Mönchengladbacher Friedensforum in Angarsk am Baikal-See


Bildmontage: HF

17.07.12
BewegungenBewegungen, Umwelt, Internationales, NRW, TopNews 

 

von Bernhard Clasen

„Wir sind verantwortlich für die Folgen unserer Atommüllexporte nach Russland“

Eine dreiköpfige Gruppe des Friedensforums Mönchengladbach hält sich diese Tage in Angarsk am Baikal-See auf. Ziel der Reise ist es, den Menschen der Stadt, die unter erhöhten Krebsraten leidet, die Solidarität zu erklären und das Projekt einer geplanten Städtepartner-schaft Angarsk-Mönchengladbach weiter voranzutreiben.

Zwischen 1996 und 2009 war Angarsk am Baikalsee Bestimmungsort mehrerer tausend Tonnen hochgiftigen abgereicherten Urans der Gronauer Firma „Urenco“. Wie sicher die Lagerung des deutschen Atommülls vor Ort ist, lässt sich nicht sagen, da unabhängige Experten keinen Zugang zu der Lagerstätte haben.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Angarsker Journalistin Swetlana Slobina von der Lokalzeitung „Vremja“ sprachen der katholische Priester Edmund Erlemann, der Mönchengladbacher Ratsherr Bernhard Clasen und die Studentin Helena Friedrich am Dienstag über Atommülltransporte und Städtepartnerschaft.

In der Nacht vor der Pressekonferenz war das Auto des Chefredakteurs der „Vremja“, Oleg Tjumenew, von Unbekannten in Brand gesteckt worden. Die „Vremja“ hatte in der Vergangenheit wiederholt heiße Themen aufgegriffen, gegen Wahlfälschungen, die Erhöhung der Diäten für die Stadtdeputierten und deutsche Atommülltransporte in die Stadt geschrieben.

Seit Januar 2012 wird der krebskranke 9-jährige Angarsker Junge Nikita Saizew in der Universitätsklinik von Hannover behandelt. Nikita, der im Herbst 2011 bereits im vierten Stadium an Krebs erkrankt war, hatte ein Neuroblastom in der Magengegend. Die Behandlungserfolge in Hannover geben Anlass zu der Hoffnung, dass Nikita weiter leben kann.

„Wir müssen uns unserer Verantwortung für die deutschen Atommüllexporte bewusst werden“ erklärte Edmund Erlemann, der Sprecher des Mönchengladbacher Friedensforums. „Es kann nicht sein, dass wir unseren Atommüll nach Russland entsorgen und uns anschließend nicht um die Menschen kümmern, die unter unserem Atommüll zu leiden haben.“ so Erlemann. Deswegen sammelt das Mönchengladbacher Friedensforum in Zusammenarbeit mit dem Mönchengladbacher 'Eine Welt'- Laden Spenden für den erkrankten Angarsker Jungen. 

Erst kürzlich, so die Angarsker Journalistin Swetlana Slobina auf der Pressekonferenz, sei ein Brief des Ministeriums für natürliche Ressourcen und Ökologie des Gebietes Irkutsk öffentlich geworden, der eine für Angarsk erschreckende Statistik anführt. Statistisch haben 1,5 von 1000 Angarsker Kindern eine bösartige Geschwulst. Im Gebiet Irkutsk, zu dem auch Angarsk gehört, seien es statistisch nur 0,63 Kinder, die an einer bösartigen Geschwulst leiden, so die Journalistin Swetlana Slobina unter Berufung auf offizielle Quellen. Die Behörden müssen endlich Schritte unternehmen, um die Ursache der hohen Krebsrate in Angarsk herauszufinden.

Am Ende der Pressekonferenz wurde die russische Version des Filmes „Nikita“ von Peter Wingert gezeigt, das den Leidensweg des krebskranken Nikita beschreibt. In einem Grußwort an die Pressekonferenz, das auch von der Angarsker Zeitung „Vremja“ veröffentlicht wird, beklagte Wingert die Profitgier der Atomindustrie. „Zählt der Profit mehr als die Gesundheit eines 9 jährigen, der nur einer von vielen ist, die in Angarsk krank werden - wahrscheinlich wegen des Atommülls.“ so der Regisseur in seinem Schreiben.

Zum Photo: Pressekonferenz in der Stadtverwaltung von Angarsk.

Von links nach rechts:
Swetlana Slobina,
Redakteurin der Angarsker Zeitung „Vremja“
Bernhard Clasen,
Mönchengladbacher Ratsherr
Edmund Erlemann,
Sprecher des Friedensforums Mönchengladbach
Helena Friedrich,
Studentin
Nina Saizewa,
die Tante des erkrankten Nikita

 

 

 


VON: BERNHARD CLASEN






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