische Partei wird, davon sind wir überzeugt, diese Prinzipien auf die konkreten Bedingungen hier im Land anwenden. Sie wird sich in ihrem revolutionären Kampf entwickeln und innerhalb des Klassenkampfes neue Antworten auf neue Probleme finden. So bewaffnet werden die Arbeiterklasse und die Massen in Deutschland in der Lage sein den deutschen Imperialismus ein für allemal zu begraben. Wir sind überzeugt, dass so und nur so das revolutionäre Proletariat in Deutschland seinen Beitrag für die Weltrevolution leisten wird.

In diesem Sinne werden wir die Wahlboykottkampagne entwickeln und wir sind fest entschlossen sie durch unsere energische Arbeit zu einer kraftvollen und erfolgreichen Kampagne zu machen. Wir grüßen die Genossinnen und Genossen, die sich an dieser Kampagne beteiligen. Trotz unserer ideologischen Differenzen ziehen wir mit dieser Kampagne gemeinsam eine Demarkationslinie zwischen uns und dem Feind – dem deutschen Imperialismus und den Revisionisten und Reaktionären, die ihm gute Dienste leisten.

Wir stärken damit unsere revolutionäre Verbundenheit untereinander und mit den Völkern der Welt, die täglich ihr Blut im Kampf gegen die imperialistische Mordmaschine vergießen. Diesen wichtigen Schritt dürfen wir nicht unterschätzen.

Geht nicht wählen, sondern kämpft und wehrt euch!

Die Rebellion ist gerechtfertigt!

Für den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands!

SoL * Sozialistische Linke Juli 2013

1 Karl Marx, „Der Bürgerkrieg in Frankreich“, MEW Bd. 17, S. 340
2 W. I. Lenin, „Staat und Revolution“, LW Bd. 25, S.393
3 vgl. Peking Rundschau zum 100. Jahrestag der Pariser Commune
www.massline.org/PekingReview/PR1971/PR1971-12-ParisCommune.pdf
4 vgl. unseren Artikel „Generalstreik in Griechenland und die KKE“, www.sol-hh.de/index.php/component/content/article/1-internationales/168-generalstreik-in-griechenland-und-die-kke
5 Karl Marx, „Ansprache der Zentralbehörde an den Bund vom März“, MEW Bd. 7, S. 249, unsere Hervorhebung
6 W. I. Lenin, „Die Entscheidung naht“, LW Bd. 9, S.452
7 W. I. Lenin, „Notizen eines Publizisten“, LW Bd. 19, S. 221
8 W. I. Lenin, „Der „Linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus“, LW Bd. 31, Sn. 44-49
9 W. I. Lenin, „Über den Staat“, LW Bd. 29, S. 478 f.
10 W. I. Lenin, „Der „Linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus“, LW Bd. 31, S. 60
11 W. I. Lenin, „Eine rückläufige Richtung in der russischen Sozialdemokratie“, LW Bd. 4, S. 268 f.
12 Zahlen nach www.bundeswahlleiter.de/de/bundestagswahlen
13 vgl. u.a. Prominenten-Kampagne „Geh nicht hin!“ (2009) oder Kampagne „Geh' wählen“ von ProSiebenSat.1 Media AG (2013)
14 Zahlen nach www.bundeswahlleiter.de/de/landtagswahlen und www.bundeswahlleiter.de/de/europawahlen
15 Zahlen nach Statistisches Bundesamt und Bundeszentrale für politische Bildung, www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/wahlen-in-deutschland/55594/nach-altersgruppen
16 Daten nach Friedrich-Ebert-Stiftung, „Wer sind die Nichtwähler?“, Dr. Armin Schäfer, 02.03.2013
17 vgl. BILD, „Schlechte Wahlbeteiligung – Führt jetzt die Wahlbeteiligung ein!“, 08.06.2009, DIE WELT, „Forscher fordert neue Diskussion über Wahlpflicht“, 14.05.2010 oder BILD, „Warum nicht eine WahlPFLICHT?“, 13.06.2013
18 Armin Schäfer, „Alles halb so schlimm?“, S. 10
19 Mao Tse-Tung, „Probleme des Krieges und der Strategie“, Worte des Vorsitzenden Mao Tse-Tung, S. 74
20 Internationale Linie, Kommunistische Partei Perus,
http://vnd-peru.blogspot.de/2012/02/internationale-linie-der.html
21 z.B. die „CPI (ML)“ in Indien, die „PCMLM“ in Bolivien, die „CPN Unified“ in Nepal oder die „PCC-m“ in Kolumbien
22 "Mao Tse-Tung Ideen“ ist eine innerhalb der Internationalen Kommunistischen Bewegung veraltete Formulierung, seit der Voritzende der PCP, Gonzalo, den Maoismus als dritte, höchste und neue Stufe des Marxismus definierte. Heute erklären sich, außer der PCP, u.a. die CPI (Maoist), die CPP, die TKP/ML und die MKP als Marxisten-Leniniste-Maoisten
23 „Resolutionen des allgemeinen Kongresses zu Haag vom 2. bis 7. September 1872“, MEW Bd. 18, S. 149
24 Chrustschow-, Breschnew-und Hoxha-Revisionisten (u.a. DKP, Arbeit-Zukunft und die KPD-Ost) haben gemeinsam unter der Überschrift „Flagge zeigen! – Unsere Aufgaben im Wahlkampf 2013/2014" dazu aufgerufen „das Nebeneinander im Wahlkampf zu überwinden“. Ziel ist die „Formulierung gemeinsamer Wahlziele“. Diese verkommene Truppe hat schon bei verschiedenen Anlässen gemeinsame Sache gemacht und propagiert nun den parlamentarischen Kretinismus.
25 Karl Marx und Friedrich Engels, „Manifest der Kommunistischen Partei“, S. 33 26 Karl Marx, „Das Kapital I“, MEW Bd. 23, S.779
27 Friedrich Engels, „Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Heiligen Allianz gegen ein revolutionäres Frankreich im Jahre 1852“, MEW Bd. 7, S.480
28 W. I. Lenin, „Das Militärprogramm der proletarischen Revolution“, LW Bd. 23, S. 75
29 ZK der KPCh, „Die proletarische Revolution und der Revisionismus Chruschtschows -Achter Kommentar zum Offenen Brief des ZK der KPdSU“,
http://archiv2.randzone-online.de/mewerke/meonline/me86.htm
30 Mao Tse-Tung, „Über den langwierigen Krieg“, Worte des Vorsitzenden Mao Tse-Tung, S. 71
31 Mao Tse-Tung, „Probleme des Krieges und der Strategie“, Worte des Vorsitzenden Mao Tse-Tung, S. 74
32 Mao Tse-Tung, „Kümmern wir uns um das Wohl der Massen, achten wir auf die Arbeitsmethoden“, Worte des Vorsitzenden Mao Tse-Tung, S. 104
33 Gonzalo, „Der Vorsitzende Gonzalo spricht aus dem Untergrund – Das Interview des Jahrhunderts“, Die Anden beben, S. 158

www.sol-hh.de/images/Broschueren/long.pdf

www.sol-hh.de/index.php/wb


VON: SOL* SOZIALISTISCHE LINKE






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