Abschiebung einer fünfköpfigen Familie aus Göttingen

06.10.17
BewegungenBewegungen, Niedersachsen, News 

 

Von Grüne Jugend Göttingen

Zwei Jahre lang wohnte Familie Pacolli mit ihren drei Kindern in Deutschland. Der Asylantrag der Familie wurde abgelehnt. Nach Ende der freiwilligen Ausreisepflicht drohte der Familie somit die Abschiebung und sie war gezwungen am 23.09.2017 das Land zu verlassen. Die Grüne Jugend Göttingen solidarisiert sich mit der Familie Pacolli und veröffentlicht daher den offenen Brief einiger MitspielerInnen des jungen boat people projekts:

Sehr geehrte LeserInnen,

Mit Bestürzung haben wir erfahren, dass unser Freund und Mitspieler Muhamed Pacolli abgeschoben wurde. Hiermit wollen wir dazu Stellung nehmen.

Wir sind Jugendliche des jungen boat people projekts Göttingen. Bei unserem Theaterprojekt spielen Jugendliche aus vielen verschiedenen Ländern mit. Zusammen haben wir die Jugendoper „Lotario- Beyound Doupt“ anlässlich der internationalen Händel-Festspiele erfolgreich aufgeführt.

Für dieses Projekt haben wir fast ein Jahr zusammen gearbeitet, gespielt und geprobt. Über diesen Zeitraum sind wir immer enger zusammengewachsen und das gemeinsame Theaterspielen hat uns viel Freude gemacht. Wir haben viel voneinander gelernt und  nach jeder Probe konnten wir etwas mit nach Hause nehmen.

Krieg und Flucht sind schwierige Themen; das Theaterspielen hat geholfen diese zu verarbeiten. Auch die deutschen Mitspieler haben sehr davon profitiert. Und eins ist klar: Wir sind eine große Gemeinschaft geworden und jeder von uns gehört hier her.

Umso mehr hat es uns geschockt, als wir erfuhren, was mit unserem Freund Muhamed geschehen sollte. Er, seine Eltern und seine zwei kleinen Geschwister wurden in den Kosovo abgeschoben. Für uns ist das völlig unverständlich: Wie ist es zu verantworten, dass eine Familie mit drei Kindern, die seit zwei Jahren hier lebt, in ein unsicheres Land ohne gesicherte Zukunft zurück muss?

Muhamed spricht nahezu perfekt Deutsch und geht gerne zur Schule. Sehr stolz ist er auf sein Zeugnis, da er einen Notendurchschnitt von 2,8 bekommen hat. In seiner Freizeit spielt er viel Fußball im Verein; er wurde sogar schon Torschützenkönig.

Göttingen ist sein zu Hause geworden, hier wohnen alle seine Freunde.

Auch das Theaterspielen macht ihm sehr viel Spaß, bei unserem letzten Stück verkörperte er den „Lotario“ auf wirklich herausragende Weise.

Aber wie soll unsere Theatergruppe weiter bestehen, wenn fast alle von unseren Mitspielern von einem Tag auf den anderen abgeschoben werden können? 80% von uns sind von einer Abschiebung bedroht. Unter diesen unsicheren Bedingungen Theater zu spielen ist sehr schwierig.

Wir haben einen Mitspieler aus Afghanistan, der nach jeder Probe ganz bewusst „Bis zum nächsten Mal“ sagt. Sich mit „Bis morgen“ oder „Bis nächste Woche“ zu verabschieden ist seiner Meinung nach nicht richtig.

Man kann nie sicher sein. Und nun fragen wir Sie: Werden wir irgendwann bewusst „Bis morgen“ sagen können?

Mit diesem Schreiben wollen wir die Öffentlichkeit auf die, unserer Meinung nach, unmenschliche Praxis der Abschiebepolitik aufmerksam machen. Muhamed und seine Familie gehören hier her!

Hochachtungsvoll,

Carla Becker, Nick Loewen, Dominique Jahn, Emily Lorentz, Shah Maqsod Mahmody, Shari Wolff, Yasmin Schröter, Lene Weiß, Arif Ullah, Palina Berenson, Franziska Hubl, Stella Loewen

 







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