Internationale ethecon Awards 2019: Vorstand & Großaktionäre des weltgrößten Fleisch-Produzenten JBS S.A. am Pranger


Fotos: ethecon


24.11.19
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Von ethecon

Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Rachna Dhingra geehrt

Am 23.11.2019 wurden in Berlin im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung die indische Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Rachna Dhingra und die von Aktivist*innen aufgebaute Klinik Sambhavna Trust mit dem Internationalen ethecon Blue Planet Award 2019 geehrt.

Vorstand und Konzern-Gründer José Batista Sobrinho sowie seine Söhne, die Großaktionäre Joesley und Wesley Mendonça Batista vom weltgrößten Fleisch-Konzern JBS S.A. (Brasilien) wurden mit dem Internationalen ethecon Dead Planet Award geschmäht.

Auf der Leinwand des Saales prangten vor dem Hintergrund eines düsteren Fotos brennenden Regenwaldes drei Portraits:

- José Batista Sobrinho / CEO, Vize-Präsident und Firmengründer von JBS
- Joesley Mendonça Batista / Großaktionär und ehemaliger CEO
- Wesley Mendonça Batista / Großaktionär und ehemaliger Chairman

Die drei Mitglieder des Batista-Clans, der den weltgrößten Fleischkonzern JOSÉ BATISTA SOBRINHO S.A. (JBS) gegründet hat und bis heute maßgeblich besitzt, kontrolliert und leitet, wurden am 23.11.2019 in einer öffentlichen und per Livestream weltweit übertragenen Veranstaltung in Berlin von ethecon Stiftung Ethik & Ökonomie (in Zusammenarbeit mit dem Dachverband der kritischen Aktionär*innen) wegen ihrer Verantwortung für zahllose Verbrechen gegen Mensch und Umwelt mit dem wohl bekanntesten Schmähpreis für Konzern-Verbrechen, mit dem Internationalen ethecon Dead Planet Award 2019 an den Pranger gestellt.

Zugleich wurde die indische Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Rachna Dhingra mit dem Internationalen ethecon Blue Planet Award 2019 geehrt. Sie kämpft seit Jahrzehnten in Bhopal (Indien) für die Entschädigung hunderttausender Opfer der größten Chemie-Katastrophe in der Geschichte der Menschheit, um Gerechtigkeit für zehntausende Angehörige von in diesem verheerenden Desaster ums Leben gekommener Menschen und um die Sanierung von auf zig Quadratkilometern verseuchtem Boden und Wasser in der indischen Multi-Millionen-Metropole, in der 1984 ein Pestizid-Werk, das heute zum Chemie-Konzern DOW DUPONT gehört, explodierte.

Der Lateinamerika-Experte Christian Russau ging in seiner Schmährede zu den mit dem Internationalen ethecon Dead Planet Award 2019 an den Pranger gestellten Preisträgern von JBS auf die zahlreichen Bestechungs- und Gammelfleisch-Skandale ein, auf deren Verantwortung für die anhaltenden gigantischen Brand-Rodungen im Amazonas-Gebiet und auf die von JBS ausgehende brutale und tödliche Gewalt gegen Indigene.

Das ethecon-team verlas auf Deutsch und Portugiesisch den Offenen Brief an die geschmähten Preisträger des Internationalen ethecon Dead Planet Award 2019: „In erster Linie verantwortlich für Entscheidungen und Handeln des Fleisch-Konzerns JBS S.A. sind Sie

- José Batista Sobrinho / CEO, Vize-Präsident und Firmengründer von JBS
- Joesley Mendonça Batista / Großaktionär und ehemaliger CEO
- Wesley Mendonça Batista / Großaktionär und ehemaliger Chairman

als führende Manager und wichtige Großaktionäre. Ihnen gehört der Konzern zu wesentlichen Teilen. Sie leiten entscheidend die Firma. Auf ihr Konto gehen der Ruin der menschlichen Gesundheit und die Zerstörung der Umwelt im großen Stil, ja selbst der Tod vieler Menschen. Sie stellen nicht nur eine Gefahr für den Frieden und die Menschenrechte dar, sondern auch für die Demokratie, die Ökologie und die Menschheit insgesamt. Sie handeln zum Vorteil persönlicher Macht und privater Bereicherung. Dafür treten sie Moral und Ethik mit Füßen und nehmen den Untergang der Erde als toter, unbewohnbarer Planet in Kauf.“

