Tausende Gewerkschafter- und AntifaschistInnen protestieren bei Ver.di gegen die Kündigung von Angelo Lucifero


Angelo Lucifero

15.01.08
TopNewsTopNews, Antifaschismus 

 

Von Edith Bartelmus-Scholich

Seit Ende Dezember 07 bekannt wurde, dass die Landesleitung von Ver.di Thüringen/Sachsen/Sachsen-Anhalt den antifaschistischen Sekretär Angelo Lucifero kündigen will, reißen die Proteste nicht ab. Zwischenzeitlich haben zahlreiche gewerkschaftliche Gliederungen, FunktionsträgerInnen und aktive Mitglieder Ver.di gegenüber ihre Empörung ausgedrückt. Hinzu kommen Schreiben von vielen Antifaschisten, die Angelo Lucifero als Garanten der antifaschistischen Arbeit von Ver.di schätzen gelernt haben. Öffentlichen Beifall erhält die Ver.di-Landesleitung beschämenderweise von der NPD, die nun zum massenhaften Eintritt ihrer Anhängerschaft in die Gewerkschaft aufruft.

Leider zeigt sich die Ver.di-Landesleitung bislang  von den Protesten unbeeindruckt . Anstatt mit Angelo Lucifero in kollegialen Dialog zu treten, beginnt sie eine Medienoffensive zur Verteidigung ihrer desaströsen Vorgehensweise. Anläßlich des morgigen ersten Verhandlungstages im Prozeß von Angelo Lucifero gegen den Strafbefehl wegen seiner Gegenwehr gegen einen gewalttätigen Übergriff von Nazis, rufen wir daher nochmals auf: Soldidarisiert Euch mit Angelo Lucifero und schreibt dem Ver.di-Landesleiter Thomas Voß, was Ihr von seiner Politik haltet! (thomas.voss@verdi.de)

Beispielhaft für den Protest gewerkschaftlicher Gliederungen fügen wir nachstehend das Schreiben des Ver.di Bezirkserwerbslosenausschusses Herford-Minden-Lippe ein.

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An
den ver.di-Vorsitzenden, Kollegen Frank Bsirske
und den ver.di-Landesbezirksleiter Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen,
Kollegen Thomas Voss

 

Solidarität mit Angelo Lucifero


Liebe Kollegen,

mit Bestürzung haben wir erfahren, dass unsere ver.di-Führung den Kollegen Angelo Lucifero in dem Strafprozeß vor dem Amtsgericht Erfurt nicht unterstützen wird und, viel schlimmer noch, das Arbeitsverhältnis mit Angelo gekündigt hat.

Wenn der Kollege Thomas Voss in einer Radiosendung (Radio-Z, Nürnberg, 08.01.2008) sagt, zwischen Angelos und seinen eigenen antifaschistischen Positionen passe kein Blatt Papier, dann glauben wir ihm.

Etwas fällt uns allerdings auf:

Kollege Voss spricht von Positionen. Angelo handelt! Er weiß, den Kampf gegen Nazis und andere Rassisten gewinnen wir nicht durch Positionen, sondern mit dem Kampf um die Köpfe der Menschen und in der Auseinandersetzung auf der Straße.

Dabei riskiert Angelo seit Jahrzehnten Gesundheit und Leben!

Wie sehr sein Kampf die Nazis getroffen hat, seht ihr an der Freude der NPD darüber, dass ver.di auf seinen herausragenden Antifaschisten Angelo Lucifero verzichten will. Konsequent verzichten will - indem Angelo dem Elend der Arbeitslosigkeit anheim gestellt wird.

Wir können uns vorstellen, dass es schwierig ist, wenn jemand wie Angelo mit völlig unbeirrbarer und selbstverleugnender Konsequenz gegen Nazis und Rassisten kämpft - so vorangeht, dass viele KollegInnen in seiner gewerkschaftlichen Welt nicht mit gleichem Tempo folgen können.

Das schafft Frustration bei dem, der vorangeht, und bei denen, die zurückbleiben - und Konflikte zwischen beiden Seiten.

Aber trotz alledem: Solltet ihr Angelo wirklich nicht in seinem Strafprozeß unterstützen und zu allem Übel auch noch aus ver.di rauswerfen, schafft ihr ein furchtbares Signal:

Jede hauptamtliche Kollegin und jeder Kollege, die überhaupt noch bereit sind, sich den Nazis in den Weg zu stellen, müssen sich fragen: Wie viel Antifaschist und wie viel Antirassist darf ich denn in ver.di noch sein?
 
Niemand wird uns die Wahrhaftigkeit unseres antifaschistischen Engagements noch glauben - denn niemand wird euch den vorgeschobenen, völlig absurden, Grund für den Rauswurf von Angelo glauben.

Haltet ein! Nehmt die Kündigung von Angelo zurück und unterstützt Angelo in seinem Prozeß!

Nur das wäre einer demokratischen, antifaschistischen und antirassistischen Gewerkschaft würdig.

Herford, den 14. Januar 2008

Mit kollegialem Gruß

gez. Herbert Friedl
        Vorsitzender des Bezirkserwerbslosenausschusses
        Herford-Minden-Lippe
        für den Bezirkserwerbslosenausschusses

 







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