Klima-Aktivist:innen blockieren Eröffnung der Tesla Gigafactory in Grünheide bei Berlin

22.03.22
BewegungenBewegungen, Umwelt, Brandenburg, TopNews 

 

Von Sand im Getriebe

Reaktion auf Eröffnungsfeier der neuen Autofabrik im Trinkwasserschutzgebiet am Weltwassertag

Anlässlich der Eröffnungsfeier des Tesla-Produktionszentrums in Grünheideblockieren circa 20 Umweltaktivist:Innen seit 12:20 die drei Einfahrten der Fabrik. Sie machen damit auf die Problematik der Tesla-Fabrik in Brandenburg und dieAusbeutung des globalen Südens durch Elektromobilität aufmerksam. Mehrere Aktivist:Innen klebten sich dabei mit ihren Händen auf den Asphalt.

Neben den Blockaden auf den Zufahrtsstraßen blockierte eine Gruppe durchlangsames Fahrradfahren die Landstraße und eine angemeldete Demo führtevom Bahnhof Fangschleuse bis vor das Gelände von Tesla. Zu der Demo riefen mehrere Kollektive mit Verbindungen zum Globalen Süden wie Voces deGuatemala, Chico Mendez und Indigenen aus Ecuador auf. Auch Ende Gelände, Sand im Getriebe, Extinction Rebellion und Fridays for Future Berlin nahmen daran teil.

Besonders umstritten ist die Fabrik wegen der unsicheren Wasserversorgung des Gebiets. Tesla gefährdet aber nicht nur die Trinkwasserversorgung in Brandenburg und Berlin, sondern fördert die Zerstörung von Lebensgrundlagen durch Extraktivismus auch andernorts. Die Produktion von Elektroautos hat die Nachfrage nach Mineralien wie Lithium oder Nickel erhöht. Nickel wird beispielsweise von europäischen Unternehmen wie dem Schweizer Bergbauunternehmen Solway in El Estor, unter unwürdigen Arbeitsbedingungen, abgebaut und verschmutzt den Izabal-See, den größten See Guatemalas. Bei der Herstellung von E-Autos bedarf es vieler dieser Ressourcen, weswegen eine reine Umstellung auf E-Mobilität die Lage dort noch weiter verschlimmern würde. Die indigenen Gemeinschaften der Q'eqchi, die sich gegen diese Todesmine wehren, werden vom Staat und dem Unternehmen gewaltsam unterdrückt.

„Es ist an der Zeit, dass Europa aufwacht und versteht, dass der "grüne Kapitalismus" eine Lüge ist. Deshalb demonstrieren wir nicht nur in Guatemala, sondern auch hier in Brandenburg!“ sagt eine der Aktivistinnen des Kollektivs Voces de Guatemala aus Berlin. Eine der meist verbrauchten Ressourcen in der (E-)Autoproduktion ist Wasser. Es ist grade zu zynisch, dass die Einweihungsparty der ‚Gigafactory’ am 22. März, dem Weltwassertag stattfindet. Erst gestern wurde zudem der neue Weltwasserbericht der UNESCO veröffentlicht. Dieser zeigt dramatisch: Schon  jetzt leben mehr als zwei Milliarden Menschen ohne sicheres Trinkwasser und etwa vier Milliarden Menschen in Regionen, die in mindestens einem Monat pro Jahr von großer Wasserknappheit betroffen sind. Dabei ist der Zugang zusicherem Wasser und sanitären Dienstleistungen ein Menschenrecht und gehört zu den 17 Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung.

Auch in Berlin und Brandenburg wird die Trinkwasserknappheit zunehmend problematischer. Die Gegend entlang der Spree, also auch Grünheide, gehört zu den trockensten und wärmsten Regionen in Deutschland. Teslas Elektroautofabrik wird diese Krise durch einen jährlichen Wasserverbrauchvon 18,2 Millionen Kubikmetern verschlimmern. Diese Verschwendung entspricht 372.000 Liter pro Stunde und nach Angaben des Wasserverbands Strausberg-Erkner (WSE) dem Pro-Kopf-Jahresbedarf von 71.500 Menschen. Bei einergeplanten Produktion von über 500.000 Autos jährlich, würden pro Fahrzeug 4,4 Kubikmeter Wasser verbraucht werden. Mitten in einem Trinkwasserschutzgebiet,  in einer der trockensten Regionen Deutschlands und begleitet von dem Beschluss des örtlichen Verbandes Wasser notfalls zurationieren.

"Unser Widerstand ist global, denn die Wasserkrise ist global - vom Cholchol-Flussüber den Izabal-See bis nach Brandenburg, unser Kampf gilt dem Leben! Wasser st keine Ware und wir werden es gegen transnationale Konzerne wie Tesla und andere verteidigen, die das Leben auf der Erde zerstören." sagt Louise, Aktivistin bei World Water Action.







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