Die Laudatio für die mit dem Internationalen ethecon Blue Planet Award 2019 geehrte Preisträgerin aus Indien hielt Michael Gottlob von Amnesty International. Er erinnerte dabei daran, dass die schreckliche Katastrophe andauert, dass die Opfer noch immer leiden und dass die trauernden Angehörigen von ums Leben gekommen Menschen noch immer auf Gerechtigkeit warten. Da die großflächig verseuchten Böden und die Grund- und Oberflächengewässer bis heute nicht entseucht und saniert sind, vergiften sich täglich neu Menschen, jedes Jahr sterben in Bhopal weiter Hunderte Menschen. Die Katastrophe selbst ist nicht nur ein Verbrechen des DOW Konzerns, der für den Profit in skandalöser Weise an der Sicherheit sparte, auch die anhaltende Verweigerung von Entschädigung und Sanierung ist ein Verbrechen.

Axel Köhler-Schnura, Gründungsstifter und Vorstand von ethecon, zitierte aus der Begründung für die Verleihung des Internationalen ethecon Blue Planet Award 2019: „Die Menschenrechts- und Umweltaktivistin Rachna Dhingra (Indien) verteidigt ungeachtet ihrer eigenen Sicherheit Menschen- und Umweltrechte und stellt sich Krieg, Ungerechtigkeit, staatlicher Gewalt und Konzernwillkür mutig entgegen. Sie tritt entschlossen nicht nur für die Menschen- und Umweltrechte ein, sondern auch für einen Ausbau dieser universalen Grundrechte. Sie handelt zum Vorteil der mensch­lichen Gemeinschaft. Sie hält Moral und Ethik hoch und stemmt sich gegen den Untergang der Erde als toter, unbewohnbarer Planet. ethecon sieht in einer zunehmend auf den Profit als einzigem Kriterium jeglicher Entscheidung und Entwicklung ausgerichteten Welt im Handeln von Rachna Dhingra und dem Team des Sambhavna Trust einen herausragenden Beitrag zu Rettung und zum Erhalt unseres Blauen Planeten“

In ihrer Dankrede betonte die indische Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Rachna Dhingra die Leistungen der einfachen Menschen im chemisch verseuchten Bhopal: „Jeder Erfolg, etwa der Zugang zu sauberem Leitungswasser oder die Wiederaufnahme von Gerichtsverfahren gegen die für die Chemie-Katastrophe von 1984 Verantwortlichen von DOW DUPONT, ist dem Kampfgeist und der Ausdauer der ganzen Bevölkerung von Bhopal zu verdanken.“ Sie stellte dabei die neben ihr stehende junge Frau Nousheen Khan vor, die selbst Familienangehörige an das Gift verloren hatte und sich heute als Sprachtherapeutin um geschädigte Kinder kümmert. Dhingra bedankte sich für den ihr verliehenen Ehrenpreis und die Trophäe, die von der bekannten Düsseldorfer Street-Art-Gruppe „Farbfieber“ um Klaus Klinger in der Toulouser Allee in Düsseldorf-Derendorf als Wandbild (Mural) zu finden ist. Bei der in Berlin überreichten Preis-Trophäe handelt es sich um ein von dem Künstler Klaus Klinger signiertes Foto dieses Mural, wie üblich beim Blue Planet Award ein wertvolles Unikat.

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ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie ist im Gegensatz zu den vielen Konzern-, Familien-, Kirchen-, Partei- und Staatsstiftungen eine der wenigen Stiftungen „von unten“ und folgt dem Leitmotiv „Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung!“. Die noch junge Stiftung sucht weitere Zustiftungen, Spenden und Fördermitglieder.

Bereits seit 2006 verleiht ethecon jährlich die beiden internationalen Positiv- und Negativ-Preise, den Internationalen ethecon Blue Planet Award für herausragenden Einsatz für Erhalt und Rettung des „Blauen Planeten“ sowie der Internationalen ethecon Dead Planet Award für schockierende Verantwortung für Ruin und Zerstörung der Erde. Blue Planet Preisträger*innen waren ua. Vandana Shiva/Indien, Uri Avnery/Israel, und Jean Ziegler/Schweiz, der Black Planet Award schmähte u.a. bereits Manager und GroßaktionärInnen der Konzerne BP/Großbritannien, TEPCO/Japan und DEUTSCHE BANK/Deutschland und FORMOSA PLASTICS/Taiwan.







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