1972 – 2022: 50 Jahre Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) - 50 Jahre konsequenter Einsatz für die Umwelt

23.06.22
BewegungenBewegungen, Umwelt, TopNews 

 

Von BBU

Am Freitag vor genau 50 Jahren wurde der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU, aktuell mit Sitz in Bonn) gegründet. In ihm sind zahlreiche Bürgerinitiativen und Umweltverbände aus dem ganzen Bundesgebiet organisiert, die sich für umfassenden und konsequenten Umweltschutz einsetzen. Die Geschichte des BBU ist eng mit der Geschichte der Anti-Atomkraft-Bewegung verbunden. Das Themenspektrum des BBU hat sich in den 50 Jahren seines Bestehens stark erweitert – geblieben ist die dringende und nach wie vor erschreckende Notwendigkeit für weitere umfangreiche Aktivitäten im
Bereich des Umwelt- und Naturschutzes und für das tatsächliche Ende jeglicher Nutzung der Atomenergie. In der Vereinssatzung des BBU heißt es: „Vereinszweck ist die Erhaltung und Wiederherstellung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Schutz der Natur und der durch Umweltgefahren bedrohten öffentlichen Gesundheit.“Zu seinem 50. Geburtstag wünscht sich der BBU weitere Mitglieder und Spenden zur Absicherung seines Engagements.

Der BBU wurde am 24. Juni 1972 von Bürgerinitiativen, Umweltgruppen und
Friedensinitiativen vor dem Hintergrund des drohenden Baus eines Atomkraftwerks in Wyhl (Baden-Württemberg) gegründet. Der BBU war zu der Zeit einer der ersten und zudem der größte bundesweit arbeitende Umweltverband. Zu den Mitgliedern des BBU gehören heute ebenso örtliche Bürgerinitiativen wie große Verbände (z. B. Greenpeace und Robin Wood). Der BBU ist ein überparteilicher Zusammenschluss und als Verein gemeinnützig anerkannt.

Besonders in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts hat der BBU zahlreiche Großdemonstrationen gegen Atomanlagen und gegen Atomwaffen mit organisiert, die bis heute nachwirken. Erinnert sei an die Demonstration 1981 gegen das Atomkraftwerk Brokdorf, an der sich bei Schnee und Eis 100.000 Menschen beteiligten, sowie an die großen Friedensdemonstrationen gegen die Nato-Nachrüstung in Bonn. Zu den besonderen Erfolgen des BBU und der gesamten Anti-Atomkraft-Bewegung zählen die Verhinderung der Atommüllfabrik (WAA) in Wackersdorf, die Nichtinbetriebnahme des Schnellen Brüters in Kalkar und die endgültige Stilllegung der Hanauer Atomfabriken.

Auch “im neuen Jahrhundert” kann der BBU Erfolge und vielfältige Aktivitäten vorweisen, so z. B. die Verhinderung der Müllverbrennungsanlage in Schwabmünchen/Hiltenfingen (2011) und anlässlich des 25. Jahrestages der Tschernobylkatastrophe (2011) die Mitorganisation des bundesweit größten Ostermarschs. Er fand in Gronau statt und führte dort zur umstrittenen Urananreicherungsanlage. Diese und viele weitere Demonstrationen, die nach der Fukushima-Katastrophe stattfanden, führten inzwischen zur Stilllegung fast aller
Atomkraftwerke in der Bundesrepublik. Weil aber, speziell international, noch immer Atomkraftwerke und Atomanlagen betrieben werden, setzt der BBU seine Anti-Atomkraft-Proteste und die BBU-Stromwechselkampagne in Kooperation mit den Elektrizitätswerken Schönau (EWS), die atomstromfreien Strom anbieten, fort.

