Atomausstieg der Bundestagsmehrheit reicht nicht aus


urantransport.de

04.07.11
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von Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen

– 300 bis 400 Menschen fordern sofortige Stilllegung der Urananreicherungsanlage Gronau

Zeitgleich demonstrieren 200 Menschen im russischen Angarsk gegen deutschen Atommüll

Am Sonntag sind im westfälischen Gronau erneut 300 bis 400 AtomkraftgegnerInnen auf die Straße gegangen – trotz, bzw. gerade wegen,  des am Donnerstag beschlossenen Langzeit-Atomausstiegs. Vor der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage des Urenco-Konzerns kamen die Menschen zu einer Kundgebung und einem Straßenfest zusammen um auch die Stilllegung der Urananreicherungsanlage Gronau zu fordern.

Diese wird nämlich im vom Parlament beschlossenen Atomausstieg gar nicht berücksichtigt. Momentan wird die Urananreicherungsanlage weiter ausgebaut und soll zukünftig rund 35 Atomkraftwerke mit angereichertem Uran versorgen, obwohl seit Donnerstag in Deutschland nur noch 9 AKW in Betrieb sind.
„Es ist kein Atomausstieg, wenn hier lediglich die ältesten Schrott-AKW abgestellt werden, aber weiterhin unbefristet AKW in aller Welt aus Gronau mit angereichertem Uran beliefert werden.,“
so Udo Buchholz, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und Mitglied des AKU Gronau. Auch der japanische Atomkonzern Tepco wurde vom Urenco-Konzerrn mit Uran beliefert, ebenso Kunden in Frankreich, Schweden, USA und vielen anderen Ländern. „Wenn es im Ausland zu einem GAU kommt, sind auch wir in Deutschland betroffen – und durch den Uranexport gleichzeitig mit verantwortlich,“ so Buchholz weiter.

Ebenso wie Buchholz forderten auch weitere Kundgebungs-Rednerinnen und -Redner einen konsequenten Atomausstieg, so etwa Benjamin Körner (Vorstands- und Präsidiumsmitglied von ver.di im Bezirk Münsterland), Heiner Möllers und Felix Ruwe (Vorstandsmitglieder der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“) und eine Vertreterin der Initiative für den sofortigen Atomausstieg (SOFA) aus Münster. Den wohl weitesten Anfahrtsweg hatte Günter Hermeyer. Das Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg berichtete über die aktuelle Situation im Wendland. Aus dem Ausland, dennoch aber mit kurzem Anfahrtsweg, kam Jan Peters. Er wohnt in Enschede (NL) und ist in regionalen Bündnissen gegen die niederländische Urananreicherungsanlage in Almelo aktiv. Für den Ausbau der Schwesteranlage der Gronauer Urananreicherungsanlage findet derzeit ein Genehmigungsverfahren statt, in dem bis zum 10. August Einsprüche erhoben werden können.

Weil ein durchgreifender Atomausstieg weder in der Bundesrepublik noch international in Sicht ist, knallten bei dem Gronauer Straßenfest auch noch nicht die Sektkorken. Zwar begrüßen die AtomkraftgegnerInnen die Abschaltung der Schrott-AKW durch Schwarz-gelb, aber richtig gefeiert werden kann erst dann, wenn alle Atomanlagen abgeschaltet sind und keinen weiteren Atommüll produzieren.

Ebenfalls am Sonntag, kurz vor der Kundgebung in Gronau, kamen in Angarsk in Russland 200 Menschen zu einer Demonstration zusammen. Marita Wagner, Gronauerin und ehemalige Klägerin gegen die Gronauer Urananreicherungsanlage, verlas bei der Kundgebung in Gronau ein Grußwort aus den Reihen der russischen Anti-Atomkraft-Bewegung. Dort in Sibieren lagert inzwischen eine beachtliche Mengen Uranmüll, welcher auch aus Gronau stammt. Die russische Journalistin Swetlana Slobina hatte deswegen im Frühjahr versucht mit der Urenco Kontakt aufzunehmen – vergeblich.

Kürzlich wurde ihr ein Brief, den sie an Bundesumweltminister Norbert Röttgen geschickt hatte, beantwortet. Auf die Fragen der Journalistin geht der Umweltminister jedoch nicht ein, er windet sich stattdessen und bezeichnet das abgereicherte Uran als einen „Wertstoff“. „Nur können die Menschen in Russland mit diesem „Wertstoff nichts anfangen“ erklärt Jens Dütting vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen. „Abgereichertes Uran erneut anzureichern ist sehr uneffektiv. Das ist etwa so, als versuche man Orangenschalen ein zweites mal auszupressen“ so Jens Dütting weiter. Der Uranmüll wird vermutlich in Russland weiterhin unter freiem Himmel liegen bleiben. Dass die Fässer in Sibieren durchrosten interessiert Norbert Röttgen, der sich gerne als Atomkraftgegner zu profilieren versucht, nicht.

Für die Münsterländer AtomkraftgegnerInnen ist klar: Sie werden auch weiterhin Protestaktionen an der Urananreicherungsanlage Gronau durchführen und ihre Zusammenarbeit mit den russischen und niederländischen UmweltschützerInnen intensivieren. Eine weitere Aktion gab es bereits zeitgleich mit der Kundgebung an der Gronauer Urananreicherungsanlage. Mitglieder verschiedener Anti-Atomkraft-Initiatven führten den 300. Sonntagsspaziergang rund um die Urananreicherungsanlage durch. Diese Sonntagsspaziergänge finden seit Ende 1986 immer am ersten Sonntag im Monat an der UAA statt.

Weitere Informationen zu den Gefahren der Urananreicherung und der Urantransporte gibt es im Internet unter www.aku-gronau.de und unter www.uranntransport.de, Informationen zum Ausbau der niederländischen Urananreicherungsanlage unter
http://www.rijksoverheid.nl/documenten-en-publicaties/rapporten/2010/02/26/startnotitie-duits.html

 


VON: AKTIONSBÜNDNIS MÜNSTERLAND GEGEN ATOMANLAGEN






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