Friedensnobelpreis 2017: Von alten und zukünftigen Atomwaffen


Bildmontage: HF

08.10.17
BewegungenBewegungen, Umwelt, Internationales, Baden-Württemberg 

 

Von Axel Mayer

Die "Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung" (Ican) hat den Friedensnobelpreis 2017 bekommen. Ican hat sich um ein vertragliches Verbot solcher Waffen bemüht. Der Preis geht endlich einmal an die Richtigen und auch der Bund für Umwelt und Naturschutz gratuliert.

Schon seit den frühen Konflikten um das geplante AKW Wyhl waren der Kampf gegen die militärische und die nur scheinbar friedliche Nutzung der Atomenergie, der Widerstand gegen Atomversuche und Atomkraftwaffen stets auch unser Ziel, unsere Aufgabe und unser Thema bei den trinationalen Anti-Atom-Protesten am Oberrhein.

Die jetzt geehrte "Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung" kümmert sich zurecht um die Bedrohung durch die bestehenden atomaren Waffenarsenale, auf die jetzt auch die internationale Aufmerksamkeit gerichtet ist. Die letzten Atomwaffenversuche Nordkoreas und die Äußerungen des amerikanischen Präsidenten Trump vor der UN und seine Ansage „Dann haben wir keine andere Wahl als die totale Zerstörung Nordkoreas“ zeigen die globalen Gefahren mehr als deutlich. Der Konflikt nimmt eine Dimension an, die nicht nur Millionen Opfer fordern kann, sondern den Weltfrieden gefährdet. Die Zuspitzung der Krise zeigt aber auch, was es bedeutet, wenn Neurotiker an der Spitze von Atomwaffenstaaten bei ihren kindisch-gefährlichen Sandkastenspielen über die schrecklichsten Vernichtungswaffen der Welt verfügen. In der bisherigen Berichterstattung zur Preisverleihung fehlen drei wichtige Aspekte leider häufig:

 

  • Die immer noch nicht abgezogenen amerikanischen Atomwaffen am deutschen Standort Büchel. Der Friedensnobelpreis ist ein Ansporn, diesen atomaren Dorn im Fleisch endlich zu ziehen.
  • Der andere wichtige Aspekt ist die auch von der EU finanzierte Entwicklung von neuen Thorium-Reaktoren. Kleine und kleinste "umweltfreundliche & grüne" Thorium-Atomkraftwerke sollen zukünftig überall auf der Welt gebaut werden und die Forschung wird mit EU-Geldern gefördert. Aus den alten, großen Druck- und Siedewasser-Reaktoren würden unzählige Klein- und Kleinstreaktoren... Viele kleine Reaktoren sind viele kleine, zwangsläufig schlecht gesicherte, potenzielle Anschlagsziele.
  • Der BUND stellt die Frage, warum sonnenreiche Staaten wie die Türkei, Saudi-Arabien, Jordanien, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate extrem teure, neue AKW bauen wollen. Geht es tatsächlich um den teuren Atomstrom oder um einen Machtzuwachs nach nordkoreanischem Vorbild?


Die wiederbelebte Idee der Verbreitung von vielen kleinen und großen AKW auf der Welt ist ein globales Selbstmordprogramm und ein atomarer Alptraum. Atomkraftwerke sind Diktators und Terrorists Liebling. Der aktuelle Alptraum der nordkoreanischen Atombewaffnung würde durch den weltweiten Export von neuen AKW in Spannungsgebiete und von "schönen, kleinen Thoriumreaktoren" in´s Unendliche vergrößert.

Der Friedensnobelpreis muss Ansporn für die Umwelt- und Friedensbewegung sein, sich nicht nur noch stärker als bisher um die bedrohlichen alten Atomwaffenarsenale zu kümmern, sondern auch gegen die Gefahren der Proliferation und zukünftiger Atomkraftwaffen anzugehen.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer Freiburg, Vizepräsident Trinationaler Atomschutzverband TRAS Basel







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