Besonderes Augenmerk legt der BBU mit seinen örtlichen Mitgliedsgruppen auf die Uranfabriken in Gronau und Lingen, die trotz beschlossenem Atomausstieg bisher ohne Laufzeitbegrenzung arbeiten. Große Beachtung findet beim BBU und seinen Mitglieder auch der noch immer katastrophale Umgang mit Atommüll. In dem Zusammenhang ist der BBU darüber erfreut, dass es der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (eine BBU-Mitgliedsorganisation) gelungen ist, in jahrzehntelanger Widerstandsarbeit in Gorleben ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll zu verhindern.

Dezentrale Organisation und Beratung bei Umweltproblemen

Im Gegensatz zu anderen Umweltverbänden ist der BBU dezentral organisiert. Alle Initiativen und Verbände, die sich dem BBU anschließen, behalten ihren Namen und ihre volle Selbstständigkeit. Das hat zur Folge, dass der BBU in verschiedenen Facetten in Erscheinung tritt: Beispielsweise die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“, die sich gegen die Atommülllagerung in Ahauszur Wehr setzt, “ist BBU”, das Bündnis Heideterrasse, das sich u. a. im Bereich der Wahner Heide engagiert, „ist BBU”, der Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU) Niedersachsen „ist BBU“ und auch das Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN) „ist BBU“.

Während sich die im BBU organisierten Bürgerinitiativen vorrangig um örtliche Probleme wie Kraftwerke, Straßenbauprojekte oder bedrohte Biotope kümmern, bietet der BBU als Dachverband einerseits den örtlichen Gruppen Rückendeckung in der Auseinandersetzung mit Behörden und Unternehmen (Unterstützung von Protestaktionen, Teilnahme an Erörterungsterminen, gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit usw.). Ergänzend ist die BBU-Geschäftsstelle damit beschäftigt, zahlreiche Anfragen zu verschiedensten Umweltthemen zu beantworten sowie Rat- und Hilfesuchende mit Initiativen zu vernetzen, die sich mit entsprechenden Themen und Projekten befassen. “Es ist wichtig”, betont BBU-Geschäftsführerin Christine Ellermann, “dass sich die Betroffenen möglichst frühzeitig bei uns melden. Bestenfalls schon bevor ein Genehmigungsverfahren für ein Großprojekt eröffnet wurde oder bevor die Kettensägen schon einen halben Wald dem Erdboden gleich gemacht haben."

Breite Themenpalette: Atomkraft, Gentechnik und Gremienarbeit

Der BBU und seine Mitgliedsinitiativen haben in den letzten fünf Jahrzehnten, bedingt durch eine zunehmende Vielzahl an Umweltproblemen, die Themenpalette stark erweitern müssen. Der Widerstand gegen Atomanlagen und Atomtransporte ist nach wie vor zentral, denn noch ist der notwendige Atomausstieg nicht vollzogen. Und eine Laufzeitverlängerung für die letzten drei Atomkraftwerke in der Bundesrepublik lehnt der BBU strikt ab. Trotz der aktuellen Energiekrise ist die Nutzung der Atomenergie kein Lösungsweg. Der BBU plädierte schon immer für den Ausbau Erneuerbarer Energien sowie für Energieeinsparung und Energieeffizienz (die drei großen E), um von der nuklearen und fossilen Energieerzeugung wegzukommen.

Auf der Tagesordnung des BBU und seiner Mitglieder stehen auch die Verhinderung der C02-Endlagerung und der Gentechnik im landwirtschaftlichen Bereich. Massentierhaltung, Gefahren der Tonerstäube und die Sicherheit von Chemieanlagen sind einige weitere der vielfältigen Themen, die von Mitgliedsinitiativen des BBU sowie vom BBU-Vorstand immer wieder aufgegriffen werden. Im Bereich der Proteste gegen die unkonventionelle Gasförderung (Fracking) war und ist der BBU immer bundesweit federführend aktiv und im Bereich des Gewässerschutzes hat der Freiburger AK Wasser, der auch im BBU organisiert ist, bundesweit einen gewichtigen Namen. Und natürlich ist der BBU aktiv im Kampf gegen die Klimakatastrophe und für weitere Anpassungen an den
Klimawandel. Wichtig für den BBU ist dabei u. a. auch ein unverzüglicher Umbau des Verkehrswesens. Der Fern- und Güterverkehr muss von der Straße
auf die Schiene verlagert werden und der Öffentliche Personen-Nah-Verkehr (ÖPNV) muss genügend Fahrzeuge und Schienen-Infrastruktur vorhalten, damit der Umstieg vom Auto auf Busse und Bahnen auch praktisch vollzogen werden kann.

