Gelungener Auftakt der Berufsverbote-Ausstellung in Hannovers Volkshochschule


Die Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der Berufsverbotepraxis in Niedersachsen, Jutta Rübke, berichtet bei der Ausstellungseröffnung; Foto: Dr. Michael Hüser

18.10.17
BewegungenBewegungen, Niedersachsen 

 

Von Matthias Wietzer

Als „begrüßenswert" und als „kleines Stück Rehabilitierung" bezeichnete der Leiter der Ada-und-Theodor-Lessing-Volkshochschule Hannover, Michael Guttmann, die Präsentation der von der „Niedersächsischen Initiative gegen Berufsverbote" erstellten Austellung „`Vergessene`Geschichte: Berufsverbote - Politische Verfolgung in der Bundesrepublik Deutschland", die bis zum 10. November im Foyer der Bildungseinrichtung gezeigt wird. Millionenfache politische Überprüfungen sollten einschüchtern und abschrecken, dass habe er „an allen Ecken und Enden" in seiner Gymnasiallehrerausbildung selbst gespürt.

„Es gibt keinen besseren Ort in Hannover für diese Ausstelltung", stellte Bürgermeister Thomas Hermann fest, der die zahlreichen Besucher/innen im Namen der Landeshauptstadt Hannover vor dem Gemälde mit den Portraits der vom Berufsverbot betroffenen Hochschullehrer Theodor Lessing und Peter Brückner begrüßte. Er betonte, dass es in der deutschen Geschichte immer wieder Kräfte gab und gibt, die linke Kritiker und Oppositionelle einzuschüchtern versuchen. Wichtig sei es die Freiheit zu verteidigen; bereits 1984 habe der hannoversche Rat gegen Berufsverbote und Verfassungsbruch Stellung bezogen.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Laura Pooth, die zu Beginn der Berufsverbotepraxis noch nicht geboren war, dankte den Initiatoren der Ausstellung und hob hervor, dass ohne die früher vom Berufsverbot betroffenen Lehrer/innen „unsere Schulen um einiges ärmer an Wissen und Potential" wären. Gegenüber der Landesregierung formulierte sie die Forderung nach Ausgleich und materieller Entschädigung für die Betroffenen. Auch solle die Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der Berufsverbotepraxis mit ihrem Beirat ihre wichtige, aber zeitlich begrenzte Tätigkeit fortsetzen können. Die GEW Niedersachsen werde auch künftig, u. a. mit einer landesweiten Veranstaltung, den Betroffenen solidarisch zur Seite stehen.

Die Beauftragte des Landes Niedersachsen, Jutta Rübke, erinnerte an den Landtagsbeschluss, in dem sich das Parlament für geschehenes Unrecht gegenüber den Betroffenen entschuldigt habe. Niedersachsen sei das erste Bundesland, das eine ernsthafte Aufarbeitung der damaligen Praxis betreibe. Gewerkschaften, Kommunen und Kirchen sollten sich ihrer Meinung nach des Themas ebenfalls annehmen. Misstrauen, zehntausendfache Verunsicherung und Duckmäusertum seien durch die damalige Berufsverbotepraxis im Öffentlichen Dienst erzeugt worden. Über 170.000 Anfragen habe es seinerzeit in Niedersachsen bei der Behörde Verfassungsschutz gegeben. Spätestens Ende Dezember wird die Landesbeauftragte ihren detaillierten Bericht zur Aufarbeitung der Berufsverbotepraxis in Niedersachsen vorlegen.

Im Namen der Betroffenen dankte die hannoversche Lehrerin Cornelia Booß-Ziegling für die vielfältige Unterstützung bei der Durchführung der Ausstellung und der nachfolgenden Veranstaltungen. Sie lud zur Diskussion über das in der Öffentlichkeit auch kontrovers diskutierte Thema der Grund- und Menschenrechte ein und verwies auch angesichts zahlreicher „Härtefälle" auf die Notwendigkeit materieller Wiedergutmachung.

Umrahmt wurde die Veranstaltung mit einem „Verköstigungsprogramm für die anderen Sinne": Das Ensemble Csókolom begeisterte das Publikum mit dem Sound Transsilvaniens und feurig-musikalischen Rhythmen. Mit viel Beifall beendete das international erfolgreiche Trio die Veranstaltung mit dem ungarischen Abschiedslied „Der Vogel ist fortgeflogen".

 

Weitere Informationen und Begleitveranstaltungen:

Die von der Niedersächsischen Initiative gegen Berufsverbote konzipierte Ausstellung wurde in mehr als 25 Städten bundesweit gezeigt und wird von einem Rahmenprogramm begleitet. Der Eintritt zur Ausstellung und zu den Veranstaltungen ist frei. Die Ausstellung kann während der regulären Öffnungszeiten der VHS besichtigt werden.

 

  • 19. Oktober (Donnerstag), 19.30 Uhr, Historisches Museum Hannover, Großer Saal, Eingang Burgstraße: Vortrag und Gesprächsrunde "Gewerkschaften und Berufsverbote – Bestandsaufnahme und Konsequenzen" mit Dr. Hartmut Simon, ver.di, Eberhard Brandt, GEW Niedersachsen, Hartmut Tölle, Vorsitzender des DGB-Bezirks Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt, und dem Publikum.
  • 26. Oktober (Donnerstag), 19.30 Uhr, Foyer der VHS: Vortrag des Historikers Prof. Dr. Wolfgang Wippermann, FU Berlin, zum Thema „Totalitarismusideologie und Berufsverbote".
  • 2. November (Donnerstag), 18.30 Uhr, Historisches Museum Hannover, Großer Saal, Eingang Burgstraße: Lesung mit Silvia Gingold, erhielt 1975 ein Berufsverbot, und Dr. Ulrich Schneider, Bundessprecher der VVN-BdA.

Führungen für Schulklassen und Besuchergruppen werden kostenlos angeboten. Kontakt und Anmeldung über Cornelia Booß-Ziegling, Telefon 0511-625212 oder Matthias Wietzer, Telefon 0511-4582694.

Termin(e): 17.10.2017 bis 10.11.2017 von 10:00 bis 21:00 Uhr
Ort: Ada-und-Theodor-Lessing-Volkshochschule Hannover
Burgstraße 14, 30159 Hannover







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