Rundreise mit dem israelischen Bürgerrechtler Gadi Algazi

06.07.13
BewegungenBewegungen, Internationales, News 

 

von Institut für Palästinakunde - IPK

Rundreise mit dem israelischen Bürger- und Menschenrechts-Aktivisten Dr. Gadi Algazi aus Tel Aviv (15. - 21. Juli) 

In diesem Juli organisiert das IPK zwischen dem 15. und dem 21. eine Vortragsreise mit dem deutschsprachigen Bürgerrechts- und Menschenrechtsaktivisten Dr. Gadi Algazi aus Tel Aviv, die durch sechs deutsche Städte führen wird.

Den Themen-Schwerpunkt bildet die Situation der arabischen Beduinen (israelischen Staatsbürgern !) im Negev, von denen rund einhunderttausend in rund 40 nicht anerkannten Dörfern leben, die über keinerlei öffentliche Infrastruktur - Strassen, Kanalisation, Elektrizität, Schulen, Krankenhäuser etc. - verfügen.

30.000 bis 70.000 von ihnen sollen im Rahmen eines staatlichen "Entwicklungsprogramms" durch Zwangsumsiedlung von ihrem Land getrennt und in einigen wenigen Orten konzentriert werden.

Thematisiert wird auch der Jüdische Nationalfond (JNF), der an diesem "Entwicklungsprogramm" beteiligt ist, während seine deutsche Tochter-Organisation hierzulande vortäuscht, dass es sich bei ihm um eine Art Umweltschutzorganisation handele.


Stadt

Tag

Veranstaltungs-Infos

Veranstalter

Göttingen

15.7.2013 (Mo)

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Aktion Gerechter Frieden Nahost

Solingen

16.7. (Di)

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Dialoggruppe Israel-Palästina

Bonn

18.7. (Do)

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Institut für Palästinalkunde e.V.

Darmstadt

19.7. (Fr)

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Israel-Palästina Solidaritätskreis

Nürnberg

20.7. (Sa)

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Nürnberger Evangelisches Forum
für den Frieden e.V.

Freiburg

21.7. (So)

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Cafe Palästina Freiburg


Gadi Algazi

Gadi Algazi wurde 1961 in Tel-Aviv geboren, hier lebt er noch heute. Er hat in Göttingen promoviert und ist heute Professor für Mediävistik an der Universität Tel-Aviv.

Gadi Algazi kann auf eine lange Geschichte in der israelischen Bürgerrechtsbewegung zurückblicken. Bereits als Achtzehnjähriger organisierte er eine Gruppe von Kriegsdienstverweigerern. 1979 verweigerte er den Dienst in der israelischen Armee und wurde dafür ins Gefängnis geworfen. Frei kam er dank einer internationalen Kampagne auch mithilfe von 'amnesty international'.

2000 war er an der Gründung der jüdisch-arabischen Gruppe Ta'ayush ("Zusammenleben") beteiligt, die in der Westbank zahlreiche gewaltlose Aktionen zur Unterstützung der palästinensischen Zivilbevölkerung gegen die Mauer organisierte.

Heute ist er vor allem für Tarabut-Hithabrut aktiv, die nach dem Libanonkrieg 2006 gegründet wurde. Diese Gruppe - Tarabut bedeutet "Zusammenbringen" - ist eine eine jüdisch-arabische Organisation, die versucht, benachteiligte und diskriminierte Juden und Palästinenser in Israel zusammenzubringen. In diesem Zusammenhang hat sich Gadi besonders für die Beduinen im Negev, im Süden Israels eingesetzt, von denen aktuell mehrere zehntausend von Enteignung und Vertreibung bedroht sind.

Der 'Jüdische Nationalfonds' (JNF)

Der Jüdische Nationalfonds (JNF), der sich in Deutschland als philanthropische Umweltschutzorganisation ausgibt, ist Israels älteste und bedeutendste Siedlerkolonialorganisation.

Seit seiner Gründung im Jahr 1901 bestand seine Aufgabe darin Land aufzukaufen, die gegebenfalls auf dem Land befindlichen arabischen Pächter zu vertreiben und es mit Juden zu besiedeln, um so die territoriale Grundlage für den jüdischen Staat zu schaffen.

