Prozessauftakt im Berliner „Ehren“-Mordfall: TERRE DES FEMMES fordert mehr Präventionsarbeit

01.03.22
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Von TDF

Prozessauftakt im Berliner „Ehren“-Mordfall: Brüder sind angeklagt, ihre Schwester aufgrund ihres „Lebenswandels“ ermordet zu haben

Gewalt im Namen der "Ehre": TERRE DES FEMMES fordert mehr Präventionsarbeit an Schulen und niedrigschwellige Angebote für Betroffene

Am morgigen Mittwoch, den 2. März, beginnt am Berliner Landgericht der Mordprozess gegen zwei Brüder. Die 27 und 23 Jahre alten Männer sind angeklagt, ihre Schwester aufgrund ihres „Lebenswandels“ ermordet zu haben. Die 34-jährige Mutter von zwei Kindern (10 und 14 Jahre alt) wurde in Afghanistan mit 16 Jahren zwangsverheiratet und konnte sich schließlich aus der gewaltsamen Ehe befreien. Die Brüder wollten nicht akzeptieren, dass ihre Schwester selbstbestimmt und frei lebte und kontrollierten sie gewaltsam bis zu ihrem Tod. Am 13. Juli 2021 sollen sie ihre Schwester ermordet, die Leiche zerstückelt und im Koffer von Berlin nach Bayern transportiert haben, wo sie den Koffer vergruben. Die beiden Männer sitzen seit August in Untersuchungshaft.

Der Prozess beginnt morgen um 10.00 Uhr im Berliner Landgericht. Es sind bis 12. August weitere Prozesstage geplant.

Dieser Fall ist kein Einzelfall
TERRE DES FEMMES macht darauf aufmerksam, dass dieser Fall kein Einzelfall ist. Nach Recherchen von TDF wurden in den letzten zwei Jahren 25 Personen Opfer von versuchten oder vollzogenen „Ehren“-Morden. Diese Zahl stellt jedoch nur die Spitze des Eisberges dar. Viele Mädchen und Frauen haben bereits vor einer solchen Tat massiv unter patriarchalischer Gewalt, Zwangsverheiratung und Frühehe zu leiden. Allein in Berlin waren 2017 nach einer Umfrage des Berliner Arbeitskreises gegen Zwangsverheiratung 570 Personen von einer Zwangsverheiratung in Berlin bedroht oder betroffen – darunter vor allem weibliche Minderjährige und junge Erwachsene unter 21 Jahre, die teils massiver Gewalt und Morddrohungen ausgesetzt waren. Die Dunkelziffer wird viel höher eingeschätzt, weil die Betroffenen sich oft aus Angst oder Unkenntnis der Hilfsangebote niemandem anvertrauen. 

Forderungen von TERRE DES FEMMES

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Bundesweite Präventionsarbeit an Schulen
- Verstärkung der niedrigschwelligen Hilfs- und Unterstützungsangebote für geflüchtete Frauen (z. B. sofortige und umfassende Beratung in der Herkunftssprache, psychologische Unterstützung und ggf. konkrete Hilfe bei der Flucht vor gewalttätigen Familienmitgliedern/Anonymisierung)
- Dauerhafte Finanzierung von spezialisierten Beratungsstellen/Schutzeinrichtungen und Schaffung weiterer Einrichtungen
- Personelle Aufstockung der MitarbeiterInnen in Schule und Jugendamt
- Schulungen aller Berufsgruppen, die mit potentiell Betroffenen arbeiten
- Verbesserung der Schutzmaßnahmen für Betroffene von Zwangsverheiratung und Gewalt im Namen der "Ehre" (z. B. Hilfen bei der Anonymisierung und Namensänderung).

TERRE DES FEMMES geht aktuell mit dem Schultheaterprojekt „Mein Herz gehört mir!- Gegen Zwangsverheiratung und Frühehen“ an Berliner Schulen, leistet Präventionsarbeit, Aufklärung und konkrete Hilfe.







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