Bis zu 4 Jahre Haft - Schweden klagt deutschen Familienvater an

29.08.22
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Von Letzte Generation

Christian Bläul (40) und Kevin Hecht (30), Unterstützer der Letzten Generation, befinden sich zur Stunde noch immer in schwedischer Untersuchungshaft. Sie hatten sich an friedlichen Sitzblockaden von “Återställ Våtmarker” (“Sumpfgebiete Wiederherstellen”) beteiligt. Die Gruppe fordert von der schwedischen Regierung, den Torfabbau zu verbieten und die für das Klima so wichtigen Sumpfgebiete wiederherzustellen.

Vergangenen Freitag haben die schwedischen Behörden entschieden, dass es gegen Christian zur Anklage kommen wird. Dem Vater von zwei Kindern drohen damit bis zu 4 Jahre Haft, weil er nicht bereit ist, die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen einfach hinzunehmen. Bläul soll mindestens bis zum Gerichtstermin am 2. September in der Untersuchungshaft bleiben. Eine vorübergehende Freilassung gegen Kaution wurde ihm verweigert, trotz seiner Zusicherung, zu allen Gerichtsverfahren zu erscheinen. Für den Familienvater Bläul ist heute der 12. Tag in Einzelhaft – länger, als je zuvor ein Mensch der Letzten Generation in Gefangenschaft verbringen musste.

Der Physiker denkt oft an seine Tochter. Über seine Motivation schreibt er: “Wie soll ich mit dem Wissen leben, dass wir unsere Kinder in den Tod schicken? Wenn ich mich jetzt dem fossilen Wahnsinn nicht in den Weg setze, kann ich im Leben keinem Kind mehr in die Augen schauen.” Über die Haftbedingungen beklagt er sich nicht: “Es geht mir den Umständen entsprechend gut im Gefängnis. Ich werde das bis zum Ende durchstehen, weil ich meinem moralischen Kompass folge. Ich bin hier am richtigen Ort, voller Kraft und voller Liebe für das Leben.”

Seit 7 Tagen sitzt auch der Berliner Informatiker Kevin Hecht in Stockholm hinter Gittern. Ob auch gegen ihn Anklage erhoben wird, entscheidet sich in den nächsten Tagen. Er hatte sich aus Solidarität mit Bläul einer neuerlichen Straßenblockade von Återställ Våtmarker angeschlossen - in dem vollen Bewusstsein, dass auch ihm damit U-Haft und Strafverfolgung drohen. Abschrecken ließ er sich davon nicht: "Angst habe ich vor der Klimakatastrophe, nicht vor dem Gefängnis”, schreibt er in einem Brief aus der Zelle. Und weiter: “Treibhausgase kennen keine Grenzen. Wir stehen vor der schwersten Krise, die die Menschheit je gesehen hat – und uns bleiben vielleicht noch 2-3 Jahre, um einen todbringenden Klimakollaps aufzuhalten. Deshalb müssen wir uns jetzt über alle Grenzen hinweg zusammenschließen, und gemeinsam dem fossilen Wahnsinn ein Ende bereiten.”

Carla Hinrichs, eine Sprecherin der Letzten Generation, fügt an: “Mit ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit sind Christian Bläul und Kevin Hecht uns allen ein Vorbild. Wir tun, was notwendig ist, um eine Klimahölle und damit die Vernichtung unserer Zivilisation zu verhindern – und lassen uns auch durch Gefängnisstrafen nicht ruhigstellen.”

Auffällig ist der Umgang der schwedischen Behörden mit den beiden deutschen Staatsbürgern. Mehrere dutzend Beteiligte, darunter auch Personen aus Finnland und Norwegen, wurden kurze Zeit nach den Sitzblockade wieder auf freien Fuß gesetzt. Einzig Bläul und Hecht befinden sich seit nunmehr über einer Woche in Untersuchungshaft. Schweden betritt damit Neuland - es ist das erste Mal überhaupt, dass in dem skandinavischen Land Klimschützer ins Gefängnis gesteckt werden.







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