2. Juni: Sonderzug mit Uranmüll ist eine rollende Zeitbombe im Dschungel der Corona-Sicherheitsbestimmungen


Foto: BBU

02.06.20
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Proteste in Gronau und Münster

Von BBU

Mit Mahnwachen auf einer Brücke vor der Gronauer Urananreicherungsanlage und am Hauptbahnhof von Münster wurde am Dienstag (2. Juni) spontan gegen die Abfahrt eines Sonderzuges mit Uranmüll von Gronau über Münster nach Russland demonstriert. Das Gronauer Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), Udo Buchholz, bezeichnete den erneuten Start eines Sonderzuges mit Uranmüll als „rollende Zeitbombe im Dschungel der derzeitigen Corona- Sicherheitsbestimmungen“. Weitere Proteste gegen Urantransporte und für die Stilllegung der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage (UAA) werden vorbereitet.

Erstes Fahrtziel des Uranmüllsonderzuges ist der Hafen von Amsterdam. Dort übernimmt der Uranfrachter Mikhail Dudin die radioaktive Fracht aus Gronau und transportiert sie nach Russland. Bei dem Transportmaterial handelt es sich um abgereichertes Uranhaxafluorid, das bei der Urananreicherung in großen Mengen als Uranmüll anfällt und zum Teil auch neben der Urananreicherungsanlage in Containern unter dem freien Himmel gelagert wird.

Der Transportweg des Sonderzuges und weitere Urantransporte mit belgischen LKW

Der Uranmüllzug fuhr am Dienstag um 13.15 Uhr durch den Hauptbahnhof in Münster. Die Durchfahrt in Hamm war um 13.50 Uhr und um 15.15 Uhr wurde der Uranzug am Güterbahnhof Hagen-Vorhalle gesichtet. Von dort gibt es noch zwei Fahrtmöglichkeiten: Über Hagen-Gevelsberg-Wuppertal-Düsseldorf-Mönchengladbach-Venlo oder über Hagen-Witten-Dortmund-Castrop-Herne-Wanne-Eickel-Gesenkirchen-Oberhausen-Wesel-Emmerich.

Während der Mahnwache in Gronau erreichten zudem mehrere belgische LKW mit jeweils einem Uranhexafluoridcontainer die Gronauer Urananreicherungsanlage. „Unsere Proteste richten sich gegen alle Urantransporte. Gegen den Bahnrtransport und gegen LKW-Transporte. Beide Transportarten sind mit Gefahren behaftet“, so Udo Buchholz vom BBU-Vorstand.

Sonderzüge mit Uranmüll sind 2019 und 2020 bereits mehrfach von Gronau nach Russland gestartet. Anfang April hatte sich deshalb die Stadt Münster beim Urenco-Konzern, der die Uranfabrik in Gronau betreibt, gegen die Urantransporte durch Münster ausgesprochen. Und Immer wieder protestieren Anti-Atomkraft-Initiativen gegen die Urantransporte mit Mahnwachen. Im vergangenen Herbst waren zudem zwei Uranmüllzüge im Münsterland durch Abseilaktionen für jeweils mehrere Stunden gestoppt worden.

Die Route der Uranmüllzüge führt von Gronau über Steinfurt, Münster, Drensteinfurt, Hamm, den Kreis Unna, das Ruhrgebiet, den Grenzübergängen Emmerich bzw. Venlo und viele niederländische Orte bis zum Hafen Amsterdam. Nach der Verschiffung nach St. Petersburg geht es per Bahn weiter zum Zielort Novouralsk bei Ekaterinburg. Novouralsk ist eine sog. "Geschlossene Atomstadt" aus sowjetischen Zeiten, die für Außenstehende nur mit Sondergenehmigung zu betreten ist. In Novouralsk wird der Uranmüll unter freiem Himmel für unbestimmte Zeit gelagert.

Die Proteste reissen nicht ab

Am Sonntag (7. Juni) werden sich traditionell um 14Uhr wieder Mitglieder mehrerer Anti-Atomkraft- und Friedensinitiativen aus dem Dreiländereck NRW-Niederlande-Niedersachsen zum traditionellen Sonntagsspaziergang an der Gronauer Uranfabrik treffen. Die Sonntagsspaziergänge finden bereits seit Ende 1986 immer am ersten Sonntag im Monat statt.

Ebenfalls für Sonntag, 7. Juni, rufen Anti-Atomkraft- und Klima-Initaitiven zur Teilnahme an einer Fahrrad-Demonstration in Münster zum Münsteraner Wahlkreisbüro von Bundesumweltministerin Svenja Schulze auf, um angesichts der Inbetriebnahme des Kohekraftwerkes Datteln IV und der fortgesetzten Uranmüllexporte von Gronau nach Russland gemeinsam für einen sofortigen Ausstieg aus Kohle und Atom zu protestieren. Startpunkt ist um 14 Uhr auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Alfred-Krupp-Weg.

Hintergründe

Die Urananreicherungsanlage in Gronau wird vom Urenco-Konzern betrieben.

Sie gehört zu je einem Drittel dem niederländischen und britischen Staat – das deutsche Drittel teilen sich RWE und EON zu gleichen Teilen. Die Bundesregierung und die NRW-Landesregierung üben die fachliche und politische Atomaufsicht über die Urananreicherung in Gronau aus. Beide Regierungen lehnen eine Stilllegung der Urananreicherungsanlage im Rahmen des deutschen Atomausstiegs bislang ab. Dagegen gab es in den letzten Jahren immer wieder Proteste von Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbänden. Erst im Januar hatten die russischen Umweltorganisationen Greenpeace und Ecodefense im Bundesumweltministerium 70 000 Unterschriften aus Russland gegen die Uranmüllexporte überreicht.







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