Bündnis Klinikrettung zieht Bilanz: Notstand in der stationären Versorgung

26.01.22
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Von Bündnis Klinikrettung

Aktive vom Bündnis Klinikrettung aus Berlin und Havelberg haben zum Tag der PatientInnen mit einer Aktion auf dem Berliner Alexanderplatz den bundesweiten Klinikkahlschlag skandalisiert. Die Schließung des Krankenhauses Havelberg hat schon Menschenleben gekostet – diese Botschaft trugen die HavelbergerInnen nach Berlin.
Das Bündnis stellte die im Jahr 2021 erfolgten Klinikschließungen sowie die derzeit akut bedrohten Krankenhäuser symbolisch mit über achtzig Luftballons dar und ließen sie platzen. Außerdem läuteten die KlinikretterInnen den Endspurt für die Petition „Bundesweite Krankenhausschließungen jetzt stoppen!“ ein. Die Petition richtet sich an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, der sie als einfacher Abgeordneter im Sommer 2021 selbst unterschrieben hatte. Die Unterschriften werden noch bis 21. Februar gesammelt und am 22. Februar übergeben (www.gemeingut.org/krankenhausschliessungen-stoppen).

Laura Valentukeviciute, Sprecherin von Gemeingut in BürgerInnenhand und vom Bündnis Klinikrettung: „Der Abbau wohnortnaher Krankenhäuser bedroht das PatientInnenwohl. Im Jahr 2021 gab es neun Schließungen und 22 Teilschließungen. In den kommenden Jahren sind über 50 Krankenhäuser von Schließung bedroht. Um den Gesundheitsminister zum Handeln zu bewegen, sammeln wir Unterschriften und sagen: Herr Lauterbach, stehen Sie zu Ihrem Wort – bundesweite Krankenhausschließungen jetzt stoppen!“

VertreterInnen vom Verein Pro Krankenhaus Havelberg haben zum PatientInnentag den Weg nach Berlin auf sich genommen, um ihrer Empörung über die unzureichende klinische Versorgung in Havelberg Nachdruck zu verleihen. Denn was zunächst als lokales Problem anmuten mag, ist Teil einer bundesweiten Misere: der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fordert die Aufgabe von 700 Kliniken.
Anke Görtz, Röntgenassistentin im Krankenhaus Havelberg und stellvertretende Vorsitzende im Verein Pro Krankenhaus Havelberg: „In Havelberg wurde 2020 das Krankenhaus geschlossen. Die daraus resultierende Unterversorgung ist lebensbedrohlich. So starb vor wenigen Wochen ein Mensch am Herzinfarkt, weil der Rettungswagen aus dem weiter entfernt gelegenen Krankenhaus zu lange brauchte. Das Versprechen der Schließungslobby, dass PatientInnen trotz Klinikschließungen bei Akuterkrankungen das Krankenhaus noch rechtzeitig erreichen, war nie realistisch. Hier vor Ort sehen wir in aller Klarheit: Krankenhausschließungen kosten Leben.“

Die Aktionsgruppe gegen Kliniksterben in Bayern hat am PatientInnentag eine Pressekonferenz abgehalten.
Klaus Emmerich, Klinikvorstand i. R. und Mitbegründer vom Bündnis Klinikrettung sowie von der Aktionsgruppe gegen Kliniksterben in Bayern: „Bayern ist als Flächenstaat besonders von einer klinischen Unterversorgung betroffen. Jahrzehntelanges Kliniksterben und der hohe prozentuale Anteil an Fachkliniken im Umfang von 46 Prozent erschweren die wohnortnahe klinische Behandlung bei Allgemeinerkrankungen und Notfällen signifikant. Wir zählen mittlerweile 115 Postleitzahlregionen, in denen PatientInnen ein Krankenhaus mit Innerer Medizin und Chirurgie nicht einmal innerhalb von 30 Fahrzeitminuten erreichen können. Das kann in Notfällen lebensentscheidend sein.“

Auch die Attac-AG Privatisierung Nein! Frankfurt am Main hat sich dem Aktionstag angeschlossen und die Gelegenheit genutzt, um heute erneut auf die sich scheibchenweise vollziehende Privatisierung am Klinikum Frankfurt Höchst aufmerksam zu machen.
Herbert Storn von Gemeingut in BürgerInnenhand und Attac-AG Privatisierung Nein!: „Klinikschließungen und Privatisierungen, auch in kleinen Schritten, dienen nicht dem PatientInnenwohl, sondern ermöglichen privaten Anbietern Gewinne. In Frankfurt am Main protestieren wir heute zum wiederholten Mal gegen die Ausgliederung der Klinikapotheke an eine private Großapotheke. Kliniken gehören als Gemeingüter der Daseinsvorsorge in die öffentliche Hand und müssen auskömmlich finanziert werden. Die Apotheke gehört zurück zur Klinik!“







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