Engagiert ist der BBU auch bei der internationalen Kooperation mit Initiativen und Verbänden, so z. B. durch die Mitgliedschaft im Europäischen Umweltbüro (EEB), im grenzüberschreitenden Widerstand gegen eine Uranfabrik im niederländischen Grenzgebiet oder im Widerstand gegen den Uranabbau in aller Welt. Kontakte bestehen in mehrere europäische Länder, zur russischen Umweltbewegung, und auch zur japanischen.

Die nach wie vor ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitglieder des BBU sehen es als wesentliche Aufgabe an, die Anliegen der BBU-Mitglieder zu unterstützen. Dies geschieht durch gemeinsame Aktivitäten und auch durch Lobbyarbeit in Gremien, wie z. B. der Kommission für Anlagensicherheit (KAS) des Bundesumweltministeriums. Aus Gründen der Anlagensicherheit hatte der BBU auch Einwendungen gegen das Tesla-Automobilwerk in Grünheide eingelegt.

Wer eine neue Bürgerinitiative oder Aktionsgruppe gründen möchte, kann sich dazu beim BBU beraten lassen. Zur Vernetzung im Umweltbereich und zum Informationsaustausch zwischen älteren und neuen Initiativen erscheint der BBU-Newsletter, in dem Hintergrundinformationen und Aktionstermine veröffentlicht werden. Der Bezug ist kostenlos und frühere Ausgaben können auf der BBU-Internetseite nachgelesen werden. Aktuelle Informationen befinden sich zudem auch auf der Facebook-Seite des BBU. Als weiteren Service bietet der BBU auf seiner Internetseite eine Übersicht zahlreicher örtlicher und überörtlicher Termine aus den Bereichen der Anti-Atomkraft-Bewegung, der Umweltschutzbewegung und der Friedensbewegung an.

Geburtstagswünsche

Der BBU wird sich mit seinen Mitgliedern auch zukünftig unabhängig von der Industrie, von der Bundesregierung sowie von Landesregierungenfür einen konsequenten und umfassenden Umweltschutz einsetzen.

Zu seinem 50. Geburtstag wünscht sich der BBU neue Mitglieder (Initiativen, Verbände und Privatmitglieder), die tatkräftig mitarbeiten und ihr vielfältiges Wissen zum Schutz der Umwelt einbringen, oder die als passive Mitglieder die Umweltarbeit des BBU moralisch und finanziell unterstützen. Freuen würde sich der BBU, wenn sich auch mehr junge Leute für die gemeinsame Umweltschutzarbeit in Bürgerinitiativen und im BBU einbringen würden.

Der BBU freut sich zudem über kleine und große Spende, die dazu beitragen, das wichtige Engagement des BBU auch zukünftig zu gewährleisten. Spendenkonto: Sparkasse Köln/Bonn, IBAN: DE62 3705 0198 0019 00 26 66, SWIFT-BIC: COLSDE33. Stichwort: 50 Jahre BBU.

Informationen über den BBU und seine Aktivitäten gibt es im Internet unter

www.bbu-online.de sowie telefonisch unter
0228-214032. Die Facebook-Adresse lautet www.facebook.com/BBU72
. Postanschrift: BBU, Prinz-Albert-Str.
55, 53113 Bonn.

Weitere Informationen:

Die BBU-Satzung

https://bbu-online.de/html/Satzung%202015.pdf

BBU-Aufnahmeanträge

https://www.bbu-online.de/html/antrag.htm








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