Bis zum sogenannten "Unabhängigkeitskrieg" im Jahr 1948 gelang es dem JNF eine Fläche von 936 Quadratkilometern unter seine Kontrolle zu bekommen.

Auf die durch den Krieg ermöglichte physische Entfernung von 750.000 Palästinensern - die zwingende Voraussetzung für die Gründung des jüdischen Staates in Palästina - folgte deren Enteignung. Dazu erliess der israelische Gesetzgeber anfang der 50er Jahre Gesetze, die allein dazu dienten die vertriebenen Palästinenser zu enteignen und ihren Privatbesitz in den Besitz des Staates zu bringen. 
Zu einem der Hauptprofiteure dieses Raubzugs wurde der JNF, der dem Staat den Grossteil des geraubten Landes abkaufte, so dass der JNF heute rund 2,500 Quadratkilometer, rund ein Achtel der der Landfläche Israels kontrolliert.

An seinen kolonialen, ethnisch diskriminierenden Statuten hielt der JNF dabei fest: Bis heute verpachtet er Land ausschliesslich an Juden. Seine Pachtverträge, die auch die Beschäftigung von Nichtjuden auf dem gepachteten Land ausschliessen, sehen bei Verstössen gegen diese Zweckbindung Strafen vor.

Trotz seiner räuberischen Vergangenheit, seiner andauernden ethnisch diskriminierenden Verpachtungspraxis und seiner gegenwärtigen Beteiligung an Programmen zur Zwangsumsiedlung von Beduinen im Negev, gehören der JNF und seine Projekte zu den Lieblingen der Vertreter der amtlichen 'deutsch-israelischen Freundschaft'.

Bulldozer gegen Beduinen

Im Negev ist der JNF federführend an einem sogenannten 'Entwicklungsplan' vbeteiligt, der zum Ziel hat, hunderttausende von Juden im Negev anzusiedeln. Gleichzeitig plant der israelische Staat mehrere zehntausend Beduinen von ihrem Land zu vertreiben und sie zwangsweise in von Arbeitslosigkeit und Kriminalität gezeichneten Townships anzusiedeln. Die Dörfer der Beduinen, deren Anerkennung der israelische Staat ablehnt, obgleich viele bereits vor der Staatsgründung bestanden, sollen mit der technischen Unterstützung des JNF zerstört werden und teilweise unter JNF-Wäldern verschwinden.

Der Zweck dieser hierzulande als 'Umweltschutzprojekte' ausgegebenen Wälder besteht hier ganz ausschließlich darin, die Spuren der Geschichte der Palästinenser unter den Bäumen zu begraben und sie endgültig an der Rückkehr oder Nutzung ihres Landes zu hindern.

Eines dieser 'nicht anerkannten' Dörfer, dessen Bewohner sich auch mithilfe jüdischer Aktivisten gegen die Vertreibung durch den JNF zu wehren versuchen, ist Al-Arakib, dessen Behausungen schon über 40 mal niedergerissen wurden. Dass Al-Arakib über einen rund 100 Jahre alten Friedhof verfügt und auch auf britischen Karten verzeichnet ist, die auf vor der Staatsgründung datiert sind, spielt vor israelischen Gerichten keine Rolle. Denn gestützt auf eine rein von staatlichen Interessen geleitete Auslegung des britischen und osmanischen Rechts kamen die Richter zu dem Urteil, dass Al-Arakib eine neue „illegale“ Beduinen-Siedlung sei.

Der unerwartet zähe Widerstand in Al-Arakib hat jedoch weit über den Negev hinaus Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Prominente Israelis wie David Grossmann und Amos Oz forderten ihre Regierung in dieser Petition dazu auf, die Vertreibung der Beduinen zu stoppen. Sogar das EU-Parlament hat sich mit dem Fall befasst und verlangt in dieser Entschließung ein Ende der Vertreibungen - mit der Unterstützung von Parlamentariern der SPD und der GRÜNEN.


VON: INSTITUT FÜR PALÄSTINAKUNDE - IPK






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