Gerichtsprozess gegen vier mutmaßliche Schlachtfabrikblockierer / innen am 24.10.2013 in Straubing


Bild: visual-rebellion.com

21.10.13
BewegungenBewegungen, Umwelt, Wirtschaft, Bayern 

 

SCHÜTZT DIE JUSTIZ DAS SYSTEM WIESENHOF?

Von Mastanlagen Widerstand

Am 09.März diesen Jahres wurde die zu diesem Zeitpunkt erst vor Kurzem erweiterte Wiesenhof-Schlachtfabrik durch etwa 30 Aktivist/innen für mehrere Stunden blockiert – vier Personen sollen jetzt dafür verantwortlich gemacht und am Amtsgericht Straubing verurteilt werden.

Neben den vier Angeklagten, sind der Prokurist des Wiesenhof-Konzerns und ein weiterer Angestellter der Firma in den Zeugenstand zur Verhandlung geladen.

Über ein halbes Jahr später, am Donnerstag, 24. Oktober, stehen vier Schlachtfabrikgegner/innen vor Gericht. Vorgeworfen wird ihnen, sich an Betonfässern vor der Schlachterei des Konzerns Wiesenhof nahe Straubing angekettet und damit den Betrieb aufgehalten zu haben.

„Hausfriedensbruch“ und „Nötigung“ heißt es nun im Strafbefehl, den die Aktivist/innen erhalten haben.

„Nötigung“, so eine der Angeklagten, „heißt im Gesetztestext, einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung zu nötigen und kann mit bis zu drei Jahren Haftstrafe verurteilt werden. Verquer finde ich aber vielmehr, wenn Menschen, die darauf aufmerksam machen, dass das massenhafte grauenvolle Mästen und  das gewaltvolle Töten so vieler Tiere an der Tagesordnung ist, mit Hilfe solcher Paragraphen verurteilt werden sollen. Menschen, die sich dieser Maschinerie und deren Gewalt in den Weg stellen!“

Hintergrund der im März diesen Jahres stattfindenden Blockade war unter anderem die damals kürzlich abgeschlossene Erweiterung des Wiesenhof Betriebes – 220.000 Tiere können dort jetzt täglich getötet und in kürzester Zeit „verarbeitet“ werden.

Damit einher geht, dass in ganz Deutschland momentan, wie auch zukünftig,

800 weitere Hühnermastanlagen gebaut werden und gebaut werden sollen – die wirtschaftliche Verdrängung anderer Unternehmen will Wiesenhof so auf Kosten von Menschen, Tieren und der Umwelt austragen.

Tiere werden in dem vom Markt gesteuerten System zu Produkten und Ware degradiert. Es wird keine Rücksicht auf das Leben von Individuen und deren Bedürfnisse genommen.

Einer der Kritikpunkte der Schlachtfabrikblockade ist Wiesenhofs Handeln, durch das möglichst viele Tiere innerhalb kürzester Zeit im Akkord geschlachtet werden. Im Schnitt werden so in einer Mastanlage 40.000 Hühner innerhalb von 40 Tagen unter unwürdigen Bedingungen gemästet, dann zur Schlachtfabrik transportiert, um dort für Menschen konsumierbar gemacht zu werden.

Ganz aktuell regt sich darüber hinaus erneut Widerstand in vielfältigen Formen gegen neu entstehende Tierfabriken auch in Bayern . So sollen in den Landkreisen Dillingen und Pfaffenhofen insgesamt drei Hühnermastanlagen erweitert bzw. neu gebaut werden. Im Landkreis Donau-Ries soll zusätzlich eine Ferkelaufzucht für den Großkonzern Straathof entstehen, gegen deren Bau sich Aktive in dem Aktionsbündnis "Stoppt den Saustall" zusammengeschlossen haben.

„Wie wichtig aktiver Widerstand ist, zeigten erst kürzlich unter anderem bei Report Mainz und Stern TV erschiene Berichte aus Mastanlagen“, kommentiert eine der Aktivist/innen. "Die Recherchegruppe Soko Tierschutz hätte in jüngster Vergangenheit Bilder geliefert, die die grauenvollen Lebensbedingungen von Tieren in diversen bayerischen Mastanlagen, beispielsweise  im Landkreis Landshut und Altötting, zeigen. Dabei handle es sich um erschreckende Bilder, die nahezu in jeder Tierfabrik täglich aufgenommen werden könnten. "

Da es sich Aktivist/innen des Bündnisses MASTANLAGEN WIDERSTAND zum Ziel gesetzt haben, Wiesenhof Mastanlagen durch vielfältigen Widerstand direkt zu verhindern, finden seither Aktionen statt, die die Thematik um industrielle Hühnermast in den Fokus der Öffentlichkeit bringen.

„Am 24.Oktober wird noch einmal zur Sprache kommen, was durch die Blockade der Wiesenhof Schlachtfabrik in Bogen bei Straubing schon angesprochen

wurde: "Die Auswirkungen industrieller Tierhaltung sind so immens, dass es nicht reicht, die Augen davor zu verschließen oder die Maschinerie zu boykottieren. Deshalb werde ich den Gerichtsprozess kommende Woche gegen die vier Angeklagten verfolgen. Ob sie durch die Justiz verurteilt werden, wird sich herausstellen – fest steht für mich aber, dass ich mich weiterhin der Tierhaltung aktiv in den Weg stellen werde!“, so ein Aktivist von MASTANLAGEN WIDERSTAND.

MASTANLAGEN WIDERSTAND

 

MASTANLAGEN WIDERSTAND ist ein im Februar 2012 gegründetes Aktionsbündnis gegen Wiesenhof und dessen Zuliefererbetriebe. Weitere Informationen finden sie zu dem Bündnis und seinen Zielen unter:

http://mastanlagenwiderstand.blogsport.de/projektbeschreibung/







<< Zurck
Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz